Mehr ist besser
In China, dem grössten und wichtigsten Auto-Markt der Welt, sind REEV, also Range Extender Electric Vehicles, also E-Autos mit einem zusätzlichen Benzin-Motor zur Vergrösserung der Reichweite, seit etwa zwei Jahren das grosse Ding. Das hat viel mit der chinesischen Gesetzgebung zu tun: In vielen Innenstädten darf man nur rein elektrisch fahren. Und es gibt Steuererleichterungen für Fahrzeuge, die mehr als 100 Kilometer ausschliesslich mit Strom fahren können. Nun sind das keine Punkte, die aktuell zählen in der Schweiz oder Europa. Doch wer öfter ins Ausland fährt, etwa nach Deutschland, wo für diverse Städte bereits strenge Abgasnormen bestehen, kann dort auf jeden Fall vom Status des Leapmotor C10 REEV als reines E-Auto profitieren, muss sich keine Sorgen machen. Man muss auch davon ausgehen, dass diese Normen in Zukunft noch strenger werden, Deutschland wird weiter verschärfen, in Frankreich gibt es ähnliche Tendenzen (Paris); in der Schweiz kommt das wohl eher nicht, da sind rückwirkende «Strafen» (bislang) nicht Usus.



Es geht um etwas anderes: Wie andere moderne Plug-in-Hybrid kann das REEV daheim an der Wallbox (mit 11 kW) oder an der Schnellladesäule (mit max. 65 kW) geladen werden – und schafft mit seiner relativ grossen Batterie (28,4 kWh) sowieso bis zu 145 Kilometer rein elektrisch. Das dürfte den täglichen oder gar wöchentlichen Bedarf an individueller Mobilität eines Grossteils der Bevölkerung schon abdecken. Doch dann ist ja da auch noch der 1,5-Liter-Benziner, über den ebenfalls Strom für den hinten eingebauten E-Motor erzeugt werden kann – mit einem vollen Akku und einem vollen Tank kommt der C10 auf die beeindruckende Reichweite von fast 1000 Kilometern. Wichtig: Weil der Verbrenner keine Räder anzutreiben braucht, sondern nur Strom erzeugt, kann er fast immer in einem optimalen Zustand laufen, er braucht sich nicht mit hohen Drehzahlen anzustrengen. Das sorgt dann wiederum für einen sehr vernünftigen Benzinverbrauch – und, eben, die entsprechend hohe Reichweite.

Im Fahrbetrieb merken die Insassen von diesem technologisch sehr interessanten Zusammenspiel: gar nichts. Das C10 REEV fährt zumeist so leise wie ein Stromer, kommt der Verbrenner zum Einsatz, versieht er seinen Dienst sehr zurückhaltend. Das passt auch bestens zum Charakter des SUV: In aller Ruhe und entspannt gleitet man einher, auch das Fahrwerk ist angenehm komfortabel abgestimmt. Die Platzverhältnisse sind sehr grosszügig bemessen, auch die hinteren Passagiere haben mehr als genug Raum für Kopf und Beine. Und das Kofferraumvolumen beträgt 400 bis 1375 Liter, das reicht auch für die grosse Reise, locker.



Auch sonst ist alles, wie man es schon aus dem rein elektrischen C10 kennt: Man sitzt hoch und bequem, die Bedienung erfolgt fast ausschliesslich über den grossen, mittigen Touchscreen. Ja, das muss man sich etwas Zeit nehmen, bis man alles so eingerichtet hat, wie man es haben will, aber das macht man einmal – das sollte dann passen. Der C10 verfügt selbstverständlich über alle Assistenzsysteme, die man sich nur vorstellen mag; manche können durchaus etwas nerven, doch Leapmotor folgt damit nur den immer strenger werdenden Vorgaben für die Sicherheitsbewertung durch Euro NCAP. Wo das SUV übrigens mit fünf Sternen unter den Top-3-Fahrzeugen dieses Jahres abgeschlossen hat. Und eben, hat man sich einmal daran gewöhnt, dann ist die Bedienung des C10 ein Kinderspiel; weitere Verbesserung werden ständig «over the air» eingespielt. Wer weitere Wünsche hat, darf diese selber anbringen.





Richtig interessant wird es dann beim Preis: Das grosse SUV kostet als REEV genau gleich viel wie als reiner Stromer, also ab 35’900 Franken. Das wäre schon für einen Verbrenner dieser Grösse eine Kampfansage an die Konkurrenz, doch eben, es handelt sich hier um einen technologisch spannenden und vor allem sparsamen REEV, der zudem schon in seiner Basis-Ausführung richtig gut ausgestattet ist. Legt man noch zwei Tausender für die «Design»-Linie drauf, dann bleiben wahrlich keine Wünsche mehr offen. Nicht nur in Sachen Reichweite nicht.

Sie wollen nur Strom? Dann: zero. Alles andere: Archiv. Dies ist eine Story aus der Leapmotor-Beilage in radical#3.


Ein durchaus interessantes Konzept. Hatte ich schon auf dem Schirm und per Zufall kommen Sie mit dieser Ausfahrt vorbei…. Dürfte ich, Herr Ruch, die eine oder andere Frage stellen oder sprengt das den Rahmen hier in den Kommentaren?
Fragen Sie, jederzeit.
Danke!
Im Test (aus DE, im Internet gelesen) wurde bemängelt, dass die Bedienung der Klimaanlage nur kalt und warm konnte – schuld war angeblich die Software. Wenn das over air updated wird, haben Sie das auch so empfunden, oder hat es bei Ihnen ordentlich funktioniert?
Der Verbrenner kommt von Seres. Haben sie Info ob es ein Direkteinspritzer ist oder eher ein (weitaus passender) Saugrohreinspritzer?
Und für einen Zentraleuropäer die wichtigste Garantie: gegen Durchrostung und Rostschutz generell…. Haben Sie da Info dazu?
Nächsten Freitag habe ich ein Probefahrt vereinbart… die möchte ich gerüstet antreten.
Besten Dank!
Habe diesen Brocken neulich bei meinem Alfa – Händler gesehen. Durchaus gefällig designt (für einen SUV), und technisch (1000 km Reichweite!) sowie in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis sehr ansprechend.
Als Österreicher muss ich hier die Firma Obrist einwerfen:
Obrist hat so etwas schon vor 5 Jahren erstmals gemacht, wo sie aus einem Tesla Model 2 die teure Riesenbatterie rausgeschmissen haben und durch eine Kombi aus kleiner Batterie plus Standmotor aus dem Industriebereich ein Tesla Model 3 auf knapp 1000km Reichweite gebracht haben. Tesla ohne Batterie + Obrist Antriebsstrang angeblich deutlich günstiger als Tesla mit Batterie.
https://ecomento.de/2020/01/06/frank-obris-macht-tesla-model-3-zum-hyperhybrid/
https://www.obrist.at/technology-hyperhybrid-powertrain/
Wäre interessant, warum das bis heute nur eine Nische ist und bisher noch keine Verbreitung am Markt gefunden hat, für sachliche Hinweise dazu (bitte keine Verschwörungsmythen!) bin ich dankbar.
Als Umbau als Privatperson wohl eher aufwändig, da brauch ich einen Neuwagen ohne Batterie, Transport zu Obrist, Umbau, Typisierung (macht hoffentlich Obrist) – das muss man schon wirklich wollen. Für Unternehmens-Fuhrparkmanager ist das mglw. wesentlich interessanter.
Vom 10. bis 12. November 25 habe ich dem C10 REEV betreffend Gesamt-Reichweite mal so richtig ‚auf den Zahn gefühlt‘. Bei Temperaturen zwischen -4°C und +10°C ging’s von Zürich (CH) mit vollem Tank und 95% Akku sowie 185 kg Zuladung (110 kg mehr als WLTP) auf einen coupierten Parcours: Via Luzern (CH) – Freiburg i.Br. (D) – Seeshaupt am Starnbergersee – Salzburg (A) fuhren wir zum östlichen Wendepunkt beim Schloss Trautenfels (A). Zurück führte die Strecke via Schladming zum Jägersee bei Kleinarl und dann via Pass Thurn – Kitzbühel – Wörgl – Landeck – hinauf zur preisgünstigsten BP-Tanke der Schweiz (Acla da Fans, Samnaun). Mit 14 km Restreichweite und 10% Akkustand konnten nach exakt 1224.3 Tacho-km (real waren es ein paar mehr) 53.8 Liter (!) B95 eingefüllt werden was einem Praxisverbrauch von 4.39 L plus 1.97 kWh pro 100 km entsprach. Fazit: 26% oder 254 km mehr als die von LEAPMOTOR angegebene Reichweite – hat uns überzeugt!