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Fiat Abarth 500/595/695

Grossartige Zwerge

Die Erfolgsgeschichte von Abarth ist unabdingbar mit dem Fiat 500 verbunden. Dabei war es am Anfang ziemlich schwierig: Weil der 500er sich zu Beginn bei weitem nicht so gut verkaufte wie von der Fiat-Plüschetage berechnet (oder zumindest: erhofft), war auch die quasi unmittelbar nach der Vorstellung des Standard-Modells 1957 erhältliche Abarth-Variante kein Erfolg. Das Publikum sah vor allem den happigen Aufpreis: Ein Fiat 500 kostete 457’000 Lire, der Abarth satte 539’450 Lire. Eigentlich war er ja ein Schnäppchen, denn anstatt der müden 13,5 PS des Fiat gab es anständige 21,5 PS – was den Preis locker gerechtfertigt hätte.

 

Doch Carlo Abarth hatte noch einen Trumpf im Ärmel, einen, den er sowieso gerne spielte: Rekorde. Vom 13. bis 20. Februar 1958 spulte ein Fiat 500 Abarth in Monza satte 18’186 Kilometer ab, was einem Schnitt von 108.52 km/h entsprach – nicht so schlecht für den Winzling. Diese grossartige Leistung veränderte das Verhältnis zwischen Fiat und Abarth sofort – «der Magier» hatte danach direkten Zugang zu dem Fiat-Oberen, es heisst, dass Fiat jeweils am Montag Cash bezahlte für jeden Rennerfolg, den die Skorpione am Wochenende eingefahren hatten.

Zwar war Carlo Abarth nicht untätig, doch es dauerte doch bis 1963, bis endlich wieder etwas geschah mit dem 500er. Aber dann ging es Schlag auf Schlag. Zuerst kam im September 1963 der 595, also mehr Hubraum und folglich auch mehr Leistung, 27 PS. Diese Geräte waren sehr erfolgreich, innerhalb von vier Monaten waren die 1000 Stück, die für die Homologation nötig waren, gebaut und verkauft. Dann gab es den 595 SS, der es zuerst auf 32 PS, dann, mit dem Solex-34-PBIC-Vergaser, sogar auf 34 PS brachte. Und schliesslich wurde noch der 695 nachgereicht, zuerst einfach mit mehr Hubraum und gleicher Leistung, doch dann auch als 695 SS mit 38 PS. Ach ja, wir sprechen von etwa 500 Kilo. Das war dann aber schon Arbeit: scharfe Nockenwelle, höhere Verdichtung (10,5:1), polierte Kanäle, grosse Ölwanne.

 

Das Problem ist so ein bisschen, ganz besonders heute: es gab insgesamt 12 Derivate der Abarth 500, 595 und 695. Schmale Spur, breite Spur, SS oder nicht, «Assetto Corsa» gab es auch noch. Und weil viele dieser Abarth (relativ günstige) Rennwagen waren, gingen auch viele in die Streckenbegrenzungen. Oder auch für immer von dannen. Echte Renn-Abarth mit echter Geschichte sind sehr selten – und entsprechend teuer. Doch auch das ist relativ. Dazu kommt noch die schöne Geschichte mit den legendären Holzkisten: das komplette Umbau-Kit wurde in diesen Kisten an ausgesuchte Abarth-Händler verschickt, die dann die Fiat-Winzlinge in die grossartigen Renn-Zwerge verwandelten. Die allerdings oft vor allem als Café-Racer verwendet wurden. (Wir zeigen hier zuerst einen 595 SS (für dessen Echtheit wir uns jetzt nicht verbürgen wollten):

Und dann selbstverständlich auch noch einen 695 SS. Vorgestellt worden war er, zusammen mit dem 595 SS, am 28. Februar 1970 bei der 4. Turiner Rennwagen-Ausstellung im Museo dell’Automobile «Carlo Biscaretti di Ruffia». Beide Modelle beeindruckten durch eine deutlich breitere Spur (595: 1405 Millimeter; 695: 1435 Millimeter) und den in rot gehaltenen Kotflügelverbreiterungen. Gleich beim ersten Auftritt beim 4-Stunden-Rennen des «Jolly Club» in Monza gab es zwei Klassensiege, Marco Magri gewann mit einen 595, Angelo Mola mit einem 695.

Mehr Abarth gibt es in unserem Archiv. Und dann haben wir ja auch noch die grosse Abarth-Story (die wir gerade wieder schön gemacht haben). Und das alles ist Teil unserer Festivitäten zum 70. Geburtstag von Abarth.

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