Eigentlich…
Ach, der Urraco. Er war sicher der schönste der kleineren italienischen Mittelmotor-Sportwagen der 70er Jahre, hübscher noch als die Dino 206/246, auf jeden Fall adretter als der Ferrari Dino 308 GT4. Aber er war ja auch ein Gandini, alles klar also. Doch es funktionierte halt nicht, Lamborghini war damals in der Dauerkrise, Ferruccio musste 1972 zuerst seine Traktoren verkaufen, dann auch die Sportwagen-Schmiede. Als der Urraco dann 1973, drei Jahre nach seiner ersten Präsentation, endlich auf den Markt kam, war gerade die erste Ölkrise. Und die italienischen Arbeiter waren in bester Streiklaune, was sich massiv auf die Qualität des Achtzylinder-Lamborghini niederschlug. Der Silhouette, eigentlich nur ein Urraco ohne festes Dach, sollte es ab 1976 retten. Tat er aber nicht.
Silhouette war ein komischer Name für einen Lamborghini; ein Stier war er sicher nicht. Wie die damaligen Lamborghini-Besitzer, die beiden Schweizer Georges-Henri Rossetti und René Leimer, auf diesen Namen kamen, ist nicht klar. Es könnte mit der «Silhouette-Formel» zusammenhängen, die von 1976 bis 1981 in der Gruppe 5 galt, als die Renn-Fahrzeuge zumindest im Seitenriss so einigermassen an Serien-Modelle erinnern sollten. Es gibt aber keine Dokumente, die beweisen würden, dass Lamborghini auch tatsächlich Pläne hatte, mit diesem Fahrzeug in den Rennsport einzusteigen.
Es war wieder Marcello Gandini, der den Silhouette entwarf. Wobei, es war mehr eine Überarbeitung des Urraco, vorne blieb alles gleich, es gab dafür ein Targa-Dach (was das Pseudo-Cabrio zum reinen Zweisitzer machte), auf der Seite wurden trapezförmige, mächtige Kotflügelverbreiterungen augepappt, hinter der Tür fand sich ein ebenfalls mächtiger und ebenfalls trapezförmiger Überrollbügel. Und dann waren da noch auffälligen Plastikteile hinter dem Überrollbügel, die dem Motor Kühlluft zuschaufelten. Der Silhouette rollte auf 5-Loch-Magnesium-Felgen von Campagnolo, hinten deutlich breiter als vorne. Und innen war auch noch alles besser als beim Urraco, die Instrumente wurden edel hinter dem Lenkrad zusammengefasst.
Der Motor blieb quasi gleich wie im Urraco, einst von Paolo Stanzani entwickelt, also 8 Zylinder, 3 Liter Hubraum, vier obenliegende Nockenwellen, etwas mehr Leistung (260 PS). Geschaltet wurde weiterhin über das von Lamborghini selber entwickelte 5-Gang-Getriebe. Von 0 auf 100 km/h wollte der Silhouette in 6,5 Sekunden rennen, als Höchstgeschwindigkeit wurden 260 km/h angegeben. Eingebremst wurde die Fuhre über 275 Millimeter grosse Scheibenbremsen von Girling. Aber Servo-Unterstützung für die Zahnstangenlenkung gab es weiterhin nicht, da blieb der Silhouette der gleiche Bock wie der Urraco. Dessen Fahrwerk auch nur geringfügig überarbeitet wurde, Federn und Dämpfer wurden (noch) härter ausgelegt.
Rossetti und Leimer hatten die Hoffnung gehabt, mit dem Silhouette den amerikanischen Markt überschwemmen zu können. Bloss: das Fahrzeug konnte in den USA nicht homologiert werden. Und so wurde die im September 1976 aufgenommene Produktion im Oktober 1978 bereits wieder beendet (zusammen mit dem Urraco und dem Jarama); man hatte in Sant’Agata wieder einmal kein Geld mehr. Es wurden nur gerade 52 Silhouette gebaut (plus zwei Prototypen), von denen aber immerhin noch 31 existieren sollen (denen wir dann sicher auch noch eine Sammlung widmen – obwohl sie kaum je auf den Markt kommen).
Es gibt da eine hübsche Zusammenfassung all unserer Lamborghini-Geschichten zu «60 Jahre Lamborghini». Und irgendwie passt der Lamborghini auch noch gut zu: «Die Aussergewöhnlichen».



























Gib als erster einen Kommentar ab