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Seat Leon ST Cupra 280

Messer zwischen den Zähnen

In der Schweiz geht es Seat ganz gut. Fast 10’000 Fahrzeuge konnten im vergangenen Jahr verkauft werden, eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr und die Fortsetzung eines Trends. Doch international ist die VW-Führung mit der spanischen Tochter gar nicht zufrieden, es gibt zwar keine genauen Zahlen, aber man darf davon ausgehen, dass Seat keine schwarzen Zahlen schreibt. Was in der Vergangenheit auch daran lag, dass die Spanier sich zwar aus den riesigen Regalen des VW-Konzerns bedienen durften, aber nie die ganz feinen Sachen erhielten, nicht von den jüngsten Entwicklungen profitieren durften. Das hat sich spätestens bei der Einführung des neuen Leon geändert, ein weiteres MQB-Produkt – mit allem, was der Bestseller VW Golf und der noch teurere Audi A3 auch hat. Und dies in einem Design, das den doch eher biederen Marktführer etwas ältlich aussehen lässt. Das gilt sicher auch für den Leon ST, also die in der Schweiz besonders beliebte Kombi-Variante.

Den es jetzt auch als Cupra-Variante gibt, also: ganz besonders sportlich. Zwar darf Seat nicht das ganz volle Programm bieten, also nicht 300 PS und Allradantrieb wie im Golf R oder Audi S3. Doch auch mit Frontantrieb und 280 PS ist der Leon ST Cupra ein ausgezeichnetes Angebot, das der eilige Familienvater unbedingt im Auge behalten sollte. Denn mit seinem Basispreis von 43’150 Franken kostet er weniger als ein VW Golf Variant mit dem 184 PS starken 2-Liter-Diesel – der ja dann auch keinen Allradantrieb hat. Der Golf R, der bald auch als Kombi auf den Markt kommt, kostet dann schon die beachtliche Summe von mindestens 57’100 Franken (Preis für den Variant noch nicht bekannt).

Für Vortrieb sorgt eh der gleiche Motor, der bekannte 2-Liter-TSI. Für den Cupra gibt es zwei Leistungsstufen, 265 (schon ab 38’350 Franken) und besagte 280 PS, wobei davon auszugehen ist, dass sich Herr und Frau Schweizer auf die stärkere Version konzentrieren werden. Die 6 Sekunden von 0 auf 100 km/h rennt, elektronisch auf 250 km/h Höchstgeschwindigkeit begrenzt wird – und gemäss Norm 6,6 Liter verbrauchen soll (mit dem Doppelkupplungsgetriebe). Das schaffte der Testwagen, mit einem manuellen 6-Gang-Getriebe ausgestattet, nicht ganz, aber die knapp über 8 Liter im Schnitt sind für ein Fahrzeug mit diesen Fahrleistungen ein sehr guter Wert. Ausserdem: auch bei längeren Fahrten auf deutschen Autobahnen stieg der Verbrauch nur selten auf über 10 Liter. Allerdings verlangt die sehr durchzugskräftige Maschine – maximales Drehmoment beachtliche 350 Nm, die zwischen 1700 und 5600/min durchgehend zur Verfügung stehen – nach dem teuren 98er-Benzin.

Die einzelnen Fahrmodi (Comfort, Sport, Cupra) sind dann mehr Spielereien. In praktisch allen Lebenslagen ist Comfort gut genug, nur, wer den Cupra wirklich ausreizen will, der braucht dann die gröbste Stufe. Dann wird der spanische Löwe auch lauter (SoundAktor – aber alles andere als unangenehm) und härter, doch das braucht eigentlich niemand. Was dann wiederum bedeutet: wir schon. Bei einem Ausflug auf die deutsche Autobahn machte das Cupra-Röhren schon was her – und wenn man den Leon an die Grenzen bringen will, dann muss es sein, weil sich der ganze Wagen versteift, die Lenkung so ist, wie man sie im Hochgeschwindigkeitesbereich gerne haben will, die Vorderachs-Differentialsperre dann – halt leider nur elektronisch – so arbeitet, wie man das gerne mag. Da geht dann richtig was: der eine Warmduscher-RS6, der uns beim Hochbeschleunigen gerne zeigte, wo Gott hockt, hatte dann im kurvigen Bereich Angst vor seinem eigenen Mut, während der Spanier unbeirrt bei Tacho über 250 durchzog. Was da halt zählt: man fühlt sich sicher. Am Berg schätzt man DCC und all das Zeug sowieso, es wirkt zwar alles etwas digital, doch wenn es nützt, ist ja gut.

Aber dann sind da halt noch: 1470 Liter maximales Fassungsvermögen des Kofferraums. Hübsch verpackt in einen Kombi, der aus allen Blickwinkeln wirklich gut aussieht. Der in Sachen Infotainment- und Sicherheits-Features alles hat, was die MQB-Baureihen des VW-Konzerns so beliebt und erfolgreich macht. Die Ergonomie ist vorbildlich, die verwendeten Materialien sind auch beim Seat auf höchstem Niveau – und während der Testdauer von über 3000 Kilometern liessen sich keinerlei Verarbeitungsmängel finden. Ausser: die Reifendruckanzeige, die nicht das anzeigte, was sie sollte (was bei Tacho 270, als es das erste Mal auftrat, etwas irritierend ist – ok, könnte auch daran gelegen haben, dass unser Testwagen noch auf Winterreifen rollte). Gute Sitze, auch die hinteren Passagiere fühlen sich wohl und haben mehr als genügend Kopf- und Beinfreiheit; ausgezeichnete Progressiv-Lenkung (serienmässig), hervorragende Bremsen, gut dosierbar.

Es fällt wirklich schwer, am Seat Leon ST Cupra irgendwelche Kritikpunkte zu finden. Ausser vielleicht: das fehlende Image. Gerade auf der deutschen Autobahn nimmt niemand den Seat ernst, die wollen nicht weichen, wie es sich eigentlich gehören würde. Ganz besonders dann nicht, wenn es sich um deutsche Premium-Produkte handelt.

Mehr Seat gibt es im Archiv.

1 kommentar

  1. […] ist eine gute Sache mit diesen Cupra. Wir erinnern uns gut und gerne an den 280er-Kombi, den wir vor bald zwei Jahren im Test hatten. Jetzt haben die Spanier weiter aufgerüstet, der Leon […]

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