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Kia Sorento

Überschätzt.

Image wird überschätzt. 53450 Franken kostet der neue Kia Sorento in seiner feinsten Ausführung. 2,2-Liter-Diesel mit 200 PS, Allradantrieb, 6-Stufen-Automat. Und da sind da die Lederausstattung, sieben Sitze und alle Infotainment-Gimmicks, die man sich nur wünschen kann, schon inbegriffen. Bei Audi gibt es um das gleiche Geld einen Q3 mit dem 184 PS starken Diesel, aber noch ohne jede Ausstattung, ohne Bodenteppiche, bei BMW einen X1, diesen aber immerhin schon als xDrive28i, also mit dem 245 PS starken Benziner. Aber auch ohne alles. Doch der Q3 sowie der X1 fahren mindestens ein Segment tiefer, sind doch ein massives Stück kleiner als der Koreaner, der stolze 4,78 Meter lang ist, bis zu sieben Personen transportieren und trotzdem noch ein Gepäckraumvolumen von maximal 1662 Liter bieten kann.

Einverstanden, so ein Kia verfügt selbstverständlich nicht über das gleiche Image wie ein deutsches Premium-Fahrzeug. Doch eigentlich muss man sich schon fragen: warum nicht? Die Verarbeitung ist gut, richtig gut, auch vom Hartplastik im Innenraum sind die Koreaner längst abgekommen – das sieht gut aus, dort im Innenraum, ein grosser Bildschirm in der Mitte, die Bedienung ist so logisch wie einfach, die Ergonomie so gut, wie man sich das von europäischen Automobilen gewohnt ist. Man kann sich nicht beklagen über die Sitze, auch hinten nicht, und der Wagen ist entsprechend seiner Grösse auch sehr flexibel verwendbar. Beim Design zerreisen die Koreaner keine grossen Stricke, aber, hmm, das ist sauber gemacht, clean, easy – mehrheitstauglich.

Natürlich ist es so, dass zum Beispiel beim Fahrwerk so ein deutsches Produkt feiner ist, in den Ingenieursstuben intensiver darüber nachgedacht wurde, wie man Federung, Dämpfung, Lenkung noch besser machen kann, doch Hand aufs Herz: wer braucht das? Gerade bei solchen SUV geht es doch nicht um das letzte Quentchen, es wird so ein Gerät wohl gar nie jemand so bewegen, dass er auch nur in die Nähe dessen kommt, was gern als Grenzbereich bezeichnet wird – das ist ja auch Sinn der Sache nicht. Der Sorento ist sicher komfortabler ausgelegt als Audi & Co., weit weniger sportlich, doch geschätzte 100 Prozent der potenziellen Kunden wollen das genau so, wie es beim Kia ist. Wir manchmal auch, wenn wir einfach so ein bisschen herumtuckern, zur Arbeit, zum Flughafen. Und in den Dreck kann man auch mit ihm, das kann er so gut wie die genannten deutschen Produkte. Vielleicht sogar ein bisschen besser, weil die Bodenfreiheit etwas grosszügiger bemessen ist. Und man keine Angst haben muss, irgendwelche sauteuren Felgen zu zerkratzen.

Mehr als nur anständig ist auch der Antrieb. Der 2,2-Liter-Selbstzünder im Kia brummelt gut vernehmlich – bis er sich einmal warm gelaufen hat. Dann verrichtet er seinen Dienst wunderbar zurückhaltend, hat mit einem maximalen Drehmoment von 440 Nm, das schon zwischen 1750 und 2750/min anfällt, auch mehr als genug Kraft für eine sehr souveräne Fortbewegung. Der 6-Gang-Automat macht seine Sache richtig gut, also: man spürt ihn so gut wie gar nie. Einverstanden, ein Sprintvermögen von 9,6 Sekunden von 0 auf 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h sind nicht das, womit man am Stammtisch prahlen möchte, doch solches Aufschneiden ist auch nicht mehr wirklich zeitgemäss, oder?

Wo es beim Sorento vielleicht ein wenig happert: der Verbrauch ist nicht wirklich vorbildlich. 6,6 Liter/100 km sollen es gemäss Werk und Norm sein, im Test wurden es dann fast 9. Wenn man nun aber einen in der Grösse und beim Gewicht vergleichbaren deutschen Premium-SUV zum Vergleich heranzieht, dann werden diese Modelle – dort draussen im Alltag, nicht auf dem eh geduldigen Papier – auch nicht viel besser abschneiden als der Kia. Gut zwei Tonnen wiegt der Sorento, das ist halt auch (zu) viel, doch das ist bei all diesen wie eine Wand im Wind stehenden SUV eines der Probleme.

Also, nochmals: für etwas mehr als 50’000 Franken erhält der geneigte Kunde beim Kia Sorento ein Fahrzeug, das weit mehr ist als nur eine günstige Alternative zu den bekannten Produkten aus Deutschland. Natürlich ist der Preis (inkl. der bekannten 7-Jahres-Garantie von Kia) das beste Argument für einen Sorento – doch es fällt uns beim besten Willen auch keines ein, das gegen ihn sprechen würde.

Denn: Image wird überschätzt.

Mehr Kia gibt es in unserem Archiv.

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