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Opel Senator

Drei-Liter-Auto?

Ja, drei Liter Hubraum! Mit dem Senator wollte Opel in den Achtzigern in der automobilen Oberklasse mitspielen. Das gelang damals nicht wirklich, heute ist der Hecktriebler aber eine interessante Alternative zur überteuerten Konkurrenz. Und wenn Sie nicht der x-te Fahrer eines 123er-Mercedes sein möchten, aber Lust haben auf einen soliden Klassiker aus den 80ern, dann könnte der Opel Senator etwas für Sie sein. Die kantige Stufenheck-Limousine stammt aus einer Zeit, als Opel noch in der automobilen Oberklasse mitfuhr. Oder zumindest mitfahren wollte.

1978 kam der Senator als Nachfolger der legendären KAD-Baureihe (Kapitän, Admiral, Diplomat) heraus. Einen V8 wie beim Diplomat gab es zwar nicht mehr, lumpen ließen sich die Ingenieure beim neuen Flagschiff aus Rüsselsheim aber auch nicht. 180 PS aus drei Litern Hubraum leistete das Top-Aggregat hinter dem Plastikgrill: Auf solche Werte kamen um 1980 sonst nur Mercedes oder Porsche.

Neben dem praktisch unzerstörbaren Grauguss-Reihensechszylinder überzeugte der Senator die zeitgenössische Motorpresse mit brillantem Fahrwerk (Einzelradaufhängung an der Hinterachse), komfortabler Ausstattung und vergleichsweise niedrigem Anschaffungspreis. Opel selbst konnte die Herstellungskosten niedrig halten, weil man sich bei der Produktion aus dem Konzernregal bediente: Der Senator basierte auf dem kleineren Rekord, also auf der V-Plattform von GM. Die Nähe zum biederen Rekord ist vielleicht einer der Gründe, warum der Senator letztlich doch nicht allzu doll in den Verkaufsräumen ankam. Als Oberklassefahrzeug blieben seine Stückzahlen jedenfalls überschaubar, die meisten Kunden blieben der Konkurrenz von Mercedes-Benz (W123, W126) oder BMW (5er E28) treu.

Heute ist der Opel Senator erst recht ein Exot auf den Straßen. Die Spitzenmodelle mit Drei-Liter-Einspritzer sind besonders beliebt, bei eingefleischten Alt-Opel-Fans vor allem die mit Handschalter. Ebenfalls begehrt: Exemplare mit CD-Ausstattung (Velours-Sitze, Alufelgen, mattschwarz lackierter Fensterrahmen) und Digitaltacho, auch „Mäusekino“ genannt. Selbst gut ausgestattete Senatoren kosten selten über 10.000 Euro und sind damit eine günstige Alternative zu Mercedes-Klassikern. Teurer ist die Coupé-Version des Senator, der Monza. Am schwierigsten ist es, einen gut erhaltenen Senator bzw. Monza ohne Rost zu finden. Die Karosserie kann praktisch an allen Stellen gammeln, besonders häufig betroffen sind A-Säule, Schweller, Endspitzen und Radläufe. Wenn die neuralgischen Federbeindome durchgerostet sind, stellt sich bei der Restauration schnell die Frage der Wirtschaftlichkeit.

Haiko Prengel ist Motorjournalist in Berlin. Die Texte basieren auf einer Serie über „Günstige Oldtimer“ bei SPIEGEL ONLINE, für die der Autor regelmäßig neue Folgen schreibt. Eine Auswahl dieser Schlitten mit Schnäppchenpotenzial präsentiert er in seinem Buch „99 Oldtimer, aus denen Sie nie wieder aussteigen wollen“. Das Buch über Klassiker, die sich auch Nicht-Millionäre leisten können, ist im Verlag GeraMond erschienen und kostet 14,99 Euro. Bestellen können Sie es gleich: hier. Und mehr Opel haben wir in unserem Archiv.

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