Bärentöter
Im vergangenen Jahr feierte MG ganz offiziell seinen 100. Geburtstag, wobei das halt so eine Sache ist mit diesen absoluten Zahlen. Sicher ist, dass William Morris, geboren 1877, schon im Alter von 16 Jahren seinen eigenen Fahrrad-Laden eröffnete, die reparierten Velos mit einem «The Morris»-Label versah, sich ab 1901 mit Motorräder beschäftigte und ab 1910 in der Longwall Street in Oxford «The Morris Garage» eröffnete. Und 1912 sein erstes Auto baute, bekannt als «Bullnose-Morris». MG nun war wohl ab 1924 ein Ableger von «The Morris Garages», Manager Cecil Kimber modifizierte ein paar Morris Oxford – und schrieb auf diese Fahrzeuge MG. Die M.G. Car Company Limited wurde erst im Juli 1930 gegründet, aber man kann ja dann in fünf Jahren wieder einen 100. Geburtstag feiern. Und nein, es soll hier nicht die ganze komplizierte Geschichte von MG aufgebröselt werden, es geht hier zuerst einmal um eine frühe Momentaufnahme aus den Anfangsjahren der Marke, das wohl erste berühmte Modell der Engländer, den K3.



Wo es einen K3 gibt, da muss auch einen K1 und einen K2 geben. Diese K-Type von MG wurden 1932 eigeführt, als Nachfolger des F-Type Magna wurden sie auch als Magnette bezeichnet, kleine Magna. Diese Fahrzeuge waren mit einem Radstand von 2,4 oder 2,7 Metern, unterschiedlichen Aufbauten und einem 1,1-Liter-Reihensechszylinder erhältlich (später auch 1,3 Liter Hubraum). Der K1 hatte den langen Radstand und zu Beginn etwas über 40 PS, der K2 war der Kurze mit dem gleichen Motor, der K3 dann das kleine Wunderwerk, das mit einem Powerplus-Kompressor (später Marshall) auf gut 120 PS kam. Der grösste Erfolg des K3 war sicher der 4. Platz bei den 24 Stunden von Le Mans 1934 – und der gleichzeitige Gewinn des «Index of Performance».

Doch wir gehen noch ein Jahr zurück, Mille Miglia 1933. MG schickte auf Anregung des italienischen Grafen Lurani ein Werksteams nach Brescia, Lurani fuhr einen K3 zusammen mit dem damals berühmten Geschwindigkeitsweltrekordler George Eyston, im Team waren auch noch die Gewinner von Le Mans 1931, Earl Howe und Henry Birkin, ein dritter MG wurde von Bernard Rubin gefahren, der auf Bentley 1928 in Le Mans gewonnen hatte. Lurani schaffte dann auch tatsächlich den Klassensieg, kam auf den 21. Gesamtrang – vor ihm waren ein Lancia Dilambda (10. Platz) und 19 Alfa Romeo klassiert, der Sieger hiess Tazio Nuvolari.









Ein Jahr später versuchte es das Werksteam wieder, wieder war Lurani dabei, auch Howe (als Teamchef) – und neu E.R. «Eddie» Hall, ein sehr reicher Textil-Unternehmer aus Yorkshire. Es wurden drei neue K3 gebaut, K3015, K3016, K3017, gegenüber dem Vorjahr etwas verbessert – vor allem wurde der Auspuff nach unten gezogen, der brachiale Lärm hatte die Co-Piloten im Jahr vorher fast das Gehör gekostet. Graf Lurani kam als einziger ins Ziel, 11. Gesamtrang, Zweiter in seiner Klasse, Howe hatte einen Unfall, Hall – mit seiner Frau Jane als Beifahrerin und Mechanikerin – schied nach Motoren-Problemen aus. Dieses Fahrzeug, K3017, zeigen wir hier.






























Nach der Mille Miglia hatte K3017 noch eine lange Renn-Karriere (wie viele andere MG K3 auch), kam 1935 nach Australien, blieb dort bis 1999. Ab 2003 war der MG dann bis 2024 beim gleichen Besitzer, der auch eine Restauration veranlasste. RM Sotheby’s beschrieb das beim Verkauf im vergangenen Jahr so: «It is believed the body has never been off the car, nor suffered any accident damage. The MG retains all original body panels, horns, radiator surround, headlamps, instruments, and Marshall supercharger. Other correct features of the K3 are the original large-finned sump, full chassis oiling system, the oil reserve tank, and factory-fitted hood. To aid getting into and out of the car, Green replaced the original transmission tunnel; the original tunnel comes with the car and could be refitted. The car is currently fitted with single Hartford dampers at the rear (originally, they had a twin; the car comes with the second set that could also be refitted).» Zugeschlagen wurde K3017 übrigens für 522’500 Pfund.






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