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Continuation Cars

Bonjour Tristesse

Nachdem Jaguar zuerst den E-Type Lightweight als «Continuation Car» auf den Markt gebracht hatte und dann gleich den XKSS mit ein paar «gebrauchten» Chassisnummern verwässerte, macht jetzt auch noch Aston Martin bei diesem B’schiss (schweizerdeutsch für b-scheissen, betrügen) mit. Es werden 25 DB4 GT, hmm, «nach-gebaut», immerhin in den alten Hallen von Newport Pagnell, nach Spezifikationen von 1963. Also der klassische 3,7-Liter-Reihensechser, etwa 340 PS, manuelles 4-Gang-Getriebe, Sperrdifferential – wie damals die acht Exemplare des «Lightweight». Und halt überhaupt nicht wie damals, auch wenn die Chassisnummern dort fortfahren, wo man einst aufgehört hat, also bei 0202R. Fahren darf man diese Teile aber nur auf Rennstrecken, sie sind Teil eines «Kundenprogramms», bei dem man für den Besitz und Fahrkurse bezahlt, die Dinger aber nicht mit nach Hause nehmen kann. Auch eher: eigenartig. Aber halt vom Gesetzgeber klar geregelt: «neue» Autos müssen, auch wenn sie «alt» sind, gewisse Regeln einhalten.

Die Frage könnte durchaus auch sein: wer kauft sowas? Wer will für viel, sehr viel Geld einen Oldtimer, der gar keiner ist? Ein Auto, das alt aussieht, aber gar nicht alt ist? Ein Fahrzeug, das nur eine komplett dämliche Kopie einer Legende ist, einen Wagen, der etwas darstellen will, was er gar nicht sein kann? Wie bescheuert muss man sein, um richtig happig Kohle aus dem Fenster zu werfen für einen Pseudo-E-Type-Lightweight mit Jahrgang 2015? Wer hat das Gefühl, er könne auch nur einen Hauch «King of Cool» sein mit einem Jaguar XKSS mit Jahrgang 2016? Welch ein Idiot muss man sein, um siebenstellig zu bezahlen für einen Aston Martin DB4GT mit Jahrgang 2017? Den man dann nicht einmal auf der Strasse bewegen kann?

Es könnte dies aber auch so etwas wie ein Psychogramm zweier englischer Marken sein. Zwar kriegt der neue Aston Martin DB11 viel Lob mancherorts, doch ansonsten sind die Verkäufe der englischen Marke – grottenschlecht. 111 Autos hat Aston Martin mit seiner acht Modelle umfassenden Palette von Januar bis November in der Schweiz verkauft – das sind vier weniger als Mercedes von seinem wirklich glorreichen Citan. Und eine Handvoll mehr als Ssangyong vom grossartigen XLV. Aston ist – am Ende. Wenn da nicht bald, sehr bald etwas wirklich Weltbewegendes geschieht, dann war’s dann wohl. Bei Jaguar ist das meistverkaufte Modell in der Schweiz der F-Pace; ein ganz typischer Jaguar. Jenes Modell, das die Wende zum Guten hätte bringen sollen, der XE, ist ein Rohrkrepierer sondergleichen. 392 Stück von Januar bis November – da verkauft Mercedes von direkten Konkurrenten, der C-Klasse, mehr als 10 Mal mehr. Auch der grandiose Dacia Lodgy kommt auf einen Viertel mehr Verkäufe. Und dem fantastischen Suzuki Jimny fehlt ein einziges Stück zum Gleichstand mit dem XE; den XF lässt der Jimny weit hinter sich. Der F-Type schafft es auf 153 Exemplare – der direkte Gegner, der Porsche 911, auf weit über 1000. Auch hier: ein düsteres Bild. Nicht nur in der Schweiz. Wir zeigen hier deshalb einen echten E-Type Lightweight.

Der Nachbau des Aston Martin DB4 GT wird sich problemlos verkaufen lassen. Die Pseudo-Lightweight-E-Type sind alle weg, auch die XKSS-Replicas fanden Kunden. Gut, das sind geringe Stückzahlen – aber vielleicht müssten sich die Plüschetagen von Aston Martin und ganz besonders Jaguar mit Blick auf die eigene Geschichte einmal überlegen, warum das Geschäft mit den Neukonstruktionen nicht läuft. Warum ein DB4 als cool gilt, warum die Preis für echte E-Type wieder steigen. Wenn die einzige Erkenntnis daraus aber ist, die Vergangenheit zu kopieren (und damit auch: zu verwässern), dann ist das nur: traurig. Unten: echte DB4 GT.

Aston Martin hat ja Erfahrung mit diesem «Fortsetzungen», vom DB4 GT Zagato gab es das ja auch schon, den Sanction II und auch noch den Sanction III; das gibt es hier nachzulesen. Mehr «echte» Engländer haben wir in unserem Archiv.

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