Der letzte Mohikaner
Gut, der Type R wird noch bis Ende 2026 gebaut. Aber man kann jetzt die «Ultimate Edition» (siehe unten) bestellen, das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass es zu Ende geht; 40 Stück kommen nach Europa, acht davon in die Schweiz für je 64’800 Franken (das ist übrigens ziemlich genau doppelt so viel wie vor acht Jahren – die Inflation ist ein böses Tier…). Es gibt dafür neben dem Auto in Championship-Weiss auch noch einen Schlüsselanhänger aus Carbon, massgeschneiderte Fussmatten sowie eine Fahrzeugabdeckung. Das hatten wir alles nicht, dafür durften wir uns kurz nach dem Frühstück neben Tiago Monteiro setzen für ein paar Hot Laps mit einem ganz normalen Type R. Tiago, erster Portugiese auf einen F1-Podest (gute Geschichte), ist ja ganz ein ruhiger, feiner Mensch, doch hinter dem Lenkrad wird er ziemlich bissig – und zeigte uns dann gleich mal, was so ein Honda auch mit Strassenbereifung so kann auf dem Track. Und es war eine gute Lektion, hätte ich nicht bei Monteiro mitbekommen, dass da die eine Schikane voll geht, ich hätte mich das nicht getraut.







Denn ich durfte dann auch. Sicher nicht ganz so flott wie der Portugiese, aber so ein Honda Civic Type R ist halt schon so ein richtig gutes Gerät. Sehr stabiles Chassis, er macht kaum einen Wank, auch nicht, wenn man über die Curbs räubert, wunderbar präzise Lenkung, herrlich kurze Schaltwege, extrem gute, auch sehr standfeste Bremsen. Das Wichtigste aber: Man hat sofort Vertrauen in dieses Fahrzeug. Es zickt nicht, es macht nichts, was man nicht erwarten wollte – ist man zu schnell in der Kurve, dann geht er sanft über die Vorderachse, aber man darf das auch getrost als Fahrfehler bezeichnen, der Pilot war schuld, nicht das Auto. Fährt man sauber am Berg, auf dem (kurvigen) Track, blamiert man damit auch weitaus stärkere und doppelt so teure Warmluftgebläse (etwa einen Porsche 911…). Denn es geht bestens vorwärts, zwar ist die 6. Generation des Type R (FL5, seit 2023 in Europa) 1429 Kilo schwer, aber der 2-Liter-VTEC-Turbo mit seinen 330 PS und 420 Nm maximalem Drehmoment, das zwischen 2600 bis 4000/min zur Verfügung steht, hat da keine Probleme mit anständigem Vortrieb. Klar, die 5,4 Sekunden für die 0/100 schafft heute jedes zweite SUV auch; die Höchstgeschwindigkeit von 275 km/h ist dagegen ziemlich eindrücklich.





Es war der ewige Kampf: Civic Type R gegen Megane R.S.. Der Franzose hat dann deshalb verloren, weil es ihn seit Sommer 2023 nicht mehr zu kaufen gibt. Klar, es gibt/gab noch andere «Hot Hatches», unter den Fronttrieblern den Hyundai i30 N, irgendwie natürlich auch den ewigen Golf GTI, dazu die feissen Allradler, Audi RS3, Ford Focus RS, Mercedes-AMG A45, Golf R. Aber eigentlich war es trotzdem immer nur: Civic vs Megane. Zwei sehr sauber ausbalancierte Fahrzeuge, man trieb sich gegenseitig zu Höchstleistungen, immer neuen Rundenrekorden auf der Nordschleife, der A45 hatte zwar fast 100 PS mehr, aber keine Chance. Doch, eben, bald ist der Spass vorbei, es wird nach 2026 keinen Type R mehr geben – und wir tragen jetzt schon ein bisschen Trauer. Denn ja, wir haben mit früheren Type R viel erlebt, etwa hier. Oder dann: hier. (Wir hatten einmal das Vergnügen mit einer «vertikalen Verkostung», alle Type R, EK9 (ab 1996), EP3 (ab 2001), FD2/FN2 (ab 2007), FK2R (ab 2015) – und damals der FK8. Aber leider finden wir grad die Bilder nicht mehr.)



Doch wir müssen damit leben: Der wahre Fahrspass wird abgeschafft. Die Hersteller sagen dann: Daran ist die Politik schuld. Mag sein, die ist sicher auch mitschuldig, doch es ebenso offensichtlich, dass die Autoindustrie synchron mit den Politikern das Denken eingestellt hat, sich gleich mal auf die Knie warf wie kürzlich die EU vor dem idiotischsten Potus a.Z.. Einfach nur so, damit wir auf der gleichen Stufe plaudern: Ab 2035, also in zehn Jahren, wird es dann auf dem drittgrössten Markt der Welt schwierig, noch Verbrenner zu verkaufen – also in 10 Jahren, anderthalb Auto-Generationen (nach chinesischen Massstäben: etwa 4). Dass man sich schon längst widerstandslos ergeben hat, sämtliche Entwicklungsarbeit am Verbrenner bereits vor vier, fünf Jahren eingestellt hatte, erweist sich jetzt als übler Bumerang (siehe: Porsche). Dass Honda – als doch grösster Verbrenner-Motoren-Hersteller der Welt – da auch mitkungelt, das erstaunt ein bisschen, man könnte doch erwarten, dass die Japaner den weltweiten Markt ein bisschen einschätzen können sollten. Aber vielleicht ist es ihnen ja auch egal, sie verkaufen ja weiterhin Millionen von Mofas, Boots- und Rasenmäher-Antrieben pro Quartal, dem Geschäft tun die 40 letzten Civic Type R nicht wirklich weh, das bewegt nicht einmal die Porto-Kasse.

Vielleicht ist so ein Honda Civic Type R der letzte Freudenspender, den man für einigermassen vernünftiges Geld noch kaufen kann; wenn es ihn dann nicht mehr gibt, verbleibt nur noch der VW Golf GTI. Nichts gegen den GTI, «radical» war gerade dieser Tage überrascht, wieviel Spass das macht (Fahrbericht folgt), aber die chirurgische Schärfe des Honda geht dem Wolfsburger halt ab. Ohja, wir gehen einig mit denen, die den Japaner optisch als nicht so total gelungen empfinden (innen wie aussen), doch als «daily», der auch zum «track tool» taugt, ist der Honda so etwas wie der letzte Mohikaner. Und wenn wir uns dann auch noch von ihm verabschieden müssen, dann ist die Auto-Welt tatsächlich etwas ärmer. Wenn man kein Sammler und Jäger ist, muss man dafür auch nicht den Aufpreis für die «Ultimate Edition» bezahlen, ein ganz normaler Type R (ab 57’800 Franken) tut es definitiv auch. Bestens.

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