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Motocar Rovin

Treue Kundschaft

Unter den französischen Kleinstwagen-Herstellern konnte sich die Motocar Rovin der Gebrüder Robert und Raoul de Rovin am längsten halten – erst 1959 mussten sie die Tore ihrer Fabrik in Paris St. Denis (in den ehemaligen Hallen von Delauney-Belleville, einer vor dem 2. Weltkrieg in Frankreich sehr erfolgreichen Marke) schliessen. Das hatte auch viel damit zu tun, dass die Rovin im Gegensatz zu den meisten ihrer Konkurrenten sehr gut verarbeitet waren – und sich auch deshalb eine sehr treue Kundschaft erarbeiten konnten.

Aber beginnen wir von vorne. Noch im Krieg hatten die Gebrüder de Rovin einen ersten Prototypen entwickelt – 1946, auf dem Salon von Paris, der das wahre Mekka der französischen Kleinwagen-Hersteller darstellte, zeigten sie ihr erstes Modell. Raoul de Rovin hatte eine offene, türlose Karosserie in selbsttragender Schalenbauweise zusammengeschweisst. Es war eine interessante Konstruktion, die vier Räder waren einzeln aufgehängt, es gab Trommelbremsen an allen vier Rädern, ausserdem eine 12-V-Strom-Anlage und Dreigang-Getriebe. Sogar der Motor war eine Eigen-Entwicklung der Brüder, ein Viertakt-Einzylinder mit 0,26 Liter Hubraum, der es auf 6,6 PS brachte und seine Kraft über eine Kette und Antriebswellen auf beide Hinterräder übertrug. Das alles war der Konkurrenz teilweise meilenweit voraus, und doch gab es Kritik, etwa an dem sehr einsamen Scheinwerfer vorne und vor allem an der extremen Kürze des auch nur 1,1 Meter breiten Wagens, der zwar zwei Personen, aber kein Gepäck transportieren konnte. Also steckten die Gebrüder noch einmal viel Geld in die Entwicklung und zeigten 1947 auf dem Pariser Salon den D2. Der dann 27 Zentimeter länger war, zwei freistehende Scheinwerfer hatte – und über einen neuen 2-Zylinder-Boxer-Motor mit 0,46 Liter Hubraum verfügte, der es auf 10 PS bei 3000/min brachte.

Schon Ende 1947 konnten die Herren de Rovin ihr 300. Exemplar ausliefern. Doch sie blieben nicht stehen, entwickelten den D3 mit einer Ponton-Karosserie, gaben dem Fahrzeug noch ein PS mehr mit auf die Strasse, auch mehr Platz – und folglich mehr Gewicht. Trotzdem liefen die Geschäfte gut, 1950 waren schon mehr als 1000 Fahrzeuge ausgeliefert.

Man dachte in der Folge auch an Export-Märkte. Der D4 war schon fast edel, hatte eine Kühlerfigur und einen Rammschutz um das ganze Gefährt, die Leistung stieg auf 13 PS, die Höchstgeschwindigkeit auf über 80 km/h. Jedes Jahr wurden nun zwischen 300 und 500 dieser Fahrzeuge verkauft.

Diese drei Rovin gehörten einst zur Sammlung von Bruce Weiner, die RM Sotheby’s 2013 versteigerte. Wir haben mehr solche Kleinstwagen in unserer Sammlung von Microcars.

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