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Alfa Romeo Grand Prix Tipo P2

Weltmeister!

Dem P1 war kein Erfolg beschieden. Vielleicht hätte auch der erste Versuch von Alfa Romeo, einen reinen Rennwagen zu bauen, Siege einfahren können, doch weil Ugo Sivocci im Training zum Grossen Preis von Italien am 8. September 1923 tödlich verunglückte, zog Alfa Romeo das ganze Team zurück, der eigentlich als G.P.R. bezeichnete Wagen wurde weggestellt. Die Konstruktion von Giuseppe Merosi war durchaus spannend, ein 2-Liter-Reihensechszylinder mit Doppelzündung, der es auf 95 PS bei 5000/min brachte; später erhielt diese Maschine auch noch einen Kompressor, wurde aber nicht mehr eingesetzt.

Denn noch 1923 hatte Alfa Romeo einen jungen Ingenieur eingestellt, Vittorio Jano. Wobei, die Geschichte ist etwas komplizierter: Anfang der 20er Jahre dominierte Fiat die noch kleine Grand-Prix-Szene. 1923 konnte aber Sunbeam den damals wichtigsten Lauf, den Grossen Preis von Frankreich, gewinnen – mit einer relativ simplen Kopie des Fiat 804, die den Engländern von vormaligen Fiat-Konstrukteur Vicenzo Bertarione gebaut worden war. Alfa Romeo wollte den gleichen Weg gehen, warb bei Fiat Luigi Bazzi ab, doch der meinte, dass Vittorio Jano eigentlich der richtige Mann sei. Also fuhr zuerst der damalige Alfa-Romeo-Rennleiter Enzo Ferrari nach Turin, wenig später auch noch Odoardo Fucito, der stellvertretende Geschäftsführer – und Jano akzeptierte das Angebot. Auch er folgte in erster Linie den Vorgaben von Fiat, doch er konstruierte zudem einen komplett neuen Motor, wieder 2 Liter Hubraum, doch diesmal als Reihen-Achtzylinder mit Kompressor. Die erste Version mit einem Memini-Vergaser kam auf 134 PS bei 5200/min, ein Doppelvergaser steigerte die Leistung dann aber schon bald auf 155 PS bei 5500/min. Geschaltet wurde über ein 4-Gang-Getriebe, das direkt an den Motor angeflanscht war.

Am 9. Juni 1924 erlebte der P2 getaufte Wagen seine Premiere in Cremona. Antonio Ascari gewann locker, auf der Geraden wurde der Alfa Romeo mit mit 196 km/h gemessen. Im August 1924 reiste das Team mit vier Fahrzeugen (insgesamt wurden sechs Exemplare gebaut) zum Grossen Preis von Europa in Frankreich, der südlich von Lyon auf einer 23 Kilometer langen Strecke ausgetragen wurde, die aus öffentlichen Strassen bestand. Gemeldet waren Ascari, Giuseppe Ascari, der französische Routinier Louis Wagner und Enzo Ferrari, wobei letzterer dann nicht antrat, weil er krank war. Ascari führte das Rennen bis drei Runden vor Schluss an, doch dann musste er seinen P2 mit einem Motorschaden in der Box stehen lassen. Mit über einer Minute Vorsprung gewann dafür Campari das Rennen, das über sieben Stunden gedauert hatte. Dafür gewann Ascari dann den Grossen Preis von Italien in Monza.

Die Saison 1925, für die die International Association of Recognised Automobile Clubs (AIACR) zum ersten Mal einen Weltmeister-Titel ausrief, begann wieder bestens. Zwar war der P2 bei ersten Rennen, den 500 Meilen von Indianapolis, nicht dabei, doch Ascari gewann vor Campari den Grossen Pries von Europa, der in Spa ausgetragen wurde. Auch beim Grossen Preis von Frankreich in Montlhery lag Ascari souverän in Front, als er bei leichtem Regen von der Strecke abkam – und noch am Unfallort verstarb. Alfa Romeo zog sein Team aus Respekt vor dem grossen Piloten sofort zurück. Das entscheidende Rennen fand dann in Monza statt und konnte von Graf Brilli-Peri (der immer eine Trillerpfeife im Mund trug, um langsamere Konkurrenten zu waren) vor Campari, beide auf einem P2, gewonnen werden. Alfa Romeo gewann so seinen ersten Weltmeister-Titel.

Obwohl sich die Reglemente dauernd änderten, hatte der P2 noch eine lange Renn-Karriere. 1929 wurde ein junger Motorrad-Rennfahrer namens Achille Varzi auf dem P2, den Giuseppe Campari 1926 vom Werk gekauft hatte, Meister in Italien. Auch im Werk – dort hiess das Renn-Team unterdessen Scuderia Ferrari – war man nicht untätig gewesen, der Motor erhielt etwas mehr Hubraum, der Kompressor wurde zwischen Vergaser und Motorblock eingebaut, die Leistung stieg auf 175 PS bei 5500/min. Auch am Chassis gab es Veränderung, die Spur wurde breiter, die Hinterachse stammt aus dem 6C 1750. 1930 verkaufte Varzi seinen P2 an Alfa, damit sein Wagen ebenfalls von all diesen Neuerungen profitieren konnte – und trat dann als Werkspilot bei der Targa Florio an. Obwohl man sich nicht viele Chancen gegen Bugatti ausrechnete – die Franzosen hatten davor fünf Mal in Folge gewonnen auf Sizilien -, ging Varzi bald in Führung. Doch dann brach ihm das auf dem Heck montierte Ersatzrad weg und schlug ein Loch in den Tank. Sein Beifahrer Tacacchi hatte aber ein Fässchen Benzin dabei, pumpte von Hand frischen Treibstoff – bis das Heck zu brennen begann. Also musste er mit dem Sitzkissen einerseits den Brand bekämpfen und andererseits für die Benzinversorgung sorgen: Varzi fuhr weiter mit Vollgas – und konnte nach über sieben Stunden Fahrzeit den letzten Sieg für den Alfa Romeo P2 nach Hause fahren.

Der hier gezeigte P2 steht im Centro Storico von Alfa Romeo in Arese, das unbedingt einen Besuch wert ist. Mehr Alfa Romeo finden sich in unserem Archiv. Es wird dann auch noch ein Inhaltsverzeichnis geben zu all den Stories, die wir im Rahmen von «110 Jahre Alfa Romeo» verfasst haben.

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