Zurück zum Content

Volvo CMA

Gute Aussichten

Sie machen etwas richtig, die Schweden von Volvo. Einigermassen unbeschadet haben sie eine lange Krise überstanden (und auch die daraus folgende Übernahme durch den chinesischen Geely-Konzern), das Image hat nicht gelitten, die Assoziationen sind wohl weiterhin durchwegs positiv. Und unterdessen sind Modelle und Etragssituation auch wieder auf einem Niveau, das dem guten Ruf der Marke entspricht. Vom mächtigen SUV XC90 wurden schon mehr als 100’000 Exemplare bestellt, es gibt sogar Wartefristen – etwas, worüber sich potenzielle Volvo-Kunden lange Jahre nie beklagen mussten.

Dabei steht die Neuerfindung der Marke ja eigentlich erst am Anfang. Es kommen noch diesen Sommer zuerst die Modelle S90 und V90 auf den Markt, wobei wohl vor allem der grosse Kombi in der Schweiz auf grosses Interesse stossen wird. Auf der gleichen Plattform, SPA genannt, wird dann in diesem Jahr auch noch die kleinere 60er-Reihe nachgereicht, die traditionell gegen die 3er-Reihe von BMW antritt. Aber wohl vor allem Audi und Mercedes schauen wohl einigermassen besorgt nach Norden.

Über eine halbe Million Fahrzeuge verkaufte Volvo im vergangenen Jahr, 2016 begann mit einem Zuwachs von 10 Prozent im ersten Quartal. Damit sind die Schweden, die von ihren chinesischen Besitzern an einer erfreulich langen Leine geführt werden, zwar noch weit von ihrem erklärten Ziel von 800’000 Stück jährlich entfernt, doch es kommt ja dann auch noch mehr, wohl Ende 2017. Und das im C-Segment, wo sich gut Stückzahlen bolzen lassen. Und wo für das Premium-Segment, in dem die komplett neue 40er-Reihe antreten wird, auch die interessantesten Zuwachsraten prognostiziert werden.

Für diese 40er-Reihe hat Volvo in enger Zusammenarbeit mit dem chinesischen Mutterhaus eine komplett neue Plattform entwickelt, genannt CMA. Wie bei SPA ist auch CMA von Anfang an auf eine sinnvolle Elektrifizierung ausgelegt, also: es wird Plug-in-Hybride geben. Und zusätzlich auch reine Elektro-Autos, Volvo verspricht das eine Reichweite von 350 Kilometern. Und der Plug-in-Hybrid soll mit einem 3-Zylinder-Motor, einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und den entsprechenden Batterien sowie E-Motoren zwar auf eine respektable Leistung von 250 PS kommen, aber trotzdem kaum etwas verbrauchen. Dies zumindest gemäss geltender Normen.

Ob es wirklich Sinn ergibt, dass ein doch weiterhin kleiner Hersteller wie Volvo zwei Plattformen hat, darf sicher in Frage gestellt werden. Doch das hat wahrscheinlich etwas mit einer neuen Tochterfirma zu tun, die Geely und Volvo gemeinsam betreiben – man darf davon ausgehen, dass Geely CMA auch verwenden wird. Ausserdem heisst es, die neue Plattform gebe mehr Gestaltungsmöglichkeiten in Sachen Design (das dem nicht so ist, beweist aktuell Renault, wo vom grossen Espace bis zum Megane alles auf der gleichen Basis steht). Und Design ist ein ganz wichtiges Thema für die Skadinavier.

Dafür zeichnet seit vier Jahren Thomas Ingenlath zuständig, der davor Chefdesigner bei Skoda gewesen war. Stolz erzählt er, dass ein kleiner Volvo nicht einfach eine geschrumpfte Version eines grösseren Volvo sein dürfe. Die 90er-Reihe sei elegant, die 60er-Reihe sportlich – und die zukünftige 40er-Reihe für die so genannten «Millenials». Darunter darf man sich nun vorstellen, was man will, denn in etwa so ist die Definition der Bedürfnisse dieser vom Marketing neu erfunden Gruppe von zukünftigen Kunden, sie können alles und sie wollen alles, also muss der 40er-Volvo genau das erfüllen. Und weil ein einzelnes Auto das nicht kann, werden wir von den kleinsten Volvo eine Modellspreizung sehen in Zukunft, wie es sie in der Vergangenheit bei Volvo nie gegeben hatte.

Speerspitze auch an der Verkaufsfront wird selbstverständlich ein SUV sein, einigermassen kompakt. Es wird sicher auch eine Limousine geben, denn Volvo will mit dem kleinsten Modell zurück auf den amerikanischen Markt (ab 2017 wird auch in den USA produziert). Aber Ingenlath präsentierte auch ein Modell, bei dem er sich selber nicht auf eine Bezeichnung festlegen wollte, irgendwo zwischen Crossover-Notchback-Coupé und «Millenials»-Freude. Ob die Welt das wirklich braucht, braucht sich der Europäer längst nicht mehr zu fragen; der Chinese kauft das dann schon.

Aber Volvo geht ja längst auch noch die entscheidenden Schritte weiter; das Produkt zum Selbstzweck ist für die Schweden ein längst überholtes Modell. Natürlich wird noch mehr und noch mehr Sicherheit propagiert, auch in Sachen «autonomes Fahren» gehört Volvo ins (kleine) Spitzenfeld der Anbieter, die Konnektivität (also: das fahrende Smartphone) ist einer der liebsten Spielplätze der Schweden, weitreichende Mobilitätskonzepte sind nicht bloss ein Muss, sondern teilweise bereits Realität. Wenn wir hier behaupten, dass die Schweden in der Gesamtheit der Zukunftskonzepte nicht bloss am weitesten sind, sondern auch der richtige philosophische Überbau dafür vorhanden ist, dann lehnen wir uns wohl kaum zu weit aus dem Fenster; ob wir das alles haben wollen, daran glauben können, ist aber eine andere Frage. Aber darüber lässt sich ja auch trefflich diskutieren.

Mehr Volvo haben wir in unserem Archiv.

2s Kommentare

  1. PeterT PeterT

    Der Designer kommt also von Skoda.
    Hmmm…tja…..das merkt man (leider)
    Ich sehe da durchaus Octavia-Anklänge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.