Das Schnittchen
Selbstverständlich wollte Carlo Abarth auch seinen Anteil am Kuchen. Er sah ja, wie reichlich das Geld aus den USA nach Maranello floss, davon hätte er auch gern etwas davon gehabt. Nun hatte Abarth aber keine V12 im Angebot, also war die Überlegung: Design. Auf Basis des Fiat 1100 bestellte er bei Felice Mario Boano einen Spyder (208 A) und ein Coupé (209 A), die wilde, von den amerikanischen «Dream Cars» der 50er Jahre inspirierte Karosserien trugen. Erstmals gezeigt wurden die beiden Modelle 1954 auf der Motor Show in Turin. Es könnte auch sein, dass 208 A und 209 A erst 1955 in Turin standen, zusammen mit 207 A (mehr dazu weiter unten), aber es scheint tatsächlich so gewesen zu sein, dass 208/209 vor 207 vorgestellt wurden.



Abarth hatte mit Tony Pompeo einen rührigen Importeur in New York, zwar nicht ganz so umtriebig und gut vernetzt wie Ferrari-Händler Luigi Chinetti, doch anscheinend hatte Pompeo ebenfalls beste Beziehungen zu den besten Kreisen. Denn er konnte diverse Rennzwerge an Franklin Delano Roosevelt Jr., den Sohn des ehemaligen amerikanischen Präsidenten, verkaufen, auch gingen wohl alle 10 Exemplare des 207 A durch seine Hände – und diesen einmaligen Abarth 208 A, den wir hier zeigen, verschacherte er an zwei Brüder aus der unendlich reichen DuPont-Dynastie. Nach ein paar Jahren verkauften diese den Wagen an einen Freund, der ihn wiederum 1973 an Bill Hale verschenkte, der als Flugzeug-Mechaniker für die DuPonts gearbeitet hatte, den Abarth also von früher kannte.















Mehr als 40 Jahre behielt Hale den Boano-Sypder, pflegte ihn bestens – und zeigte ihn kaum je in der Öffentlichkeit. 2007 wurde er trotzdem vom Sammler Elad Sharga entdeckt, der Hale überzeugte, ihm den Abarth zu verkaufen. Sharga wollte 208 A dann komplett restaurieren, merkte aber schnell, dass es kaum etwas zu machen gab. Erst der nächste Besitzer spendierte dem Wagen schliesslich eine neue Lackierung, selbstverständlich in den originalen Farben. So richtig viel bewegt wurde das Fahrzeug aber nie, man darf davon ausgehen, dass die etwas mehr als 36’000 Kilometer alles sind, was der winzige Italiener bisher geschafft hat. Dabei dürfte er einiges an Fahrspass bieten, nach der Abarth-Kur sollen die Fiat-Motoren auf bis zu 70 PS gekommen sein. Nun sucht der Abarth 208 A über «Private Sales» von RM Sotheby’s einen neuen Besitzer, eine Preisangabe gibt es nicht.






Dann: RM Sotheby’s, Paris 2025, Schätzpreis 550’000 bis 650’000 Euro – nicht verkauft.


























Und damit die Geschichte rund wird, zeigen wir selbstverständlich auch noch 209 A, der heute im wunderbaren Louwman-Museum steht.

Weil das Interesse an den Einzelstücken eher mässig war, durfte Boano noch eine Renn-Version des Spyder nachliefern (207 A), von der immerhin 10 Stück abgesetzt werden konnten. Diese waren auf der Rennstrecke mässig erfolgreich, zwar kam so ein 207 A bei seinem ersten Auftritt bei den 12 Stunden von Sebring 1955 auf den zweiten Rang in seiner Klasse, wurde aber nachträglich disqualifiziert. (Und hier sehen wir nun ein Problem: Die Turin Auto Show, auf der der 207 A offiziell vorgestellt wurde, fand 1955 zwischen dem 20. April und dem 1. Mai statt – die 12 Stunden von Sebring aber schon am 13. März). Das Fahrzeug, das wir unten zeigen, trägt die Chassis-Nummer #011 (von 10 gebauten…) – und stand lange in der Maranello Rosso Collection. RM Sotheby’s versteigert diesen Abarth 207 A in Mailand 2025, erwartet werden 250’000 bis 300’000 Euro.



























Wir haben ganz viele Abarth-Geschichten, den besten Überblick gibt es: hier.


Ich kannte den Wagen nicht. Er sieht aus, wie ein amerikanisches Showmobil aus jenen Tagen, nur in sehr sehr klein. Wie kam Herr Abarth darauf, dass die Amis so etwas mögen?
Der Nash Metropolitan hatte ein paar Jahre später auch recht großen Erfolg.
Hätte klappen können – schade.