Zurück zum Content

Der erste Porsche 911 (930) Turbo

Viele Fragezeichen

Es ist dies eine Geschichte mit vielen Fragezeichen. Gerne würden wir das klären – und bitten deshalb um Schwarm-Wissen. Gerne nehmen wir also Informationen und Bilder entgegen, das geht auch unter vier Augen: ruch@pruductions.ch.

Erfunden hat den Turbolader der Schweizer Alfred Büchi (geboren 1879, verstorben 1959), der 1905 ein Patent auf den Abgasturbolader anmeldete (CH 35 259 A); der erste Motor entstand 1911. Erst 1962 hat General Motors dann aber das erste Serienfahrzeug mit einem Turbo-Motor befeuert, den Oldsmobile Jetfire. Aber es war Porsche, wo man Anfang der 70er Jahre intensiv mit einem Turbo für den Rennsport experimentierte, 1971 mit dem 917/10, der dann ab 1972 mit 1000 PS in der CanAm-Serie antrat. Schon zu diesem Zeitpunkt wusste man in Stuttgart anscheinend, dass die FIA auch für Tourenwagen neue Reglemente für den Einsatz dieser Lader vorbereitete – und man wollte in diesem Spiel von Anfang an ganz vorne dabei sein. Erste Versuche wurden mit einem aufgeladenen 2,8-Liter-Motor aus und in einem 911 Carrera RSR 2.8 gefahren, das war wohl noch 1972. Im Oktober 1973 stand in Paris auf dem Auto-Salon der Prototyp des Porsche 911 Turbo. Dass BMW den 2002 Turbo schon kurz vorher – im September – serienreif auf den Markt brachte, war ziemlich penibel, da hatte man in Stuttgart schlicht und einfach geschlafen. Das Fahrzeug, das in Paris stand, war dann auch noch eine ganz besondere Nummer. Es verfügte nämlich gar nicht über einen Motor, da lag im Heck nur ein Holzklotz – und das war dann auch 1974 noch so, auf den Salons von Genf, Frankfurt, Tokio und Melbourne. Der Wagen selber, wahrscheinlich ein 72er 911 S mit der Chassis-Nummer 9113300157 (das mit der Chassis-Nummer gilt als sicher), wurde mit Anbau-Teilen des für den Modelljahrgang 1974 geplanten Carrera RS/RSR 3.0 versehen, unter anderem mit dem flachen Heckflügel, der Walschwanzflosse. Und einigen Teilen aus dem 917, etwa den Bremsen.

So weit, vielleicht gut. Es heisst, dass dieser Prototyp nach seiner Tournee rund um die Welt dann 1975 mit einem Motor aus dem RSR 3.0 versehen und an den australischen Porsche-Importeur Alan Hamilton verkauft wurde. Der soll ihn bei zwei Rennen gefahren, ihn dann weggestellt haben; 2010 tauchte das Fahrzeug dann in Amerika auf, bei einem gewissen Murray Smith, der etwas gar intensiv versuchte, das Ding zu verschachern. Andere Quellen sind der Überzeugung, dass 9113300157 zum Rechtslenker umgebaut wurde – und in den Händen von Graham Stockley und Matthew Stoupas noch eine lange Karriere als Rennwagen «down under» hatte. Und dann ist da auch noch eine ganz andere Spur: John Starkey, sicher einer der besten Kenner der Materie, ist der Überzeugung, dass es sich bei diesem Fahrzeug auch um Chassisnummer 9114609017 handelt, den ersten Carrera RS 3.0. Der dann folglich nachträglich umnummeriert worden wäre. Wie erwähnt: Wir würden gerne Genaueres wissen. Mehr Porsche haben wir in unserem Archiv.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.