Der Mut, alles anders zu machen
Die erste Idee für die künftige Architektur von Lamborghini entstand im Sommer 1964 aus der Intuition und dem Mut dreier junger Mitglieder des Lamborghini-Teams in Sant’Agata Bolognese: Giampaolo Dallara, Paolo Stanzani und Testfahrer Bob Wallace. Gerade einmal über zwanzig Jahre alt, teilten sie den Traum, Lamborghini in die Welt des Rennsports zu führen. Da dies nicht zu den Plänen von Ferruccio Lamborghini gehörte, beschlossen sie, dass, wenn ihre Autos nicht auf die Rennstrecke kommen konnten, die Rennstrecke zu den Strassenautos kommen müsste – mit Leistung, Technologie und Emotion. Diese Idee formte das Projekt L105, das zunächst als leichter, kompakter Fahrzeugrahmen entstand. Er war dafür vorbereitet, eine extreme und revolutionäre Gran-Turismo-Karosserie zu tragen. Obwohl Ferruccio Lamborghini anfangs skeptisch war, vertraute er seinem Team und das P400-Fahrgestell samt Motor wurde Realität: ein Manifest für kreative Freiheit und technische Avantgarde.

Präsentiert auf der Turiner Motorshow am 3. November 1965, zusammen mit dem 350 GT und dem 350 GTS, erschien das Fahrgestell lackiert in Satin-Schwarz mit vier weissen Auspuffrohren. Die damaligen Berichte beschrieben es als das Skelett eines fahrbereiten Rennwagens und hoben dabei die innovative technische Konfiguration hervor. Die Struktur, hergestellt von Marchesi in Modena, bestand aus 0,8 Millimeter dünnem Stahlblech, das gefaltet und gebohrt wurde, um Leichtigkeit und Steifigkeit zu gewährleisten. Ein zentraler Tunnel diente als tragendes Element und Montagebasis für die Aufhängung, während zwei Hilfsrahmen vorn und hinten die mechanischen Komponenten, die Aufhängung und Zubehörteile trugen. Das Gesamtgewicht lag bei nicht mehr als 120 Kilogramm – ein beeindruckender Wert für die damalige Zeit. Eine Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern, Girling-Scheibenbremsen und Borrani-Felgen komplettierten die Technik, mit Lösungen, die aus dem Motorsport übernommen wurden und noch nie zuvor bei einem strassenzugelassenen Fahrzeug verwendet wurden. Sein markantes Merkmal war die bislang nie dagewesene Integration von Motor und Getriebe in eine einzelne, kompakte Einheit hinter der Fahrerkabine. Diese Lösung verringerte die Grösse der Plattform und schuf eine völlig neue Antriebsarchitektur. Zwölf vertikale Ansaugtrichter der Weber-Vergaser rundeten das technische Spektakel ab und sorgten für ein kraftvolles visuelles Statement eines extremen Konzepts.

Das Fahrgestell faszinierte sowohl die Öffentlichkeit als auch die Presse: Ein statisch präsentierter Prototyp ohne Karosserie wurde zum Mittelpunkt des Autosalons. In jenen Tagen fanden sich die wichtigsten italienischen Karosseriebauer am Lamborghini-Stand ein. Ursprünglich wurde das Fahrgestell der Carrozzeria Touring als Projekt Tigre vorgestellt – noch vor seiner öffentlichen Enthüllung in Turin, wo das es ohne Karosserie zur Messe kam. Der Karosseriebauer Carozzeria Touring, der die Modelle 350 und 400 GT gebaut hatte, schlug sein eigenes Design vor, doch finanzielle Schwierigkeiten trübten die zukünftige Zusammenarbeit. Auch das Unternehmen Pininfarina, das mit anderen Herstellern verbunden war, konnte sich nicht auf die Marke aus Sant’Agata festlegen. Diese daraus entstehende Gelegenheit ergriff schlussendlich Nuccio Bertone.

Der Legende nach kam Bertone gegen Ende der Messe an den Stand von Lamborghini und wurde vom Firmengründer Ferruccio Lamborghini mit einem Witz begrüsst: «Du bist der letzte der Karosseriebauer, der sich hier zeigt.» Bertone betrachtete das Fahrgestell und antwortete, dass sein Atelier «den perfekten Schuh für diesen wunderbaren Fuss» fertigen würde. Ob das Gespräch tatsächlich so stattgefunden hat, ist ungewiss, doch die Geschichte hebt das sofortige Verständnis zwischen den beiden Unternehmern hervor. Bei diesem Treffen fiel die Entscheidung, Bertone mit dem Bau der Karosserie des zukünftigen Lamborghini zu beauftragen. Während der Weihnachtsferien, als die Fabrik geschlossen war, erhielten Ferruccio Lamborghini, Giampaolo Dallara und Paolo Stanzani die ersten Skizzen. Sie empfanden die Designlinien von Marcello Gandini als so innovativ, dass sie sofort als das endgültige Projekt anerkannt wurden. Im März 1966 nahm das in Turin präsentierte P400-Fahrgestell auf der Genfer Motorshow seine endgültige Form an und wurde zum legendären Miura.


Es ist dies ein Pressetext von Lamborghini. Kann man in diesem Fall wohl so machen. Alle, wirklich alle Miura haben wir: hier.


Toller Bericht, danke.
Irgendwie bringt mir das den Miura noch näher.
Sogar diese Basis ist schön. Die Maschine, das Lenkrad, der Schaltknopf.
Solche Sitze baut Eagle auf Wunsch in E-Types heute noch ein.
Ich hab gar nicht gewusst, dass es auch Farbaufnahmen von diesem „Fahrgestell“ gibt. Danke für`s zeigen!
So fing es also an, nach der Legende, als Feierabendbastelei.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Cavaliere dell Lavoro davon wirklich nichts gewusst hat oder ob das wieder so ein „Wenn`s nicht wahr ist, ist es wenigstens gut erfunden“ Geschichter`l ist.
Man muss schon Phantasie haben, auf dem „Haufen Technik“ die spätere Form zu sehen – Grazie an alle, die hier ihr Hirnschmalz und Gefühl eingebracht haben.
Ich hoffe das die Bilder echt sind. Ist schon der Nachbau des LP500 für mich eine Geschichtsverfälschung, weil das Original „an die Wand gefahren wurde“ und Tote soll man ruhen lassen. Auch wenn`s Autos sind.