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Fahrbericht Citroën C5 Aircross

take the long way home

Viel hat sich verändert bei Citroën in den vergangenen vier Jahren, seit PSA die Neuausrichtung seiner Marken beschlossen hatte. Das hat sich anscheinend auch ausgezahlt, heuer wird es zum 5. Mal in Folge ein Jahr des Wachstums geben, bis Ende Oktober haben die Franzosen 591’000 Autos verkauft, 3,5 Prozent mehr als noch im Vorjahr. So richtig gut laufen der C3 (420’000 Exemplare in weniger als 24 Monaten) und auch der C3 Aircross, von dem innert eines Jahres über 120’000 Stück abgesetzt werden konnten. Diese Zahlen bestätigen Citroën, den richtigen Weg gewählt zu haben, wieder mehr Avantgarde, ein ganz eigenes Profil. Das wichtigste Stichwort heisst: Komfort. Und das ziehen sie auch beim nicht mehr ganz so neuen C5 Aircross gnadenlos weiter; nicht so neu deshalb, weil dieses Fahrzeug in China schon seit einem Jahr erhältlich ist und dort bereits 50’000 Käufer gefunden hat.

Es sind verschiedene Komponenten, die den «Advanced Comfort» von Citroën ausmachen. In den Genen der Franzosen findet sich selbstverständlich das komfortabel ausgelegte Fahrwerk, das mit den zwei hydraulischen Anschlägen in Federung und Dämpfung über eine technisch relativ simple, aber doch erstaunlich gut funktionierende Lösung verfügt: auch der C5 Aircross steckt Fahrbahnunebenheiten und Schläge sehr gut weg, auf einem ähnlichen Niveau wie eine (viel teurere) Luftfederung. Während wir das aber im C4 Cactus (Test folgt) noch sehr zu schätzen wussten, ist es im C5 Aircross vielleicht etwas zu viel; der hohe Aufbau neigt dann schon sehr zu Wankbewegungen. Und leider gibt die Lenkung auch nicht wirklich viel Rückmeldung – es fühlt sich das alles etwas schwammig an. Eine interessante Beobachtung machten wir aber auf unseren ersten Probefahrten im Hohen Atlas: beim Diesel merkt man das viel weniger. Was wohl damit zusammenhängt, dass der Selbstzünder schon deutlich mehr Gewicht auf die Vorderachse bringt. Dieser Diesel allerdings versieht seinen Dienst erstaunlich gut hörbar – was dann wiederum nicht so sehr zu einem weiteren «Advanced Comfort»-Merkmal, der verfeinerten Akustik, passt.

Was aber wieder ausgezeichnet passt, das ist der Sitz-Komfort. Das Citroën-Gestühl verfügt über einen Schaum, der die Passagiere etwas tiefer einsinken lässt. Das fühlt sich wirklich gut an, es ist bequem (auch auf längeren Strecken), der Seitenhalt ist gut – und es sieht auch noch gut aus (nicht der Schaum, aber die Sitze). Überhaupt gefallen die verschiedenen Möglichkeiten der Innenausstattung, das ist Schöner Wohnen, ohne deswegen gleich kitschig zu wirken. Im Bestreben, sich bei der Gestaltung des Armaturenbretts deutlich von der Konzern-Schwester Peugeot zu unterscheiden, ist das Design von Cockpit, Touchscreen und auch Mittelkonsole vielleicht etwas gar linear ausgefallen, Zuwendung hin zum Piloten findet nicht statt. Selbstverständlich gibt es alles an Connectivity, was es heute braucht (oder auch nicht so), 20 Assistenzsysteme können auch noch verbaut werden, die Aufzählung langweilt nur.

Wir wollen nochmals auf die Sitze zurückkommen, buchstäblich, nämlich: die hinteren. Dort gibt es nämlich gleich drei Einzelsitze, nicht sehr ausladend jeder, aber sofern man nicht im grob adipösen Bereich unterwegs ist, reist man auch dort bequem. Sie lassen sich einzeln verschieben um bis zu 15 Zentimeter, auch der Winkel der Lehne lässt sich einstellen. Eine ziemlich clevere Lösung, die wir so bisher noch bei keinem anderen Fahrzeug gesehen haben; einen Siebensitzer wird es vom C5 Aircross nicht geben. Viele Gedanken haben sich die Franzosen auch zum Kofferraum gemacht – und geben dem Fahrzeug, auch dank der Verlängerung des Radstandes auf 2,73 Meter, deshalb reichlich Stauraum mit auf den Weg. 580 Liter sind es, wenn die Sitze ganz hinten sind, 720 Liter, wenn sie ganz nach vorne geschoben werden (dann bleibt allerdings nicht mehr viel Knieraum). Und werden sie abgelegt, dann kommen stolze 1630 Liter Volumen zusammen – nicht so schlecht für ein 4,5 Meter langes und 1,65 Meter hohes Fahrzeug im C-Segment. Allerdings: die Ladekante ist relativ hoch, viel höher als bei einem MPV, einst eine Stärke von Citroën.

Gefahren sind wir die beiden (momentan) stärksten Motorisierungen, ein Diesel und ein Benziner mit jeweils 180 PS, die ihre Kraft über eine neue 8-Gang-Automatik an die Vorderräder abgeben; nein, Allradantrieb wird es nicht geben, nicht einmal beim angekündigten Plug-in-Hybrid, der im nächsten Sommer mit 225 PS Systemleistung und 60 Kilometern rein elektrischer Reichweite auf den Markt kommen wird. In der Basis, also mit dem 130-PS-Benziner und manuellem Getriebe, ist der C5 Aircross schon 1,5 Tonnen schwer; mit dem grossen Diesel sind es dann wohl mehr so in Richtung 1,7 Tonnen (die offiziellen Gewichtsangaben reichen, verstehe es, wer kann, von 1479 bis 1758 Kilo), doch damit kennt der Selbstzünder mit seinen 400 Nm maximalem Drehmoment bei 2000/min nun wahrlich keine Mühe (8,6 Sekunden von 0 auf 100, 211 km/h Höchstgeschwindigkeit). Auch der Benziner macht seine Sache gut, ist noch etwas agiler, auch ruhiger – bei beiden Motorisierungen ist auch der Automat zu loben, nicht so nervös wie andere 8-Gänger, die Schaltvorgänge sind angenehm sanft. Citroën gibt den durchschnittlichen Verbrauch des 180-PS-Diesel mit 4,9 Litern an; aus eigener Erfahrung mit dem gleich motorisierten Peugeot 508 (Test folgt) wissen wir, dass dieser Wert nicht ins Reich der Phantasie gehört. Offroad, tja, ist halt ein reiner Fronttriebler, aber die 23 Zentimeter Bodenfreiheit machen so einiges möglich.

Aber eigentlich geht es ja auch gar nicht um Zahlenspiele, oder, halt, doch noch dieses: der Basispreis für den Citroën C5 Aircross liegt beim 26’400 Franken, mit der besten Ausstattung kostet der grosse Diesel dann 42’800 Franken. Das erscheint uns als fair. Als interessant erscheint uns die Gesinnung hinter diesem Fahrzeug, diese neue Strategie von Citroën. Es geht um: Gelassenheit. Ja, das fährt sich ja ganz nett, der Wagen kann alles, was ein modernes Fahrzeug können muss, doch vor allem will (und kann) er vermitteln: nur kein Stress. Geniess es. Take the long way home. Es könnte dies eine neue Form von Statussymbol sein, weil der Franzose kein Statussymbol sein will, sondern einfach ein cleveres, flexibles, komfortables Automobil. Viel hat sich verändert bei Citroën in den vergangenen vier Jahren…

Mehr Citroën haben wir in unserem Archiv.

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