Zum Inhalt springen

Triumph Scrambler 1200 XE

Steve McQueen…

Marketingmässig lässt die Scrambler von Triumph die Konkurrenz vor Neid erblassen. Wer sonst kann schon ohne jegliche Sponsoring-Millionen eine Hollywood-Ikone wie Steve McQueen als Modell-Botschafter ins Feld führen. Ein einziger Glücksfall. Der passionierte Motorrad- und Hobby-Rennfahrer ging 1964 für das US-Team mit einem Scrambler-Modell von Triumph an den Start des «International Six Days Trial», der inoffiziellen Motocross-WM. Brisant: Das Rennen fand in Thüringen, also in der damaligen DDR statt. Es war das erste US-Team überhaupt an einem Sportanlass im Ostblock. Das Bild von Steve McQueen mit offenem Helm, Zigarette im Mundwinkel hinter dem breiten Lenker der Triumph TR 6 SC mit der verschlammten Startnummer 278 ist legendär. Drei Jahre zuvor hat er bereits auf einer als Wehrmacht-BMW getarnten Scrambler von Triumph Filmgeschichtegeschichte geschrieben, als er in «Gesprengte Ketten» («The Great Escape») über die Felder donnert und sich mit einem halsbrecherischen Sprung über den Grenzzaun in die Schweiz retten will. Diesen legendären Stunt machte übrigens McQueens Freund Ed Bukins, der ebenfalls im US-Team durch den Thüringer Wald donnerte. Auch dort scheiterten die beiden sturzbedingt. Für das schlammige Gelände waren ihre grossen Maschinen schlicht zu schwer und den kleinen MZ-Zweitakter-Maschinen des Siegerteams aus der DDR klar unterlegen.

Bis in die Sechzigerjahre gab es für den Ritt abseits der Strasse noch keine eigentlichen Motocross-Maschinen. Um den Hügel auf zwei Rädern «hochzukraxeln» (Engl. to scramble) wurden den normalen Strassen-Modellen Stollenreifen aufgezogen, mit einem breiten Lenker, längeren Federelementen versehen und das Frontschutzblech sowie die Auspuffrohren nach oben verlegt. Alle grossen Hersteller brachten in der Folge sogenannte Scrambler-Modelle auf den Markt. An diese grosse Ära knüpfte Triumph bereits 2006 mit einer schmucken Scrambler-Version auf Basis der Retro-Bonneville 900 an. Doch während sich diese vor allem auf die optischen Reminiszenzen konzentrierte, will Triumph bei der neuen Scrambler 1200 Schein und Sein so nahe wie bei keiner anderen modernen Scrambler zusammenbringen. Sprich, insbesondere die XE-Ausführung wurde mit viel Offroader-Hightech ausgestattet. Klar, mit einem Gewicht von 226 Kilogramm sind gewisse natürliche Limiten gesetzt, doch versprechen der Federweg von 250 Millimetern, die Sitzhöhe von 870 Millimetern, die sechs Fahrmodi (inkl. «Offroad» und «Offroad-Pro»), das Fahrwerk von Öhlins und Showa sowie die Bremsen von Brembo viel Bewegungsfreiheit abseits der Strasse.

Überraschend viel Spass auf und neben dem Asphalt macht im Übrigen der 1200er-Twin-Motor, der mit der neuen T120-Bonneville lanciert wurde, dort aber mit seinen 80 PS einen eher behäbigen Eindruck hinterlässt. Ganz anders bei der Scrambler, wo der Zweizylinder mit zusätzlichen 10 PS deutlich spritziger und mit einem kecken Staccato-Sound daherkommt. Durchzugsstark und behände geht es damit die Passstrasse hoch. Gleichzeitig hält die 1200er aber auch Fernreisende auf langen Autobahnfahrten gepaart mit Tempomat entspannt auf Kurs. Dazu gibt’s alle üblichen elektronischen Sicherheitshelfer, ein modernes TF-Instrumentendisplay und viel Liebe zum Design-Detail. Die neue Scrambler ist eine echte Bereicherung der Triumph Retro-Flotte und dem McQueen Nimbus durchaus würdig.

Triumph Scramber 1200 XE
Motor: Paralleltwin, flüssigkeitsgekühlt


Hubraum: 1200 ccm
Leistung: 66,2 kW / 90 PS
Drehmoment: 110 Nm / 3950 U/min
Sitzhöhe: 870 mm
Gewicht fahrfertig vollgetankt: 226 kg
Testverbrauch: 5,2 l/100 km/h
Preis: ab Fr. 16 140.- (XC ab 15‘040.-)

Wir danken Daniel Huber für diesen Text. Mehr Motorrad gibt es in unserem Archiv.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.