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Grand Basel 2018

Warum?

Das Trara war grob. Die Grand Basel soll im automobilen Bereich das werden, was die Art Basel schon ist: die meistbeachtete Ausstellung mit der grossartigsten internationalen Reputation, dies dann auch noch mit Ablegern in Miami und Hongkong. Eine Messe für Sammler und die edelsten Anbieter, eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung der feinsten Kollektionen, potentesten Käufer und umtriebigsten Händler, dies mit einem neuartigen Ausstellungskonzept, das den Betrachtern die Nähe zum Objekt ermöglicht.

Nach einem Augenschein in Basel sei vermeldet: ja, die Ausstellung der Ware ist geglückt. Zwar hat das alles etwas musealen Charakter, lebt nicht, doch die automobilen Preziosen können im besten Licht und aus angenehmer Nähe betrachtet werden. Auch ist die Qualität der Ausstellungsstücke durchaus beachtlich, es hat wahrlich wunderbare Geräte, auch wenn der grosse Wurf fehlt, halt nichts da steht, was man nicht andernorts auch schon gesehen hat (und einiges fehlt, das vorab noch angekündigt gewesen war); wir wollen hier von einer Aufzählung absehen, man kann sich bis und mit 9. September ja selber ein Bild machen, falls man nicht von den hohen Eintrittspreisen abgeschreckt wird. Wir hätten ja auch gerne eine Bildergalerie aller Fahrzeuge gezeigt hier, doch das scheint nicht im Interesse des Veranstalters zu sein; es hätte so schön werden können…

Was der Veranstalter will, ist klar: Geld verdienen. Das ist verständlich, das ist schliesslich das Business der MCH Group (deren Business gerade nicht so gut läuft). 25’000 Franken kostet ein Platz für einen Aussteller, das ist so happig nicht, wenn man es mit anderen Messen vergleicht. Wenn man das dann hochrechnet, 100 Plätzchen à 25’000 Franken, das ergibt 2,5 Millionen Franken Umsatz. Da kommen vielleicht noch ein paar Sponsoren dazu, seien wir grosszügig, schätzen wir: 3 Milliönchen. Das ist so viel nicht, wenn man den Aufwand sieht, die riesige Ausstellungsfläche, das ganze Tamtam, die seltsam aufgeblasene Organisation. Und heuer gibt es eh kein Geld, die erste Ausgabe ist so eine Art Werbe-Spot, die schönsten Fahrzeuge kommen aus bekannten Sammlungen, die mit ihren guten Stücken vor allem Kosten verursachen. Allein die Versicherung…

Am Montag wurden einige der wichtigsten Sammler der Welt nach Basel eingeflogen, man verbrachte wohl einen netten Abend beim Dinner. Nun denn, diese Damen und meist Herren hatten sich schon am Wochenende davor in Pebble Beach getroffen, doch es ist aus Sicht des Organisators sicher wichtig, diese Herrschaften von dieser Messe zu überzeugen. Andererseits: eben, man kennt sich. Man weiss auch, was andere Sammler so haben. Man weiss ausserdem, was auf dem Markt ist und was wie viel kosten soll, da wird man sich direkt telephonisch und ganz diskret untereinander austauschen können. Das sind ja alles keine Nasenbohrer, sie kennen das Geschäft, sie verschachern auch ihre Grossmutter noch ein drittes Mal. Es mag solch ein Treffen vielleicht für die Kontaktpflege der Händler wichtig sein, dafür sind sie sicher auch bereit, sich bei der Grand Basel einzumieten, aber: trotzdem. Ob diese potenten Investoren auch dann nach Basel kommen, wenn ihnen nicht alles offeriert wird, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Und noch einen festen Termin der Klassiker-Agenda braucht irgendwie niemand, schon jetzt ist die Koordination zwischen Villa d’Este, Mille Miglia und dem Monaco Historic Grand Prix kaum mehr machbar, die Woche in Pebble Beach ist lang, zwei Mal Goodwood gehören auch dazu, Le Mans.

MCH hat für die Grand Basel auch seine Adresskartei geöffnet, es wurde die Stammkundschaft der Art Basel und der Uhrenmesse eingeladen. Auch das ist ein netter Versuch, die Absicht, ein neues Publikum für die alten Autos zu gewinnen, mag löblich sein. Aber ist es nicht wahrscheinlich so, dass auch diese Herrschaften schon wissen, wie der Hase läuft, sich selber, zum Beispiel auf diesem so langsam wachsenden und immer wichtiger werdenden Dings namens Internet, informieren können? Zu sehen war in Basel vor allem die Bussi-Gesellschaft, jene gebotoxten Damen samt sie alimentierenden Herren, die man auf jeder «Hundsverlochete» sieht, auf der es gratis angetrocknete Sandwiches und lauwarmen Weisswein gibt. Dies mag allenfalls Kundschaft sein für gepimpte Ferrari (die es in Basel auch gibt, siehe unten), aber wohl kaum für das ernsthafte Material.

Es ist eine Grundsatz-Frage, ob Messen heute noch zeitgemäss sind, eine Frage, die man sich auch in Genf, Frankfurt, Paris stellt. Ja, heisst es, im Unterschied zur zweidimensionalen Darstellung auf dem Bildschirm habe ein Salon noch den Erlebnis-Charakter, echte Ware, echte Menschen. Die Premium-Hersteller mögen auf den grossen Ausstellungen noch vertreten sein, doch sie investieren unterdessen auch viel Geld in andere Formen von Veranstaltungen, Pebble Beach und andere haben wir schon genannt, in Goodwood gibt es wohl ähnlich viele Weltpremieren wie auf der Mondial in Paris im Oktober, BMW hat sich Villa d’Este schon vor Jahren unter den Nagel gerissen. Der Vorteil dieser Events ist: es passiert etwas, man kann die Fahrzeuge hören, es riecht auch noch nach Benzin und Gummi – die Automobile tun manchmal sogar das, was sie sollen, nämlich: fahren. So hübsch die Fahrzeuge in Basel auch präsentiert werden: Es hat halt trotzdem diesen Museums-Mief. Zeitgemäss ist anders.

Ach ja, ein kleines Anekdötchen über die drei Fahrzeuge oben gibt es auch noch lesen, hier.

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