Zurück zum Content

radical zero: Maxus Mifa 9

Riesig

Es macht so ein bisschen den Eindruck, also ob die grossen Mini-Vans ein Comeback erleben würden. Volvo hat so ein Ding angekündigt, Lexus hat es schon – und den Maxus Mifa 9 kann man bereits kaufen, sogar in der Schweiz. Irgendwie gehört auch noch der ID.Buzz dazu, doch da muss man noch auf die Langversion warten, der Kurze ist mehr Lifestyle als Personen-Transporter.

Der Maxus Mifa 9 nun misst dann doch 5,27 Meter in der Länge, ist genau zwei Meter breit und auch noch 1,84 Meter hoch. Ein mächtiges Gefährt also, das sich auch optisch gar nicht erst Mühe gibt, seine Masse zu kaschieren: Die Front ragt wie ein Felsvorsprung in die Landschaft, hinten ist es die chinesische Mauer. Mit seinen 3,2 Meter Radstand gebärdet er sich mehr so wie ein Bus. Und ist in der günstigsten Ausstattung schon 2,4 Tonnen schwer.

Es geht hier also um den Personen-Transport. Wie die Bezeichnung Mifa 9 suggeriert, passen neun Personen in den Maxus. Das geht sogar ganz gut, man kommt einigermassen problemlos in die hinterste Reihe. Fährt man in Vollbesetzung, dann beträgt das Kofferraum-Volumen doch eher magere 55 Liter. Doch man kann im Maxus alles ab- oder umklappen sowie (mit einem Ingenieursstudium) auch ausbauen, dann werden es mehr als 2000 Liter; die Anzahl der möglichen Konfigurationen geht ins Unendliche. Sitzt man weiter hinten, ist man umgeben von viel Plastik. Wenn es warm ist, und das war es bei unserem Ausflug, dann riecht das dann auch ein bisschen. Aber immerhin sieht man durch die grossen Fenster auch etwas von der Umgebung.

Die erlebt man in Ruhe, wie bei einem E-Auto üblich. Zwar gibt es Wind- und Abrollgeräusche, doch das macht der mächtige Chinese weder besser noch schlechter als andere E-Mobile. Angetrieben werden nur die vorderen Räder, dort sorgen 180 kW/245 PS und 350 Nm für Vortrieb. Übermotorisiert ist man damit sicher nicht, auch wenn der Mifa 9 nach Herstellerangaben in weniger als 10 Sekunden aus dem Stillstand auf 100 km/h sprinten will. Gegen oben ist bei 180 km/h fertig. Fährt man aber so flott, dann dürfte der WLTP-Verbrauch von 21,3 bis 21,8 kWh/100 km (je nach Ausstattung) in weite Ferne rücken – aerodynamisch wird der Chinese nicht als Meisterleistung in die Auto-Geschichte eingehen. Als Reichweite werden trotzdem bis zu 440 Kilometer angegeben.

Dafür lässt er sich völlig problemlos bedienen – wenn man einmal von ein paar durchaus belustigenden Übersetzungsfehlern im Bediensystem absieht. Ein kleineres Display hat die Pilotin direkt vor den Augen, über der Mittelkonsole findet sich ein zweiter, grösserer, haptische Schalter sucht man vergebens. Aber eben: Starten, losfahren, alles andere ergibt sich von selbst. Man wird mit dem sanften Riesen eh nicht rasen wollen, auch das Fahrwerk ist auf maximalen Komfort ausgerichtet. Es ist vielleicht sogar etwas gar viel Komfort, der hohe Aufbau kommt bei zu schon bei Park-Manövern leicht ins Wanken. Park-Manöver bergen auch sonst gewisse Schwierigkeiten, dies ist aber allein der schieren Grösse des Fahrzeugs geschuldet; mit seinen Ecken und Kanten ist es eigentlich sehr übersichtlich.

Der Strom für den Mifa 9 kommt aus einem ebenfalls mächtigen 90-kWh-Akku. Die Ladegeschwindigkeit liegt bei maximal 120 kW, das ist dann für solch einen riesigen «Tank» eher schwächlich. Doch das ist irgendwie bei fast allen chinesischen E-Fahrzeugen ein wunder Punkt – im Reich der Mitte scheint man gern etwas mehr Zeit an den Ladesäulen zu verbringen. Daheim, an der Wallbox, arbeitet der Maxus mit den üblichen 11 kW, da braucht er dann halt aber schon eine ganze Nacht, bis er wieder voller Energie in den Alltag fährt.

Hinter Maxus steht der gewaltige SAIC-Konzern, der mit MG zu den erfolgreichsten chinesischen Anbietern in Europa gehört. In der Schweiz bietet Maxus neben dem Mifa 9 noch den ebenfalls vollelektrischen Pick-up T90 und einige Nutzfahrzeuge an; die ganz grossen Stückzahlen werden die Chinesen mit diesem Randgruppen-Programm wohl nicht erreichen. Aber der Mifa 9, der sicher noch etwas liebevoller verarbeitet sein könnte, mit wertigeren Materialien ausgestattet, fährt in eine interessante Nische etwa für Shuttle- oder gar Taxi-Betreiber. Die günstigste Version des grossen Kleinbusses ist ab 65’900 Franken erhältlich, mit der Premium-Ausstattung sind es dann schon 79’900 Franken. Würde es aber eine Volumen/Preis-Berechnung geben, wäre der Maxus Mifa 9 ganz weit vorne.

Mehr Strom haben wir hier: zero. Alles andere: Archiv.

1 kommentar

  1. ernsti ernsti

    B e s t a t t u n g s w a g e n …. RIP 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert