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BMW R 1200 GS Adventure

Die Königin der Reiseenduros

Der italienische Tankwart, dessen «Servizio»-Aufpreis ich mir nach einer kurvenreichen Tagestour durch den Norden Sardiniens gönne, schaut mich ungläubig an, als die Liter-Anzeige der Tanksäule die 20er-Marke überschreitet. Ungläubig mässigt er den Benzin-Strahl und ist sichtlich beruhigt, als bei 26 Litern endlich der erste Füllstopp kommt. 30 Liter passen in den mächtigen Kunststofftank der GS Adventure. Das ermöglicht je nach Fahrweise und Terrain eine Reichweite von 550 bis 600 Kilometer. Damit ist auch schon der augenfälligste Unterschied der «Adventure»-Sondermodelle innerhalb der GS-Baureihe erwähnt. Für Weltenbummler stellt ein grosser Tank zusammen mit den strapazierfähigeren Speicherädern und den längeren Federwegen ein wichtiges Plus für das grosse Abenteuer auf zwei Rädern dar. Fürs Kilometerfressen auf der Autostrada bis zum Hafen von Genua würden zwar auch die üblichen 200 bis 300 Kilometer problemlos reichen. Da sind kurze Kaffee- und Tankstopps willkommene Abwechslungen. Doch flott unterwegs mit aktiviertem Tempomat und ganz nach oben gedrehter Windschutzscheibe vermittelt der mächtige Tank der Adventure gleichwohl ein erhaben beruhigendes Gefühl.

Im Bauch der Fähre kommt es dann fast schon zu einem kleinen internationalen GS-Treffen. Sicher ein Drittel aller dort festgezurrten Motorräder gehören dieser BMW-Baureihe an. Doch das ist nicht weiter erstaunlich. Die wuchtigen Reiseenduros gehören seit Jahrzehnten in ganz Europa zu den meistverkauften Motorrädern überhaupt. Und für Touren durchs hügelige Hinterland und entlang der Küste der schmucken Mittelmeerinsel ist das Allrounder Bike perfekt gerüstet.

Am Anfang der GS-Erfolgsgeschichte steht die R 80 G/S. Diese verband 1980 erstmals einen für damalige Begriffe eher grossen und damit auch gewichtigen 800-ccm-Zweizylinder-Boxermotor mit rudimentärer Geländetauglichkeit. Die hochbeinige BMW trat damit gegen die erfolgreichen Einzylinder-Reiseenduros von Yamaha (XT500) und Honda (XL500) an. Doch während die japanischen Baureihen irgendwann in den Neunzigerjahren mangels Erfolg verschwanden, hielt BMW stur am GS-Konzept fest, das damals kurz für Gelände und Sport stand und heute für Gelände und Strasse. Dabei wurden die Motoren immer grösser und die Technik immer ausgefeilter.

So bietet die aktuelle Ausgabe der 1200er GS rundum Technik auf absolutem Topniveau. Dabei kommen die Adventure-Modelle traditionellerweise immer etwas verzögert in den Genuss der neusten technischen Errungenschaften. So gibt es erst in diesem Jahr gegen Aufpreis den vor einem Jahr lancierten Multimedia-Bordcomputer mit 6,5 Zoll-TFT-Farbdisplay, der mit dem persönlichen Smart-Phone gekoppelt werden kann. Damit können unzählige Infos zum Fahrzeug und den geplanten und gefahrenen Routen abgerufen werden. Für einen einmaligen Aufpreis von 360 Franken gibt es zudem fürs grosse Abenteuer erstmals einen intelligenten Notruf, der bei einem Unfall entweder automatisch durch den Crash oder per gezielten Knopfdruck via das BMW-Call-Center eine schnellstmögliche Notfallversorgung auslösen soll. Auch alle anderen 2017 lancierten Extras im Bereich der elektronischen Motoren- und Fahrwerkssteuerung, wie die Fahrmodi Pro mit DTC, Hill Start Control und vor allem auch Dynamic ESA, welches die Fahrwerkabstimmung automatisch dem Beladungszustand und der Fahrsituation anpasst, kommen bei der gefahrenen Adventure zum Einsatz. Damit ist man auf der neuen GS Adventure trotz eines stattlichen Gewichts von über 260 Kilogramm und des mächtigen Tanks selbst die engen Serpentinen hoch zum Monte Limpara, dem höchsten befahrbaren Berg im Norden Sardiniens, extrem leichtfüssig unterwegs. Und wenn die Schotterstrasse zum einsamen Strand plötzlich in einen schmalen Sandweg mündet, bleibt die grosse BMW im Enduro-Modus stets sicher auf Kurs. Ausgestattet mit allen Extras setzt die neue BMW R1200 GS Adventure einmal mehr neue Standards bei den Alleskönnerinnen mit Fernreisequalitäten. Doch das Ganze hat auch einen stolzen Preis. So kostet die gefahrene Adventure-Version mit allen Extras über 25 000 Franken.

BMW R 1200 GS Adventure
Motor: Luft-/Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Motor
Hubraum: 1170 ccm
Leistung: 92 kW / 125 PS
Drehmoment: 125 Nm / 6500 U/min
Sitzhöhe: 870-890 mm
Gewicht fahrfertig vollgetankt: 263 kg
Testverbrauch: 5,2 l/100 km/h
Basispreis: ab Fr. 17 950.-
Testmotorrad: Top ausgestattet inkl. Koffer: Fr. 25 425.-

Wir danken Daniel Huber für diesen Text. Mehr Motorrad gibt es in unserem Archiv.

2 Kommentare

  1. Bruno Bruno

    Wer hat denn diesen Bericht geschrieben?
    Gut geschrieben und
    Recht hat er, ist aber auch Geschmackssache wie beim Essen.
    Ich ziehe Japaner vor.
    LG Kawarider 😎

    • Peter Ruch Peter Ruch

      Daniel Huber, ein alter «radical»-Freund…

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