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radical zero: Zu Besuch bei Dongfeng & Co.

Offene Türen

Natürlich war die Frage des deutschen Journalisten irgendwie symptomatisch: «Wie will denn Voyah 500 kW Ladegeschwindigkeit schaffen, wenn Porsche maximal auf 320 kW kommt?» Der Marketing-Chef von Dongfeng-Premium-Tochter Voyah schaute etwas irritiert, gab die Frage weiter an seinen Technik-Chef, der nur wenig Englisch verstand, aber nach der Übersetzung kurz mit den Schultern zuckte, lächelte, dann in etwa dies sagte: «Das ist kein Problem, das ist derzeit noch eine Frage der Infrastruktur. Aber das wird noch diesen Sommer gelöst, im nächsten Jahr werden wir sicher 600 kW haben, wahrscheinlich sogar 800. Das Ziel ist vom Staat vorgegeben, 1000 kW, dafür werden die Ladesäulen auf 1250 Ampere abgesichert – damit dürfte das Thema Ladegeschwindigkeit dann vom Tisch sein. Was unsere Konkurrenten machen, das darf ich nicht kommentieren, aber für uns als staatlicher Konzern sind die Vorgaben klar». Dann blickt er noch einmal kurz auf: «Für Lastwagen müssen die 1000 kW Ladegeschwindigkeit schon 2025 möglich sein».

Gerne geben wir noch einmal die Berechnung. Die Leistung (W) wird errechnet, indem man Spannung (V) mal Strom (A) rechnet. Anders ausgedrückt: Die Spannung ist der Wasserdruck, der Strom die Grösse des Wasserhahns – mehr Wasser durch einen grösseren Hahn füllt die Badewanne schneller. Die aktuellen (europäischen) Schnelllader sind technisch auf 500 Ampere begrenzt, das ergibt dann bei den meisten E-Autos also 400 V x 500 A gleich 200’000 W (200 kW). Bei einem 800-V-Bordnetz ist die Rechnung genau gleich, also 800 V x 500 A gleich 400 kW. Die neuen chinesischen Schnelllader kommen nun aber, wie erwähnt, mit 1250 Ampere, deshalb: 800 V x 1250 A gleich 1000 kW. Neuere chinesische E-Plattformen basieren schon auf 900-V-Architketuren, was zur Folge hat, dass sie ihre Spitzenleistung beim Laden länger halten können, nicht bloss auf publikumswirksamen, aber kurzzeitigen Peak ausgerichtet sind; der weltweit wichtigste Batteriehersteller CATL hat kürzlich auf der Auto China in Peking (siehe hier – ein paar Dongfeng-Neuheiten: Bilder unten) einen günstigen, standfesten LFP-Akku vorgestellt, der die oben erwähnten Ladegeschwindigkeiten problemlos schafft. Und sich bereits in Produktion befindet.

Über welche Batterien die zukünftigen Voyah-Produkte verfügen werden, wollten die Vertreter der Konzern-Mutter Dongfeng nicht verraten. Aber man darf davon ausgehen, dass der Staatskonzern, 1969 gegründet, sicher auf das beste Material zurückgreifen kann – das Unternehmen aus Wuhan ist einer der weltgrössten Hersteller und Exporteure von Militärfahrzeugen, da dürften die Verbindungen zu Parteispitze ausgezeichnet sein. Und weil Dongfeng als einer der ältesten und wichtigsten Auto-Produzenten von China, vor allem als Partner einst von PSA sowie Nissan, auch sehr viel Erfahrung hat im Autobau, ist den Chinesen jederzeit zuzutrauen, dass sie technologische Spitzenprodukte auf den Markt bringen können. In Europa ist das Unternehmen noch nicht so bekannt – weil kaum jemand weiss, dass sie etwa den rein elektrischen Dacia Spring entwickelt haben und auch produzieren.

Doch nun drängt es auch diesen chinesischen Hersteller vermehrt auf den Weltmarkt. Schon im nächsten Jahr soll der Nammi EV1 (Bild oben und unten), der eine Weiterentwicklung des Dacia Spring ist, aber viel hübscher designt, nach Europa kommen – mit einer Preisskala, die wohl bei unter 20’000 Franken beginnt. Er wird dann wohl Dongfeng Box heissen, rein elektrisch etwa 300 Kilometer weit kommen – und fährt sich ganz anständig, wie wir uns auf einer kurzen Probefahrt selber überzeugen konnten. Auch innen ist das alles andere als billig, da gibt es aktuell europäische Stromer, die können nichts besser, kosten aber das Doppelte. Überhaupt soll das Dongfeng-Angebot dann kontinuierlich ausgebaut werden – das Modellangebot der Marke in China ist gewaltig. Für Europa interessant dürften auch die neuen Plug-in-Hybriden mit Range Extender werden, die rein elektrisch über 200 Kilometer weit kommen.

Schon in der Schweiz angekommen ist die Dongfeng-Premium-Marke Voyah, als erstes Angebot gibt es den Free. Dazu kommt in absehbarer Zukunft der Passion (siehe weiter unten) und vielleicht auch der Dream, ein grosser Luxus-Van (siehe Bild unten). Mit erstaunlicher Offenheit führten die Verantwortlichen von Voyah eine kleine Schar europäischer Journalisten durch die sehr modernen Fertigungshallen in Wuhan, man kann keinen Unterschied zu europäischen Produktionsanlagen erkennen – ausser vielleicht, dass eine fast schon beängstigende Ruhe herrscht, die wenigen Arbeiter, die auf dieser vollautomatisierten Fertigungsstrasse zugange sind, hochkonzentriert am Werk sind.

Noch einen Schritt weiter ist Dongfeng aber mit Mengshi, einer weiteren Marke, die den in der Schweiz auch schon erhältlichen MHero 1 fertigt. In einem Aussenquartier von Wuhan wurde dafür eine neue Fabrik erstellt – nach eigenen Angaben die erste CO2-neutrale Auto-Produktion in China. Nachprüfen lässt sich das, wie so manches in China, natürlich nicht, aber es ist gut vorstellbar, viel natürliches Licht, der Strom wird von gewaltigen Photovoltaik-Anlagen erzeugt, allerorten ist es sehr grün, es rascheln die Schilfwäldchen. Zwar können da derzeit nur maximal 20 Fahrzeuge pro Tag mit viel Handarbeit gebaut werden, doch Mengshi will diese auf ein für China bisher neues Qualitätsniveau bringen. Von dem dann auch die anderen Dongfeng-Produkte profitieren sollen.

Ja, es ist durchaus sehr eindrücklich, was Dongfeng da zu bieten hat. Selbstverständlich ist auch in China bei weitem nicht alles Gold, was zu glänzen scheint. Aber im Reich der Mitte lernen nicht nur die Auto-Hersteller sehr schnell – und dass man sich jetzt auch für europäische Medien öffnet, darf als gutes Zeichen gesehen werden. Und wohl deshalb lässt man uns auch noch den Voyah Passion, eine optisch durchaus adrette Limousine von mehr als fünf Metern Länge, fahren. In China gibt es dieses Fahrzeug auch als PHEV mit einer Systemleistung von 390 PS. Mit seinem 43-kWh-Akku kommt der Passion auf eine rein elektrische Reichweite von über 250 Kilometern, zusammen mit dem 1,5-Liter-Benziner, der seinen Saft aus einem 51-Liter-Tank, sollen insgesamt über 1250 Kilometer möglich sein. Nach Europa wird aber vorerst wohl nur die Strom-Variante kommen, die über eine 109-kWh-Batterie verfügt und damit bis zu 800 Kilometer weit kommen will. Selbstverständlich ist auch in China das Papier sehr geduldig, auf das solche Angaben gedruckt werden, doch mit einem cW-Wert von 0,225 ist der Passion sehr aerodynamisch gestaltet und wohl auch deshalb ziemlich sparsam.

Auf einer kurzen Proberunde auf dem Versuchsgelände von Voyah konnten wir das zwar kein endgültiges Urteil über das Fahrverhalten der chinesischen Limousine fällen, doch Lenkung, Bremsen und Fahrwerk scheinen auf einem zeitgemässen Niveau, der Vorwärtsdrang des 510 PS starken Passion ist wie immer bei diesen Stromern beeindruckend. Das gilt auch für das Innenleben, hochwertige Premium-Materialien, sauber verarbeitet – ob der riesige Hyperscreen, der sich über fast die ganze Breite des Innenraums zieht, sehr übersichtlich ist, sei hier in Frage gestellt. Und trotzdem: Quasi aus dem Nichts stellt Voyah ein Fahrzeug auf die Strasse, das sicher als Alternative zum VW ID.7 taugt. Über den Preis will der Schweizer Importeur allerdings noch nichts verlauten lassen.

Mehr Strom? zero. Alles andere: Archiv.

2 Kommentare

  1. Max Max

    Die Qualität wird auch vom Staat verordnet, liegt bei 200%

  2. maxi moll maxi moll

    Das trojanische Perd!

    Das erste war aus Holz, das vorletzte aus Schokolade, das letzte ein Dongfeng.

    Wenn die Geschichte genau so rennt wie beim Handy ( dort hat die
    staatlich chinesische Wirtschaft vorgemacht was passiert..) ( und wenn
    Volchswochen Manger reden..“ Wir holen die Chinesen vom Fahrrad..“
    Wer fährt bald nur noch Lastenrad und lebt in der Hartz-9-wohnung?)
    Was wird den sein im Jahr 2035?
    Der Chinaschrott wird teurer sein , alles alles was hier produziert worden
    wäre ( es macht keiner mehr, keiner weiß nix mehr darüber..) gibt es nicht
    mehr, oder genau die drei kleinen machen ( Porsche, Ferrari, Mc Laren) noch immer.
    Das Volk hat kein Geld, weil keine Arbeit.
    ( In China die KP-bosse im Porsche..)
    Auflagen in der Eu ( ich liebe die Eu und mein Europa) die eine Satire sind, vertreiben die letzten Erfinder und Hersteller.
    Schule reicht 1 Klasse Vs.
    Bildung ist nicht angesagt. Orbansche Verhältnisse.. alles super und Kronenzeitung..toll nicht?

    Und so weiter.. Das mal das.

    Design: Ich soll in so eine austauschbare Restmülltonne steigen?
    Ich soll das mit meinem Geld zahlen?
    Sind wir pervers?
    Ich will nicht.

    ops da drüben ein Bundesteuscher.. Lidl-nudeln ( Kabelbinder) jünsdich
    ( doppelt so teuer wie Barilla N3-5) und “ OH LECKER mit TUNKE!“
    und ein Donk fenkk.. so tolle.. und nur 89.000.- Euro..lol

    na nein nö never

    Und morgen brav im 6 h vor dem VISOR turnen. gel 🙂 lang lebe 1984 3.0

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