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Lola T70 MkIIIb/Sbarro

Rennflunder

Francesco Zefferino Sbarro, geboren 1939 im süditalienischen Lecce, wollte eigentlich Literatur studieren. Doch dann war seine Leidenschaft für alles Automobile doch grösser – und er nahm als 17-jähriger einen Job als Auto-Mechaniker in der Schweiz an. Wenig später traf er Georges Filipinetti, den Chef der legendären Scuderia Filipinetti, wurde bald schon Chef-Mechaniker dort, baute auch sein erstes eigenes Auto, das Filipnetti Coupé. 1968 machte sich Sbarro, genannt Franco, in Grandson am Neuenburgersee mit einem eigenen Konstruktionsbüro selbständig. Anfangs ohne grossen Erfolg, sein erstes Werk, der Sbarro ACA Spider auf Basis des NSU TTS1000, blieb ein Prototyp.

Doch Sbarro hatte einen guten Namen in der Rennszene. Und so wurde er 1968 von Eric Broadley, dem Gründer und Besitzer von Lola angesprochen, ob er nicht vielleicht den Lola T70 zum Strassenauto umbauen könnte. Lola, gegründet 1958, hatte bereits mit seinem Erstling, dem Mk 1, einen Rennwagen geschaffen, der für Furore sorgte. Später kam dann der Mk 6, besser bekannt als GT, der die Basis darstellte für den Ford GT40, der in Le Mans vier Mal gewann (siehe: Zusammenhänge). Broadley war damals mit Ford verbandelt, doch die Liebe hielt nicht ewig, und so baute er ein neues Renngerät, den T70. Und das war ein grossartiges Gerät, bei den 24 Stunden von Daytona gewann der Lola in den Händen von Donohue/Parsons, Rang zwei schaffte der Schauspieler James Garner, bekannt etwa aus «Detektiv Rockford». Ein aussergewöhnlicher Erfolg, denn die Konkurrenz von Porsche, Ford und Alfa Romeo sowie Fahrern wie Jo Siffert, Vic Elford oder Brian Redman war damals stark.

Vom T70 entstanden in mindestens drei Versionen (Mk II, Mk III und Mk IIIb) etwas über 100 Stück. Und weil der Lola auch ein schönes Fahrzeug war, wurde Broadley immer wieder angefragt, ob er nicht vielleicht eine Strassenversion verkaufen wolle. Und da kam eben Franco Sbarro ins Spiel. Er kleidete den T70 mit einem Lederinterieur aus, verpasste ihm eine Klimaanlage und ein HiFi-System – und stellte den Wagen 1969 auf den Rennwagen-Show in London aus. Broadley, heisst es, war nicht ganz überzeugt, doch er willigte trotzdem ein, Sbarro sieben T70-Chassis (Fahrgestellnummern SL-101 bis 107) zu liefern.

Wie viele Lola T70 Sbarro tatsächlich umbaute, das weiss man heute nicht mehr so genau. Wahrscheinlich waren es 11 Stück, ein letzter im Jahr 1978, ausgerüstet mit dem 3,3-Liter-Motor aus dem Porsche 911 Turbo und einem Getriebe aus dem Porsche 935. Verkaufspreis: 100’000 Franken. Ein Schnäppchen für einen Sportwagen, der damals schon 310 km/h schnell war. Und nur gerade 95 Zentimeter hoch. Die anderen Lola T70 von Sbarro waren mit V8-Maschinen von Chevrolet motorisiert, ein Exemplar erhielt einen 4-Liter-V12 von Ferrari.

Das hier gezeigte Fahrzeug, Chassisnummer SL-106, kaufte der Rennfahrer Chuck Parsons, der ja gute Erfahrungen mit den Lola hatte. Er wandelte ihn wieder in einen Rennwagen um, bewegte ihn in den Saisons 1969 und 1970 mit anscheinend wenig Erfolg (wobei, man weiss es nicht so genau). 1971 erlitt das Fahrzeug einen Unfall, wurde abgestellt – und erst 1999 von einem neuen Besitzer komplett restauriert. Später erhielt der Sbarro-Lola die blaue Sunoco-Lackierung des Daytona-Siegers von 1969 und wurde regelmässig bei historischen Rennen eingesetzt.

Manchmal tauchen diese Fahrzeuge auf Auktionen auf. Wem ein Ferrari zu langweilig, ein Porsche zu profan ist, der kann es ja einmal damit versuchen – der Einstieg, heisst es, sei allerdings ziemlich beschwerlich. Ob der Lola von Sbarro heute wieder eine Strassenzulassung, die er einst auch in der Schweiz hatte, erhalten würde, darf man als fraglich bezeichnen. Mehr spannende Exoten gibt es immer in unserem Archiv.

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