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Julien MM5

Zu gut

Maurice A. Julien hatte einen nicht unerheblichen Teil zur Konstruktion des Citroën Traction Avant beigetragen. Noch im 2. Weltkrieg begann er sich mit Kleinstwagen zu beschäftigen, für die er nach dem Krieg einen grossen Markt voraussah, doch er wollte keine Primitiv-Konstruktion auf die Räder stellen, sondern ein zwar kleines, auch günstiges, aber doch qualitativ anständiges Vehikel. Was er 1946 auf dem Salon in Paris als Prototyp zeigte, war eine sehr ansprechende Konstruktion mit einer selbsttragenden Karosserie aus Stahl. Das Gefährt hatte nur einen Fehler: es wäre in der Herstellung viel zu teuer geworden.

Also baute Julien noch einmal um, vereinfachte, konstruierte eine starre Schmalspur-Hinterachse, die an Blattfedern aufgehängt war: die vorderen Räder waren unabhängig an querliegenden Blattfedern montiert. Als Antrieb diente ein Einzylinder-Viertakter mit 0,325 Liter Hubraum, der elastisch aufgehängt war und es auf beachtliche 10 PS brachte; geschaltet wurde über ein angeblocktes Dreigang-Getriebe, eine Kette brachte die Kraft an die Hinterachse. Es war eine auch optisch hübsche Konstruktion, ein Cabrio mit Steckscheiben, die Fronthaube liess sich weit öffnen, damit Gepäck untergebracht werden konnte, auch das Heck liess sich nach oben klappen, damit der Antrieb gut zugänglich war. Julien zog eine ganz ansehnliche Manufaktur auf, der MM5 wurde auch relativ gut verkauft, doch das Projekt rechnete sich trotzdem nicht – das Fahrzeug war schlicht zu gut für seinen Preis. Die Franzosen versuchten es noch mit dem MM7, der wie ein moderner Kleinwagen aussah, doch schon 1949 war endgültig Schluss.

Dieser Julien MM5 gehörte einst zur Sammlung von Bruce Weiner und wurde 2013 für fast 55’000 Dollar versteigert – es ist leider nicht bekannt, wie viele dieser Fahrzeuge noch existieren. Mehr von diesen Kleinstwagen gibt es in unserer Serie: Microcars.

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