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Opel Rekord C

Die schwarze Witwe

Kurz nach der Einweihung der Opel-Styling-Abteilung rückte der Designer Anatole Lapine, Lette, damals 35 und später Designchef bei Porsche, Opel ins Rampenlicht der Motorsport-Bühne. Wieder einmal ohne Auftrag von der Unternehmensspitze – wie zuvor schon beim Experimental GT – schuf er Mitte der 1960er Jahre auf Basis des Opel Rekord C den ersten Rennwagen von Opel nach dem Krieg.

Der schwarze Lack des Wettbewerbsfahrzeugs brachte ihm in Verbindung mit seinem erstaunlichen Leistungspotenzial einen ungewöhnlichen Namen ein: die Zuschauer nannten den schnellen Opel bald die «Schwarze Witwe», in Anlehnung an die gefährlichste Spinne der Welt. Pilotiert von Erich Bitter und dem jungen Niki Lauda ging der Wagen zwischen 1967 und 1969 an den Start und verwies die Wettbewerber mit seinem 180 PS starken 1,9-Liter-Vierzylindermotor immer wieder auf die Plätze. (Ok, das behauptet Opel – es gibt allerdings keine klaren Aufzeichnung, dass der Rekord je einen Rennen gewonnen hat.) Egal: Wie souverän die Opel-Motorsportler mit den Provokationen der Gegner umgingen, zeigt ihre Reaktion auf die spöttische Bezeichnung «Taxi» für den schnellen Rekord. Zu jener Zeit waren die Kraftdroschken auf den Warteplätzen in einheitlichem Schwarz lackiert. Und prompt fand sich beim nächsten Einsatz das gelbe Taxi-Schild auf dem Dach des Renn-Rekord.

In den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts haben sich die Spuren des Unikats verloren. Als jedoch ein Rekord C aus exakt demselben Baujahr wie dem der «Schwarzen Witwe» auftauchte, kaufte die Opel-Classic-Werkstatt das seltene Stück und baute es originalgetreu nach den Plänen Anatole Lapines zum Rennwagen um. Der Altmeister selber half dem Opel-Klassik-Experten Jens Cooper da aus, wo es keine Aufzeichnungen mehr gab. Auf einem Speiseplan von «Essen auf Rädern» skizzierte Lapine bei einem Besuch von Cooper in seinem Altersruhesitz in Baden-Baden die Konstruktion der Hinterachse. Durch eine x-förmige Konstruktion, in deren Kreuzpunkt ein Gelenk sitzt, ist sie zusätzlich mit der Karosserie verbunden, was die Seitenneigung reduziert. Lapine erlebte die «Wiedergeburt» der «Schwarzen Witwe» nicht mehr: er verstarb 2012.

«radical» durfte «nur» mitfahren. Und sah zuerst einmal: nichts. Einen derart ausgeräumten Innenraum haben wir aber tatsächlich noch nie gesehen, alles, alles raus, was nicht gebraucht werden kann; man sieht von vorne sogar direkt auf die Hinterachse, so nackt ist sie, die «schwarze Witwe». Und dann: beautiful noise. Die Sidepipe ist mit Garantie ungefiltert, da kracht der Lärm nur so raus. Und das ist wunderbar – wann genau haben wir einen Opel wegen seines Lärms je geliebt? Wir dürfen ja nicht selber am Lenkrad drehen, doch was wir selbst auf dem Beifahrersitz mitbekommen: der Wagen hat eine ganz sanfte Tendenz zum Übersteuern. Nur ganz sanft – also: immer. Aber Pilot Jens sagt: er kündet sich ja an. Dann kann man dagegenhalten. Und dieser Sound.

Andere hübsche Oldies und Opel gibt es im Archiv.

Ein Kommentar

  1. D.S. D.S.

    Bitte mehr davon …, mehr Bilder, mehr Text !! Der Bericht ist viiiel zu kurz …

    Es ist ein wunderbares – faszinierendes Auto, bei dem sich – wenn man es erleben darf – unweigerlich Gänsehaut-Feeling einstellt!

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