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Alain de Cadenet

Interview

(Heute habe ich auf dem geschätzten Site classicdriver.com ein Interview mit Alain de Cadenet gesehen. Was mich daran erinnert hat, dass ich ein ebensolches vor fünf Jahren auch schon mal geführt hatte. Und es war – gut. Deshalb…)

Charisma und Esprit sind nicht unbedingt die Substantive, mit denen Auto-Rennfahrer der Gegenwart als erstes charakterisiert werden können. Den Ex-Rennfahrer Alain de Cadenet beschreiben sie aber perfekt. Wie aus einem Interview eine Sammlung von Geschichten wird.

Es ist ja nicht so, dass jedes Interview gelingt oder gar Spass macht. Manchmal ist es sogar schwierig, den Gesprächspartnern auch nur ein paar vernünftige Sätze zu entlocken. Doch es geht auch anders: Alain de Cadenet, dessen Portrait auf einem der einschlägigen Internet-Portale mit den Worten „british born playboy“ beginnt, ist nicht nur eloquent, witzig, charamant, er ist ausserdem ein begnadeter Geschichten-Erzähler; eine wunderbare Gabe, die leider immer seltener wird. Und so wurde es auch kein Interview, sondern mehr eine grosse Erzählung von de Cadenet. Man gibt ihm hin und wieder ein Stichwort, und man kann sich kaum mehr seiner Anekdoten, Gedanken, Erinnerungen und Witze (von denen noch so mancher auch unter die Gürtellinie zielt) erwehren.

Alain de Cadenet wurde 1945 in London geboren, nicht gerade mit dem goldenen Löffel im Mund, aber in ein Elternhaus mit viel Stil. Die Ausbildung ist erstklassig, doch der junge Alain kann und will sich nicht festlegen, die Begabungen sind vielseitig, die Möglichkeiten gross. Kunstgeschichte ist dann jeweils ein beliebtes Fach (de Cadenet gilt heute noch als einer der weltweit profundesten Kenner der Briefmarken aus der Zeit von George V.), und Alain versuchte sich mit einigem Erfolg als Mode- und Konzert-Fotograf. Ja, „sex and drugs and rock’n’roll“ waren sicher nicht die Themata, denn de Cadenet komplett abgeneigt war. „Es war 1965, und ich besuchte mit meiner damaligen Freundin, einem Model, ein Autorennen“, erzählt de Cadenet. „Plötzlich verschwand sie mit einem Rennfahrer – das war der Moment, als ich beschloss, ebenfalls Rennfahrer zu werden, denn anscheinend hatten die Jungs mehr Erfolg bei den Mädchen als die Fotografen.“

Es waren wilde Zeiten. Auch Alain de Cadenet trug sein heute noch volles Haar etwas länger, und er war, wenn auch nicht ein begnadeter, so doch ein guter Rennfahrer. „Es fehlte mir immer etwas an Ehrgeiz“, erzählt er, „es ging mir zwar schon um Ruhm und Ehre, ich wollte berühmt werden, auch wegen der Chancen bei den Mädchen, aber die letzte Konsequenz fehlte mir vielleicht.“ Das ist eine erstaunliche Aussage, denn die Rennerei war in jenen Jahren sehr gefährlich, schwere Unfälle an der Tagesordnung, und es brauchte schon ziemlich viel Mut und Überwindung, die Rennwagen jener Jahre am Limit zu bewegen. Über 350 km/h wurden auf der Mulsanne-Geraden in Le Mans erreicht, beim legendären 24-Stunden-Rennen, das de Cadenet mehrfach bestritt, als Fahrer und später als Konstrukteur und Rennstall-Besitzer. Und die Bremsen jener Boliden waren, wie beschreibt das de Cadenet so schön: „vorhanden“. Seine grössten Erfolge feierte de Cadenet in der Sportwagen-Weltmeisterschaft Anfang der 1970er-Jahre, dort konnte er zwei Läufe gewinnen.

„Ich hatte mich schon früh auf die Rennerei mit klassischen Fahrzeugen verlegt, aus dem einfachen Grund, weil das halt viel günstiger war“, erklärt der Engländer seine immer noch sehr grosse Liebe zu Oldtimern. „Man muss sich das vorstellen, damals, Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre kostete ein Alfa 8C aus den 1930er-Jahren weniger als ein neuer Spider. Natürlich hätte ich auch gerne so einen Spider gehabt, wie Dustin Hoffmann in ´Die Reifeprüfung´, aber die Dinger waren einfach zu teuer. Und zu langsam.“ Alain ist jetzt kaum mehr zu bremsen: „Ich tat das auch, weil ich so Geld verdienen konnte. Es ging darum, ein schnelles Auto zu kaufen, damit einige Rennen zu fahren – und das Ding dann zu verkaufen, bevor es in die Luft ging. Keine Ahnung, wie viele Ferrari 250 GTO ich in jenen Jahren besass, es müssen wohl sechs Stück gewesen sein, doch ich habe sie alle verscherbelt, um mir wieder ein neues Spielzeug zu kaufen. Ich kaufte sie für 1500 Pfund, und einmal konnte ich einen für 3000 Pfund verkaufen, das war damals ein gutes Geschäft.“

Die Liebe zu den Alfa aus den 1930er-Jahren, jenen wunderbaren 8C, ist Alain geblieben, er bezeichnet es als sein liebstes Hobby, mit solch einem Fahrzeug auf schlechten Strassen durch Europa zu fahren. Ausserdem fährt er sehr gerne alte Motorräder. Und fliegt mit alten Flugzeugen. Und hat mehr als nur ein bisschen Ahnung von alten Weinen. Und ist einer der grossartigsten Kommentatoren bei Oldtimer-Veranstaltungen sowie ein ausgesprochen witziger Moderator von TV-Formaten. „Goodwood ist für mich sicher die beste aller Klassiker-Veranstaltungen überhaupt. Nicht nur, weil ich da selber fahre – kürzlich zum Beispiel einen de-Cadenet-Prototyp aus dem Jahre 1972, der erste Rennwagen, den Ingenieursgenie Gordon Murray je konstruiert hatte -, aber es sind alle bekannten Gesichter dort, wunderbares Material fährt auf der Strecke, die Stimmung ist grossartig. Laguna Seca ist auch toll, auch deshalb, weil die Rennstrecke sehr anspruchsvoll ist.“

„Wer mit „vintage racing“ beginnen will, der sollte das nicht gleich in Goodwood oder Le Mans oder Laguna Seca machen, sondern sich zuerst einmal in einem guten Club anmelden. Es braucht schon ein bisschen Erfahrung, auch bei den alten Autos hat es paar böse Buben, die immer das Messer zwischen den Zähnen haben“, empfiehlt de Cadenet. „Und unbedingt sollte man ein paar Stunden nehmen bei einem erfahrenen Rennfahrer wie mir. Bei der „Le Mans Classic“ fuhr ich einmal hinter einem sehr wertvollen Ferrari her, das sah ich schon nach wenigen Metern, dass der Fahrer völlig überfordert war von diesem Auto – und prompt hat er ihn wenig später an die Wand geschmissen. Das war unnötig, ich hätte ihm gerne gezeigt, auf was es bei diesem Fahrzeug ankommt, das wäre den Besitzer viel günstiger gekommen. Aber wie sagt man doch so schön, und das gilt auch für die Oldtimer-Rennerei: There is no such thing as cheap Polo.“

Aber, Alain, ist es denn nicht so, dass unterdessen eine wahre Inflation an Oldtimer-Verastaltungen stattfindet, dass es auch viel zu viele Piloten gibt, die diesem Hobby frönen? „Nein“, sagte de Cadenet bestimmt, „überhaupt nicht, denn alle diese Veranstaltungen ziehen immer mehr Publikum an. Früher gab es auch nur vier wichtige Pferderennen pro Jahr, bei denen man wetten konnte, heute gibt es täglich eines, und die Leute lieben das.“ Doch was hält Alain de Cadenet von den aktuellen Garnd-Prix-Rennfahrern? „Die modernen Formel-1-Fahrzeuge sind die ultimative Herausforderung – und die Jungs machen einen grossartigen Job. Sie verdienen viel Geld – und am Schluss zählen nur die Resultate. Aus Spass oder Lust am Fahren im Grenzbereich macht das heute niemand mehr, im Gegensatz zum „vintage racing“. Dort interessiert sich allerdings niemand dafür, wer gewinnt, das Resultat ist völlig unwichtig, und auch wenn man seine Klasse gewinnt, darf man sich auf keinen Fall mit den aktuellen Rennfahrern vergleichen, die sind auf einer ganz anderen Stufe.“

Und wie beurteilt der alte Hase de Cadenet das Engagement der „Credit Suisse“bei diesem Oldtimer-Events? Alain kommt ins Schwärmen: „Ach, die Credit Suisse macht diesen Veranstaltungen, Goodwood, den historischen GP in Monaco, auch Pebble Beach zu etwas ganz Besonderem. Ich geniesse die Gastfreundschaft sehr, die guten Gespräch mit interessanten Menschen, aber auch die Möglichkeit, sich einmal zurückziehen, einen Tee trinken zu können. „Credit Suisse“ ist weit mehr als nur ein Sponsor, „Credit Suisse“ ist mit Herzblut und Überzeugung dabei.“

Die Story von classicdriver.com: hier. (Und ja, von da haben wir auch die Bilder. Wir hoffen, das mit dem © geht in Ordnung.)

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