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Fahrbericht Porsche 911 GT2 Clubsport

Definitionen von Fahrspass

Früher, da war ich zwar auch schon 1,90 Meter lang, aber halt auch 20 Kilo weniger adipös. Und der Ranzen ist nun wirklich nicht grad hilfreich, wenn ich da in den Porsche 911 GT2 Clubsport klettern muss, auch das mit den Gurten ist ein blödes Gepfriemel. Und die Sitzschalen sind um die Hüften schon etwas gar eng, es wäre sicher bequemer, wenn ich in den vergangenen Jahren auf den einen und auch anderen Sonntagsbraten verzichtet hätte. Doch was jammere ich, da muss ich jetzt durch, ganz so oft werde ich nicht mehr GT2 Clubsport fahren. Es wurden ja nur 20 Stück produziert. Oder 23, selbst Porsche weiss das nicht so genau.

Die Geschichte des GT2 der ersten Generation haben wir schon ausführlich erzählt, hier. Doch wie so häufig bei Porsche gab es aber bei den Strassen-Versionen noch eine Steigerung: Clubsport. Da ist die Informationslage ziemlich dürftig, eben 20 oder auch 23, diese Fahrzeuge hatten dann einen Käfig, die schon erwähnten Rennsitze mit den mühsamen 6-Punkt-Gurten, Feuerlöschsystem, Not-Schalter – und 450 PS. Das Exemplar, das wir hier zeigen (wir sind ein anderes gefahren), ist unter diesen Raritäten ein Einzelstück, denn es wurde auf Wunsch des Käufers ab Werk in Ferrari-Gelb lackiert.

Um es einmal zurückhaltend auszudrücken: Er ist ziemlich laut, dieser Porsche. Also: Er ist so laut, dass es beim besten Willen kein Radio braucht. Das hat er ja auch nicht, wie er auch sonst gar nichts hat, was in irgendeiner Form der Verweichlichung – andere nennen es Komfort – zuträglich wäre. Alles ist hart, die Lenkung geht streng, die Kupplung ist ein Vieh, die Gänge müssen mit ziemlich viel Überzeugung eingeworfen werden. Ich bin in einem dieser diffusen E-Autos zu dieser Ausfahrt angereist, in Sachen Fahrfreude herrschte da tiefe Nacht – im Porsche geht jetzt die Sonne auf.

Es ist halt eben einfach nur grossartig: Das Kesseln des letzten luftgekühlten 911er-Motors ist die ganz grosse Oper. Der brachiale Schub ist auch heute noch ein Erlebnis, obwohl jedes zweite E-Gerät wahrscheinlich heftiger abgeht, doch im nur etwas über 1200 Kilo schweren Porsche nimmt man das ganz anders wahr, man sitzt quasi auf dem Boden, darum herum ist nichts ausser dünnes Blech und viel Lärm und Vibrationen. Und dann halt auch noch: Zwangsbeatmung. Der Turbo-Schub bleibt gerade in Zeiten der so linearen Kraftentwicklung der Stromer ein wunderbares Erlebnis, Du wartest auf den Knall, es haut Dir die Birne aber dann doch überraschend nach hinten – ach, wie werden wir das in Zukunft vermissen. Einfach nur Mechanik, eine ganz saubere Ingenieursleistung – nicht irgendwelche Zentralcomputer, die in irgendeinem Labor von irgendwelchen Nerds programmiert werden. Es ist ein ganzheitliches Fest der Sinne, denn es riecht auch noch nach Benzin und Gummi und halt wie ein richtiges Automobil.

Vor allem: Ich bin mittendrin anstatt nur ein Passagier elektronischer Systeme. Das Fahrwerk ist bretterhart, schlägt ins Kreuz, man kriegt jeden Kieselstein mit, den man überfährt. Aber dafür bewegt sich der Porsche stoisch genau dorthin, wohin man ihn haben will; die knochentrockene Lenkung ist ein Genuss. Allerdings: Man muss schon sehr genau wissen, was man tut, der Begriff Heckschleuder trifft auf den GT2 definitiv zu. Am Kurvenausgang zu früh auf dem Fahrpedal – viel Vergnügen. Zu hart einbremsen vor der Biegung – viel Vergnügen. Aber ganz genau das will ich ja, ich will mich und das Gerät an unsere gemeinsamen Grenzen bringen – das ist wahrscheinlich das, was man als Fahrspass bezeichnet. Schnell geradeaus kann jeder.

Leider kostet so ein Porsche 911 GT2 Clubsport heute unglaublich viel Geld, wir sprechen von nördlich von zwei Millionen; anscheinend existieren auch nur noch sieben Exemplare, alle anderen gingen wohl auf Abwege. Doch das mindert die Faszination dieses Fahrzeugs beim besten Willen nicht, der Porsche ist eine Art Zeitzeuge einer Zeit, als Automobile noch fordernd sein durften (und waren). Und dafür werden wir Gerätschaften wie den Porsche 911 GT2 Clubsport ewig lieben.

Fotos: Dario Fontana. Der gelbe Porsche 911 GT2 Clubsport steht zum Verkauf bei der B.I. Collection in Gstaad. Mehr feine Wagen haben wir in unserem Archiv.

2 Kommentare

  1. maxi moll maxi moll

    ER altert einfach nicht!
    Das ist er. der 911er. In 50 Jahren ist er immer noch.
    Ob wird da noch sind, oder aus Blödheit und niederen Gründen ausgestiegen,
    wird die Evolution zeigen.
    Der Wagen steht für alles, was gut ist und gegen alles, was diese Industrie total
    falsch macht. Gilt für Porsche selber.
    Die bauen nur 911 und Boxter und Cayman.. der Rest ist Oligarchennonsens und
    adipöse Peinlichkeit. Null Begehren. Und damit von mir Null Euro, oder Franken
    oder was immer.
    Lg Max

  2. Albani Roni Albani Roni

    Da kriege ich Gelbsucht im positiven Sinne; es ist und bleibt (leider) ein Traumauto. Herzlichen Dank für diesen Bericht!

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