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Ford Mustang 5.0 Cabrio

#Supertest2015 (5)

Die Redaktion der so sehr geschätzten österreichischen «auto revue» hat das Ford Mustang Cabrio beim #Supertest2015 zum «König der Herzen» gewählt. Nachzulesen im ausserordentlichen «Premium»-Heft (lässt sich anscheinend über den Website www.autorevue.at bestellen). Man kann diese Entscheidung durchaus verstehen. Auch wenn unsere Rangliste etwas anders aussah.

Aber: 41’900 Franken kostet der Ford Mustang in seiner Basisversion. Dann hat er zwar «nur» einen Vierzylinder-Motor und ein manuelles 6-Gang-Getriebe, aber doch immerhin satte 314 PS. Für dieses Geld gibt es sonst nirgends so viele Pferde und so viel Geschichte – und so viel Ausstrahlung. Einverstanden, für den 5-Liter-V8, bezeichnet als GT, muss man einen happigen Aufpreis von 8000 Franken bezahlen, dann sind wir nicht mehr so sehr im Schnäppchen-Bereich. Und es ist viel Geld für einen Motor, der bei weitem nicht so modern (und sparsam) ist wie der EcoBoost, also, eigentlich, wenn wir ehrlich sein wollen: ein altes Eisen. Aber in der Schweiz wollen die Kunden die mächtigere Maschine, und das heisst dann Gewinnoptimierung. Das gleiche Spiel findet beim Cabrio statt, da liegt der Basispreis bei sehr fairen 45’900 Franken, mit dem 418 PS starken Achtzylinder sind dann aber schon 53’900 Franken fällig.

Es ist aber alles und wie immer: relativ. Wir fuhren im #Supertest2015 das teuerste Modell, also das Cabrio als GT. Knapp 1600 Kilo schwer, rennt der offene Mustang in 4,9 Sekunden auf 100 und maximal 250 km/h schnell. Der Durchschnittsverbrauch soll bei nicht mehr sehr zeitgemässen 13,5 Litern liegen, doch wenn man den Amerikaner so bewegt, wie er von seinen Konstrukteuren angedacht wurde, dann geht das auch mit knapp über 10 Litern. Denn eigentlich soll man mit einem Cabrio ja cruisen, ganz locker, ganz entspannt, die Landschaft und das Leben geniessen. Und das geht im Mustang Cabrio vorzüglich. Das Lüftlein ist lau (ausser: man sitzt hinten), das Gestühl kommod, das Blubbern des Achtzylinders im Bug friedlich. Feine Sitze von Recaro gibt es, zumindest beim Performance Package – und die 2+2-Konfiguration darf man wie bei einem Porsche 911 als Erweiterung des Gepäckraums sehen. Der Kofferraum selber ist mit einem Volumen von 320 Liter für einen offenen Sportwagen riesig; der Zugang dazu aber eher schwierig.

Will man mehr, will man das satte Brüllen des V8 hören und die Pferde traben lassen, dann freut sich das Herrschen so seht wie der Mustang. Letzterer kann das nämlich bedeutend besser als all seine Vorgänger in der 51-jährigen Geschichte des Modells, hat er doch endlich keine Starrachse mehr hinten, sondern ein ausgezeichnetes, sogar ziemlich aufwendiges Fahrwerk. Und diese richtig guten Brembo-Bremsen. Da kann man auch am Berg so richtig und problemfrei Fahrfreude haben, auch mal quer – und dann auf der Landstrasse wieder den erstaunlichen Komfort geniessen. Gut ist: das Cabrio macht einen stabilen Eindruck, von Verwindungen, während Jahrzehnten keine der Stärken von offenen US-Cars, ist nichts zu spüren.

Der bekannte 5-Liter-V8 ist ein typischer Vertreter der amerikanischen Philosophie, dass Hubraum nur durch noch mehr Hubraum zu ersetzen ist. Der Kurzhuber will durchaus gedreht werden, das maximale Drehmoment von 524 Nm liegt erst bei 4250/min an, doch das nimmt keinen Deut an Fahrfreude, ganz im Gegenteil. Unser Proband wurde händisch über sechs Gänge geschaltet, das erfordert etwas Kraft und Konzentration, doch auch daran wollen wir nicht mäkeln. Es gibt auch eine 6-Gang-Automatik, aber mit der hatten wir das Vergnügen bisher noch nicht.

Den neuen Mustang gibt es jetzt offiziell über die Schweizer Ford-Händler zu kaufen. Ein kluger Schachzug des Importeurs, gehörten die Mustang doch in den vergangenen Jahren zu den am meisten über den Graumarkt verkauften Modellen. Das bedeutet auch: vernünftige Garantieleistungen und Service ab Werk. Nicht, dass man Angst zu haben brauchte, unser Testwagen machte qualitativ einen sehr sauberen Eindruck, doch es beruhigt die potenziellen Kunden wohl schon, wenn das Werk der Ansprechpartner ist bei allfälligen Problemen. Und auch deshalb verwundert es nicht, dass sich der neue Mustang auch in der Schweiz weit über den Erwartungen verkauft.

Das hat er auch verdient, nicht nur als Cabrio. Vom guten Preis/Leistungsverhältnis war schon die Rede, von den feinen Fahrleistungen und dem daraus folgenden Fahrvergnügen ebenfalls, doch er sieht halt auch noch gut aus, der neue Mustang, eine schöne Mischung aus nicht übertriebenen Retro-Zitaten und doch modernem Design. Auch innen ist das anständig geworden, nicht auf dem Niveau deutscher Premium-Anbieter, solcher Perfektionismus scheint in den USA irgendwie verpönt, doch trotzdem auf einem hohen Niveau. Und ergonomisch so sinnvoll, wie Automobile heute zu sein brauchen. Es gibt noch manch ein Knöpfchen im Cockpit des Ford, über dessen Verwendungszweck wir uns den Kopf zerbrachen (etwa: das Burnout-Syndrom), aber dieses spielerische Element gehört unbedingt zu einem Fahrzeug in der Art des offenen Mustang: die reine Vernunft ist bei diesem Wagen sicher nicht der Hauptkaufgrund. Ansonsten wieder so ein bisschen Retro, aber nicht übertrieben, eine schön übersichtliche Mittelkonsole, feine Schalter, gute Alu-Applikationen. Das Ganze sieht aufgeräumt aus, stellt den Piloten nicht vor Rätsel, der Gangstock liegt perfekt zur Hand, und das Lenkrad ebenfalls.

Echte Cabrios mit Stoffdach und (fast) vier Plätzen und soetwas wie einem brauchbaren Kofferraum gibt es so viele nicht auf dem Markt. Und Fahrzeuge mit so viel Geschichte sowie einem solchen Kultstatus noch viel weniger. Und auch Achtzylinder-Motoren, die ihre Kraft aus dem Hubraum und nicht aus einer Turbo-Zwangsbeamtmung schöpfen sowie manuell über 6 Gänge geschaltet werden, gehören zu einer aussterbenden Rasse. So gesehen, mag das Mustang Cabrio eine Art Anachronismus sein, doch ein sehr, sehr sympatischer. Zu einem Preis, der bei anderen Herstellern knapp für ein Kompaktmodell ohne Charisma und der Hälfte der Kraft reicht. Da ist es mehr als nur verständlich, dass es der Ford zum «König der Herzen» schafft.

Mehr Ford gibt es im Archiv.

Was in Sachen #Supertest2015 bisher geschah:

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