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VW Golf GTI Clubsport S

Alles anders

Sportliche Gölfe zu bewegen war bisher immer eher mit nicht ganz so viel Spass verbunden. Ja, schon, so ein R oder ein Performance-GTI sind schon flotte Geräte und können auch ums Eck. Aber sie sind halt: effizient. So ganz ohne Humor. Und dabei halt immer auch ein wenig mehr solcher Attribute wie «komfortabel» oder «sicher» zugeneigt. Begeisterte Käufer finden sich damit viele, nur eben Sportfahrer, die haben sich bisher vor allem in französischen oder zuletzt auch Kölner Regalen umgeschaut.

Die gute Nachricht vorweg: VW hat es nun endlich verstanden, wie es geht, dieses Ding, dass sie alle immer Fahrspass nennen. Aufwendig haben ein paar Vögel, denen nicht nur kaltes Ingenieursblut, sondern auch ein Schuss Benzin durch die Adern fliesst, ein paar Änderungen vorgenommen, um dem Golf eine Seele zu verpassen: klebrige Gummis aus Frankreich, eine eigenständige Bremsscheiben-/Belagkombination, eigens verlegte Luftkanäle, um selbiger ausreichend Frischluft zuzuführen, ein paar Pferdestärken mehr, um derer 310 im Datenblatt stehen zu haben, echte Aerodynamik (bis zu 17 kg Abtrieb hinten, 8 kg vorn) und vor allem: eine komplett für die Nordschleife optimierte Fahrwerksabstimmung in Kombination mit einer konsequenten Magerkur. 30 Kilo werden somit zum Clubsport eingespart, um die Waage auf 1360 kg zu bringen.

Feine Zutaten, auf welche wir auch gleich die schlechte Nachricht verkünden wollen: Denn, wer ihn wirklich haben will, braucht gar nicht weiterzulesen: alle 400 VW Golf GTI Clubsport S sind schon längst ausverkauft. Umso netter, dass Volkswagen uns diesen schärfsten aller Gölfe reiten liess. Noch dazu dort, wo seine Entwicklung auf die Spitze getrieben wurde, um Rekorde zu brechen. Schnellster Fronttriebler auf der Nordschleife sollte er werden und wurde es auch, nachdem die Stoppuhr bei 7:49,21 stehenblieb. Rekorde sind aber nur Schall und Rauch, wenn’s keinen Spass macht, die Fuhre zu scheuchen. Denn genau dort trennten sich bisher die Gölfe von den Megane.

Uns bleibt nicht viel Zeit. Genau eine schnelle Runde soll’s werden, bevor in der zweiten typisches Eifelwetter dafür sorgt, dass die serienmässigen Cup-2-Semis auf der feuchten Strecke hilflos Halt suchen. Es bleibt folglich bei einer kurzen Momentaufnahme, welche – das müssen wir den Wolfsburgern zugestehen – einprägsamer kaum sein könnte. Schon im Hatzenbachgeschlängel denkst Du, es ist alles zu spät, so wie das Teil Anker wirft, einlenkt und Richtung wechselt. Doch wenn Du Ausgangs Adenauer Forst, der Dreifach-Rechts im Kallenhard, der Ex-Mühle und wie die für Fronttriebler so neuralgischen Punkte alle heissen, statt Untersteuern nur Freudentränen erntest, musst Du einfach Deinen Helm vor der Leistung dieses kleinen Projektteams ziehen – und das tief. Dass die elektrohydraulische Sperre an der Vorderachse mit bis zu 100% Sperrgrad hervorragend funktioniert, das wussten wir bereits vorher. Was das System aber mit Semis, zwei Grad negativem Sturz und gänzlich ohne Vorspur zu leisten imstande ist, ist schon – arg. Untersteuern muss durch grobe Anwendungsfehler herbeigeführt werden. und egal wie man sich benimmt, die Hinterachse ist immer zur Mitarbeit bereit.

Die möglichen Kurventempi, das Einlenkverhalten und generell dieser Speed, da kneift man auch mit ein paar Runden Nordschleifenerfahrung noch kräftig die Backen zusammen. So schnell bist Du hier im Baguette-RS nicht unterwegs. Und selbst wenn, hast Du dabei nicht halb so viel Vertrauen in die Schüssel. An dieser Stelle käme für den Franzosen nun üblicherweise das Fahrspass-Argument. Doch dieses Mal passen wir: Das erste Mal haben wir einen ernsten Fahrspass-Konkurrenten für den Franzosen gefunden, der ebenfalls nur an der eigentlich falschen Achse angetrieben wird. Denn dazu tönt auch eine Akustik, wie sie uns im Golf bisher eher fremd war. Röhren, fauchen, sprotzeln, knallen tut er, dringt dank des Verzichts auf allerlei Dämmmaterialien dabei ungefiltert wie nie ans Fahrerohr durch und löst ein im Golf völlig fremdes Gefühl aus: Emotionen.

Da haust Du dann breit grinsend über die Hohe Acht, staunst, wie perfekt der Clubsport S den Curb in der Rechts Eingangs Wippermann glattbügelt, jubilierst im Pflanzgarten über die gelungene ABS-Abstimmung, trampelst durchs kleine Karussell und fährst anschliessend auf der Landstrasse in den feinen Sitzschalen gebettet gemütlich nach Hause. Denn am Ende ist’s eben doch: ein Golf. Einer allerdings, der erstmals nicht, weil er eben das ist, seiner sportlichen Fähigkeiten beraubt wurde.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Sebastian Bauer, der für uns auf der Nordschleife war – und mit passiondriving.de einen eigenen, feinen Blog hat. Und andere VW haben wir in unserem Archiv.

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