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Bugatti Type 101

Der Letzte seiner Art

Es waren schwierige Zeiten nach dem Ende des 2. Weltkriegs, nicht nur für Bugatti. Wobei Bugatti schon vor dem Krieg Schwierigkeiten hatte, 1938 einen gewaltigen Verlust schrieb, 1939 dann zwar noch ein letztes Mal die 24 Stunden von Le Mans gewann, doch als kurz darauf Jean Bugatti, Sohn von Ettore und designierter Nachfolger, bei einem Verkehrsunfall starb, nahm das Schicksal seinen Lauf. Zwar kündigte Ettore Bugatti 1946 dann die Wiederaufnahme der Produktion an, er hatte dafür auch ein neues Modell, den Type 73 mit einem 1,8-Liter-Vierzylinder, aus dem Hut gezaubert, doch es wurde nur gerade ein Prototyp gebaut, zu gering waren die finanziellen Ressourcen, zu unklar die Besitzverhältnisse in Molsheim. Dann aber verstarb der grosse Meister, der Pferde wohl mehr schätzte als Menschen, am 21. August 1947 in Paris.

Nach dem Tod von Ettore Bugatti übernahm zuerst der ehemalige Rennfahrer Pierre Marco die Leitung der Firma, gab sie aber bald schon an Roland Bugatti, den zweiten Sohn von Ettore, weiter. Unter dessen Führung wurde in Molsheim ein neues Modell in Angriff genommen, der Type 101 – der aber eigentlich gar nicht neu war. Denn unter dem Blech steckte eigentlich ein Type 57 (der schon 1934 auf den Markt gekommen war), Chassis (samt vorderer Starrachse) und Motor (der 3,3-Liter-Achtzylinder) wurden quasi unverändert übernommen. Die wichtigsten Verbesserungen betrafen die stärkeren Bremsen und die Weber-Fallstromvergaser.

So schillernd der Name Bugatti auch weiterhin war, so kläglich verliefen die Versuche, das neue Automobil zu verkaufen: nur gerade sechs Chassis wurden produziert. Da ist der Prototyp (Chassisnummer 101.500) mit einer Karosserie von Louis Lucien Lepoix (befindet sich heute in der Collection Schlumpf), dazu kommen zwei Gangloff-Cabrios (101.501 und 101.503), ein so genannter Coach von Guilloré (101.502), der Exner-Roadster (101.506 – das Chassis blieb bis 1961 im Werk, wurde dann an den ehemaligen Chrysler-Chefdesigner Virgil Exner verkauft, der es in Zusammenarbeit mit Ghia neu aufbaute und 1965 vorstellte) – und schliesslich das Antem-Coupé (101.504), das wir hier vorstellen. Und falls jemand genau mitgezählt hat: Nein, die Chassisnummer 101.505 existiert nicht.

Mit Ausnahme des (viel später vorgestellten) Exner-Roadster ist das Antem-Coupé der einzige Type 101, der modern aussieht. Mit dem Radstand von stolzen 3,3 Metern, der ewig langen Motorhaube und dem kuppelartig aufgebauten Passagierraum wirkt dieser Type 101, der zusammen mit einem Gangloff-Cabrio 1951 auf dem Paris Salon vorgestellt wurde, sicher so aussergewöhnlich, wie man das von einem Bugatti erwarten wollte. Eines der Probleme war: mit dem Achtzylinder kam der Type 101 in die höchste französische Steuerklasse, was seinen Preis in exorbitante Höhen trieb. Wohl deshalb konnte 101.504 zuerst nicht verkauft werden – und wurde vom René Bolloré, dem neuen Ehemann der Witwe von Ettore Bugatti, Geneviève Delcluze, gefahren. 1958 wurde der Wagen von damaligen US-Importeur Gene Cesari nach New York gebracht, dort an Robert C. Stanley verkauft. Nächster Besitzer war dann Bill Harah, danach gab es ein französisches Zwischenspiel bei Jacques Harguindeguy, es folgte Schauspieler Nicolas Cage (der auch einmal eine aussergewöhnliche Sammlung besass), schliesslich Gene Ponder. 2011 versteigerte RM Sotheby’s diesen Bugatti Type 101 für doch relativ bescheidene 616’000 Dollar, nachdem er 2007 schon einmal für 990’000 Dollar zugeschlagen worden war.

Mehr Bugatti haben wir in unserem Archiv.

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