Zurück zum Content

Abverkauf Conservatoire Citroën

Bonjour tristesse

Gut, es war irgendwie absehbar. Das Conservatoire von Citroën war eine doch ziemlich triste Halle am Rande des Werksgeländes im auch nicht besonders hübschen Pariser Vorort Aulnay, kalt, zu klein, halt auch nicht das, was die guten Stück aus der langen Geschichte der Marke verdient hätten. Bald gehen dort die Lichter aus, der Umzug steht bevor – leider wissen wir nicht, wohin. Und ob es dann dort besser wird. Wahrscheinlich eher nicht, denn es werden am 10. Dezember rund 60 Fahrzeuge aus der Sammlung versteigert. Darunter auch einige Preziosen, bei denen man sich durchaus wundern darf, warum Citroën sie hergibt. Allein am Geld kann es nicht liegen, denn die Schätzpreise sind – tief. Für manch ein Stück sogar mehr so: eine Beleidigung. Naja, das dürfte eine der Schattenseiten von Carlos Tavarez sein…

Wir wollen hier jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, der geneigte Leser, die potenzielle Käuferin kann dafür den Online-Katalog von Leclere studieren, hier. Das Augenmerk möchten wir aber richten zum Beispiel auf den Tubik, das wahrscheinlich teuerste Fahrzeug dieser Versteigerung – unverständlich, dass Citroën diese interessante Studie loswerden möchte. Noch schlimmer: auch das grossartige Konzeptauto des Cactus muss weg, genau wie auch die Studie des Pluriel, die Xenia, die Citela. Ein paar Sbarro-Dinger kommen unter den Hammer, auch ein paar Rennfahrzeuge, zum Beispiel der C2, mit dem Ogier einst fuhr.. Sehr interessant, auch preislich: die drei Méhari 4×4, die im Angebot stehen – das kostet heute ansonsten so richtig viel Geld. Wir hätten auch gerne die frühe GS. Oder den Ami 6. Oder den definitiv unterschätzten Xantia Activa V6.

radical war ja mal da, im Conservatoire. Eine ganze Nacht, ganz allein. Ach, war das schön. Nachzulesen und vor allem auch zu sehen: hier. Und deshalb stimmt es jetzt um so trauriger zu wissen, dass ein paar Fahrzeuge, die ich damals bewundert habe, als Schnäppchen irgendwohin verschwinden werden.

Oh, jetzt aber Achtung – wir haben das gesamte Bildmaterial erhalten (©Leclere Motorcars). Nein, wir bringen nicht alle. keine Angst. Aber so ein paar dürfen es schon sein. Den Beginn macht Lot 92, ein GS von 1973 mit gerade einmal 921 Kilometern. Der auch sonst richtig gut aussieht – und auf nur gerade 2500 bis 5000 Euro geschätzt wird.

Selbstverständlich wäre ein GTI 16 S noch feiner, denn der hatte 160 PS. Aber auch dieser BX GTI mit seinen 125 PS ist ein gutes Stück, mit nur wenigen Kilometern und für 6000 bis 10000 Euro sowieso, denn die Dinger sind auch noch ziemlich selten. Und so wunderbar schräg – der BX (der ja eigentlich ein Volvo hätte werden sollen) wird eindeutig unterschätzt.

Der FAF. Was so viel bedeutet wie «facile à fabriquer, facile à financer» (leicht zu bauen, leicht zu bezahlen). Wie der Méhari ist auch der FAF ein 2CV-Derivat, anstatt Wellblech wurden simple Stahlbleche verwendet. Die Idee stammte ursprünglich aus der Elfenbeinküste, wo schon ab 1963 der «Baby Brousse» nach einem ähnlichen Muster gestrickt worden war. Das Ding wurde dann adaptiert und in verschiedene Länder exportiert, der lokale Input war zum Beispiel in Griechenland grösser (wo ein ähnliches Teil dann Pony hiess, von dem mehr als 30’000 Exemplaren hergestellt wurden); in Vietnam hiess der FAF dann «La Dalat» (und es wurden auch 3880 Stück gebaut), es gab weitere Varianten in Portugal, Chile, in manchen afrikanischen Ländern. Citroën selber baute den FAF von 1973 bis 1979, für dieses Exemplar – ein seltener 4×4, Jahrgang 1980… – werden nur gerade 1500 bis 3500 Euro erwartet.

Die CX, vorgestellt 1974, war die legitime Nachfolgerin der DS – und nicht allein mit ihrer Form der Zeit voraus. Dieses Exemplar, das versteigert wird, verfügt über eine seltene Farb-Kombination, weiss aussen, blau innen, das alles auch noch als Pallas – und auch noch mit einer Automatik. Jahrgang 1980, 15’000 Kilometer, Schätzpreis 6000 bis 10’000 Euro. Kann man so machen…

Die Ami 6 war Flaminio Bertonis liebster Entwurf. Und wir haben definitiv Verständnis dafür – ein Kunstwerk. Und so anders als alle anderen Automobile damals. Gut, dieses Stück aus dem Jahre 1961 braucht etwas Liebe. Oder wahrscheinlich ein bisschen mehr als nur das. Aber dafür liegt der Schätzpreis auch nur bei 800 bis 1200 Euro.

Allein schon die drei Méhari sind die Reise zu dieser Versteigerung wert. Es sind alles 4×4, alle mit Jahrgang 1979, nur ihr Zustand ist ein wenig unterschiedlich. Ziemlich mitgenommen scheint dieses Exemplar trotz nur gerade 14’163 Kilometern. Schätzpreis: 2000 bis 4000 Euro – ein Schnäppchen, wenn man weiss, was für gute 4×4-Méhari bezahlt wird…

Auch dieses gute Stück wird auf 2000 bis 4000 Euro geschätzt. Der Zustand scheint etwas besser.

Am teuersten dürfte dieser Méhari werden, mindestens 6000 Euro sollen es werden. Es werden sicher mehr – wie man allgemein das Gefühl nicht los wird, dass die Schätzpreis ganz bewusst sehr tief angesetzt wurden.

Mehr Citroën haben wir in unserem Archiv.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.