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Die Citroën DS von Chapron

Wundertüten

Wie Henri Albert Maurice Chapron, geboren 1886, zum Automobil kam, das ist nicht ganz klar. Er lernte Sattler, zog für neue Arbeit durch ganz Frankreich, kam bis nach Algerien – und eröffnete 1919 im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine seine Ateliers Henri Chapron. Zu Beginn wurde kleine Brötchen gebacken, Chapron baute gebrauchte Militärfahrzeuge um für die zivile Nutzung, doch die Geschäfte liefen anscheinend bestens, schon 1923 konnte er neue, von Gustave Eiffel entworfene Hallen in Levallois-Perret beziehen. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt zuerst mit dem Umbau von Ford T, es gab neue Coupé- und Torpedo-Formen, was ihm Erfolg und Bekanntheit einbrachte: 1927 beschäftigte er schon 340 Mitarbeiter, lieferte drei Fahrzeuge pro Woche aus. Die Entwürfe von Chapron waren bei weitem nicht so aufsehenerregend wie jene etwa von Saoutchik oder Figoni, doch es sprach sich herum, dass er saubere Qualität liefern konnte. Und seine Klientel wurde immer wohlhabender, es kamen Delage und Delahaye zu ihm, dann auch Avions Voisin, Hispano-Suiza, Bugatti, Talbot-Lago. Vor dem 2. Weltkrieg war Henri Chapron sicher einer der erfolgreichsten Carrossiers in Frankreich; er selber sass selten am Zeichenbrett, in der Zeit vor dem Krieg war Marcel Devarenne sein wichtigster Zeichner, später dann Carlo Delaisse. Doch damit wollen wir uns dann zu einem anderen Zeitpunkt einmal beschäftigen (Bild unten: Delahaye 135M von 1939, #60139)

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Geschäft schwieriger, wie bei allen Mass-Schneidern. Doch Chapron konnte sich lange gut halten, auch dank Verträgen mit Talbot-Lago, Delahaye, Hotchkiss. Doch die französischen Luxus-Hersteller schlossen einer nach dem andern die Tore, auf Sonderwunsch gebaute Karosserien entstanden fast nur noch in Italien – da verliebte sich Henri Chapron 1958 in die neue Citroën DS. Und sah seine Chance, dieses schon aussergewöhnliche Fahrzeug noch aussergewöhnlicher zu gestalten, zuerst in Form eines viersitzigen Cabriolets, das er noch 1958 auf dem Pariser Salon ausstellte. Der Entwurf gefiel den Verantwortlichen von Citroën so gut, dass sie Chapron den Auftrag für eine Serien-Produktion gaben, die 1960 dann tatsächlich anlief. Bis 1971 wurden wahrscheinlich 1365 dieser «Cabriolet Usine» hergestellt (Bild unten: DS21 von 1966).

Doch der grosse Meister hatte damit nicht genug, er warf in der Folge immer neue DS-Formen auf den Markt, wir versuchen hier einmal eine kleine Übersicht:

Erste Serie, 1958-1959

Cabriolet «La Croisette» (25 Ex.)

Coupé «Le Paris» (9 Ex.)

Zweite Serie, 1960-1962

Cabriolet «La Croisette» (27 Ex.)

Coupé «Concorde» (23 Ex.)

Cabriolet «Le Caddy» (18 Ex.)

Coupé «Le Dandy» (20 Ex.)

Dritte Serie, 1963-1964

Cabriolet «Le Caddy» (4 Ex.)

Cabriolet «Palm Beach» (12 Ex.)

Coupé «Concorde» (9 Ex.)

Chassis-Nummer: 4272001

Auktion: Gooding & Co., Amelia Island 2024, Schätzpreis 120’000 bis 150’000 Dollar. Kommt aus der Mullin-Sammlung, wird mit Jahrgang 63 angegeben, doch da gab es gemäss Nachfrage bei Spezialist Oliver Weiss noch keine Heckflossen. Es stimmt also entweder der Jahrgang nicht – oder die Concorde wurde später noch einmal umgebaut. Wir halten uns trotzdem an die Angaben des Versteigerers, vorerst.

Coupé «Le Dandy» (12 Ex.)

Chassis-Nummer: 4266904

Auktion: Gooding & Co., Amelia Island 2024, Schätzpreis 150’000 bis 225’000 Dollar, aus der Mullin Collection, angeboten mit folgendem Text: «This Le Dandy was invoiced on May 16, 1963, to an air transport company in Paris. The Citroën passed through the hands of two subsequent French individuals before being acquired by the Mullin Collection in 2016». Der Spezialist Oliver Weiss sagt: 5. Version, hat noch keine Heckflossen, sondern das abfallende Heck (und müsste somit ein paar Monate vor der oben gezeigten Concorde gebaut worden sein).

Vierte Serie, 1965-1967

Cabriolet «Caddy» (10 Ex.)

Cabriolet «Palm Beach» (10 Ex.)

Coupé «Concorde» (1964/1965 – 6 Ex.)

Coupé «Le Dandy» (15 Ex.)

Coupé «Le Leman» (16 Ex.)

Chassis-Nummer: 4350025

Auktion: Gooding & Co., Amelia Island 2024, Schätzpreis 120’000 bis 150’000 Dollar, aus der Mullin Collection, angeboten mit folgendem Text: «First displayed at the 1966 Geneva Motor Show, the DS21 Le Leman was a stylish coupe undertaken by Chapron without the approval of Citroën. To accomplish this, Chapron purchased complete DS21s, rather than just the chassis and engines, and then made modifications to existing coachwork. Approximately 27 examples of the Le Leman coupe were completed. The Mullin Collection purchased this exquisite Citroën Le Leman in 2015 from Yveline Cardron in France, according to the car’s file. Since that time, the DS21 has been exhibited at the Mullin Automotive Museum. Finished in a marvelous two-tone livery of blue metallic and silver, this Le Leman coupe is further complemented by elegant chrome trim and rocker covers».

Limousine «Majesty» (20 Ex.)

Chassis-Nummer: 4426002

Auktion: Gooding & Co., Amelia Island 2024, Schätzpreis 120’000 bis 150’000 Dollar, aus der Mullin Collection, angeboten mit folgendem Text: «The Majesty presented here was ordered by René Gaston-Dreyfus in 1964. He had very specific demands of Henri Chapron for his DS19. The list of requests included metallic paint, shortened front doors, extended rear doors that hinged at the rear, electrically operated privacy panel, twin rear ashtrays, electric clock, power windows, front fog lights, Becker Mexico radio with power antenna, Connolly leather, modified rear wheel arches, and heated mirrors. A photograph present in the car’s file depicts Gaston-Dreyfus with his new Majesty. The next owner subjected this Majesty to an extensive restoration in Germany, carried out between 2006 and 2009. Following its acquisition by the Mullin Collection in 2015, this elegant Citroën was displayed at the 2018 Pebble Beach Concours d’Elegance® where it was awarded Second in Class».

Fünfte Serie, 1968-1972

Cabriolet «Le Caddy» (2 Ex.)

Limousine «Presidentielle» (1 Ex. – schöne Story)

Cabriolet «Palm Beach» (10 Ex.)

Coupé «Le Dandy» (2 Ex.)

Coupé «Leman» (11 Ex.)

Limousine «Majesty» (7 Ex.)

Limousine «Lorraine» (18 Ex.)

Insgesamt waren es wohl 287 unterschiedliche Citroën DS, die bei Chapron entstanden; man weiss das nicht so genau, weil Monsieur Chapron es nicht so genau nahm mit der Buchhaltung. Ab 1970 versuchte er sich dann auch am Citroën SM, doch da waren die Stückzahlen dann sehr gering. Sie können sich denken, was hier in Zukunft passiert: ja, eine Sammlung. Wenn wir wieder ein schönes Exemplar finden, dann wollen wir auch etwas tiefer in die Details gehen.

Mehr spannende Fahrzeuge finden Sie in unserem Archiv.

2 Kommentare

  1. thomas erb thomas erb

    Lieber Peter

    Einmal mehr ein super Artikel. Danke für Deine Recherchen.
    Immer wieder gerne lese ich Deine Artikel, denn Sie sind mehr als nur informativ.

    Danke und Gruss
    thomas

  2. Max Max

    Sehr interessant.

    Man wünschte sich ja die Auferstehung der Ateliers, mit der E.-Technik wäre das wahrscheinlich einfacher. Nur die vorgeschriebenen Crashtests sind wahrscheinlich eine hohe Hürde.

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