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Porsche 911 S/T – zum Ersten

Es ist heikel

Ach, diese Porsche 911 S/T. Oder 911 ST. Oder, nein, diese Katz’ lassen wir jetzt noch nicht aus dem Sack. Auf jeden Fall: Renn-Fahrzeuge, gab es als 2,3-Liter, aber halt auch als 2,5-Liter. Mit unterschiedlichen Spur-Weiten. Wohl immer mit Doppel-Zündung. Ein ganz wichtiges Kapitel in der Porsche-Geschichte – das ja dann auch ziemlich direkt zum ikonischen Carrera RS 2.7 führte.

Ja, es ist heikel. Da schreiben wir seit zwei Jahren Listen, suchen Bilder, Infos, reden mit Eingeweihten und anderen Auskennerinnen. Grenzen ein, grenzen aus, erweitern, haben dann wieder Zweifel, kennen andere Zweifler, wissen um die Vorkommnisse mit diesem berühmten Porsche-Spezialisten, haben die Hintergrund-Infos zu einem bekannten Restaurator, der unterdessen nicht mehr im Geschäft ist oder sein darf. Klar, wir haben alle relevanten Bücher, immer in der 1., also wichtigsten Auflage, sind auch fleissig mit dabei in den Foren, weltweit. Und dann schneit es uns ein Fahrzeug rein, das auf keiner dieser Listen steht, in keinen Buch verzeichnet ist.

Chassis-Nummer: 911 030 1128. Kommt bei Artcurial Anfang Februar 2023 auf der Rétromobile unter den Hammer, Schätzpreis 1 bis 1,4 Millionen Euro. Soll einer der 21 S/T sein, die gebaut wurden; stimmt eh nicht, das mit den 21, es waren mehr, man muss da unterscheiden zwischen, ach. Das machen wir dann noch, sehr intensiv, sehr detailliert, aber sicher nicht mehr vor Anfang Februar. Und irgendwie wissen wir jetzt halt nicht, was wir zu genau diesem Exemplar schreiben sollen.

Die Geschichte, die Artcurial zu 911 030 1128 erzählt, ist auf jeden Fall sehr spannend. Gebaut Anfang 1970 in «Conda Grün» (Code 262621) als «Rally», ausgeliefert am 17. Juli 1970 ans AAW Racing Team in Finnland. Erster Pilot soll ein gewisser Björn Waldegard gewesen sein – ja, jener, der dann 1979 Rallye-Weltmeister wurde -, am 4. Oktober bei einem 500-Kilometer-Renn im finnischen Keimola. Waldegard bewegte den 911er auch danach noch öfter, bekannt ist vor allem der Auftritt am 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring am 30. Mai 1971, wo er zusammen mit Leo Kinnunen den 2. Platz in der Klasse belegte. Später wurde der Porsche bei Rallies in hohen Norden eingesetzt, noch später im Rallycross, zuletzt 1987 von Jorma Vilander, unterdessen aufgerüstet mit einem 800 PS starken Motor aus einem Porsche 935. Erst 2011 verkaufte Vilander dieses Geschoss, optisch damals auch noch eine «Flachnase». Es wurde in der Folge von Roock Sportsystem restauriert – in den Zustand von 1970.

Tönt alles wunderbar, logisch, passend, eine ganz typische Geschichte eines klassischen Rennwagens. Bloss steht diese Chassis-Nummer auf keiner meiner Listen. Das kann mein Fehler sein, ist es vielleicht auch. Oder auch nicht. Es ist halt heikel. Aber wir können versprechen, dass wir bald über ein paar dieser 911-Renn-Fahrzeuge schreiben werden, bei denen keinerlei Zweifel bestehen.

Mehr schöne Porsche haben wir unterdessen in unserem Archiv.

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