Alles andere als seelenlos
E-Autos hätten keine Seele, behauptet Ulf Oliver Poschardt, fleissiger Schwätzer gegen das #shitbürgertum und Ferrari-Fahrer. Wenn die Seele eines Automobils darin besteht, dass es oft in der Garage steht, auch im Unterhalt viel Geld kostet und den Boden mit Öl volltropft, dann hat Poschardt, einst angenehm liberal, sicher recht, da kann ein E-Auto wirklich nicht mithalten. Geht es bei der Seele mehr darum, dass man allenfalls mit seinem Auto spricht, sich Gedanken macht, wie man es besser verstehen, behandeln könnte, dann kann ich hier, nach sechs Monaten und fast 30’000 Kilometern mit und im Volvo EX30, ein hervorragendes Gegenbeispiel präsentieren: Wir haben so etwas wie eine Liebesbeziehung, die kleine Schwedin und ich. Wahrscheinlich ist sie etwas einseitig, ich mag sie sicher besser als sie mich, aber wohl noch nie hat mich ein Automobil mehr beschäftigt als der Volvo.



Wohl noch nie hat mich ein Automobil so sehr geärgert wie der Volvo. Man trägt den Schlüssel ja in der Hosentasche, wenn man sich dem Fahrzeug nähert, sollte es sich öffnen. Ja, das macht der Volvo meist problemlos, aber manchmal dachte ich, ich werde hier Opfer von «Verstehen Sie Spass?»: Meist dann, wenn es gerade übel regnete und ich gerade mit zwei Einkaufstaschen zum EX30 eilte, wollte er mich partout nicht einlassen. Dann steht man dann da im Regen, muss die Taschen abstellen, den Schlüssel rausfummeln, durch ein tricky Manöver an der Tür versuchen, das Ding irgendwie aufzubringen, was selbstverständlich genau dann erst etwa im 42. Versuch gelingt. Und ja, das passierte mir etwa 42 Mal, gefühlt – ich habe irgendwelche Jungs in Göteborg im Verdacht, dass sie da vor ihren Bildschirmen sitzen, sich halb totlachen, wenn da wieder ein nasser Schweizer vor einem Volvo den Hampelmann macht, sie das Auto «over the air» erst dann öffnen, wenn ich kurz davor stehe, in die Reifen zu treten.



Das tat ich übrigens mehr als einmal. In der Nähe von Frankfurt, als nach einer Kaffeepause gar nichts mehr ging, schwarzer Bildschirm. Im tief verschneiten Malmö, als bei State of Charge (SOC) 1 Prozent auch an der vierten Ladesäule gar nichts ging (dafür konnte der Volvo allerdings nichts). Daheim, als der Volvo an der Wallbox über Nacht nicht geladen hatte, ich aber eh schon zu spät war (wohl Bedienerfehler). Geflucht habe ich sehr oft, meist über die Reiseplanung, die in ein erster Phase absolut unterirdisch war, nach einem Up-date dann nur noch unterirdisch. Der Volvo ging immer von seiner WLTP-Reichweite von 427 Kilometer aus, obwohl er doch schon nach den ersten 100 Kilometern hätte merken müssen, dass das nie aufgeht. Aber er beharrte darauf, wollte von der Reiseplanung auch an ultralangsamen Ladestationen geladen werden, obwohl viel näher ein Schnelllader verfügbar war (ich kenne wohl mittlerweile alle in der Schweiz), dafür wärmte er dann aus Trotz nicht vor. Das wurde zwar nach einem Software-Update besser, doch es verbleibt weiterhin Luft nach oben. Es ist halt einfach so, nicht nur bei Volvo: Man spart sich den teuren Prototypen-Bau, auch die entsprechende Erprobung, der Kunde ist das Versuchskaninchen. Reklamiert er fleissig, dann fliessen die Verbesserungen schneller ins Produkt ein. Wahrscheinlich. Hoffentlich.



Ach ja, der Verbrauch. Unser Proband, Top-Version mit Allradantrieb und 428 PS und 543 Nm maximalem Drehmoment, hatte das Pech, dass er von Anfang November bis Anfang Mai in unseren Diensten stand. Es war vor allem kalt, teilweise sehr kalt, auf unserer Reise nach Malmö und zurück kamen wir in einen Schneesturm mit fiesem Gegenwind und Temperaturen von minus 15 Grad. Da stand dann ein Schnitt von mehr als 35 kWh/100 km auf dem Bordcomputer, da kommt man mit einer Batteriekapazität von 69 kWh nicht besonders weit. Der Volvo mit seiner 400-V-Architektur lädt mit maximal 175 kW, dies auch recht flott bis 60 Prozent SOC, danach dauert es ein bisschen. Die vom Werk angegebenen 26 Minuten Ladedauer für 10 bis 80 Prozent SOC schafften wir nie, es sind eher so gegen 35 Minuten. Auch die WLTP-Vorgabe von 17,5 kWh/100 km lag zumeist ausserhalb der Reichweite, der Durchschnitt über die gesamten 30’000 Kilometer lag bei 21,2 kWh/100 km, was man als anständig bezeichnen darf, eben, es war ein harter Winter, wir fuhren auch öfter schneller auf deutschen Autobahnen. Mit maximal 180 km/h, doch die schafft der EX30 extrem unangestrengt. Und auch die 3,6 Sekunden für die 0/100 trauen wir ihm absolut zu. Das frisst aber halt massiv Strom: Unsere durchschnittliche Reichweite lag bei den vernünftigen 80 bis 20 Prozent SOC bei 250 Kilometern, vollgeladen sind etwas über 300 Kilometer kein Problem. Für den Alltag reicht das locker.





Ausgiebig haben sich Automobil-Beschreiber zum Bedienkonzept des Volvo geäussert, das Fahrzeug dabei zumeist in Grund und Boden gestampft (so auch die einst kompetente Jury von «Car of the Year»). Nun, das ist eine Berufskrankheit dieser Damen und Herren, sie setzen sich einmal ins Auto, wollen eigentlich nur schnell und gratis ihr Handy mit dem Auto verbinden, rollen ein paar Kilometer – und schimpfen dann, weil sie den Tempomaten nicht verstanden/gefunden haben. Das Leben ist aber anderswo, die Käuferin, der regelmässige Fahrer wird sich weit mehr, intensiver mit seinem Fahrzeug auseinandersetzen, wahrscheinlich mit dem Händler (oder der Bedienungsanleitung) die wichtigsten Einstellung schon einmal vornehmen, sich schnell daran gewöhnen, dass bei EX30 halt fast alles über den zentralen Bildschirm läuft. Oh ja, wir plädieren auch dafür, dass die Schweden dem Kleinen so bald wie möglich ein Head-up-Display spendieren, Geschwindigkeit, Navi, das wäre tatsächlich angebracht, das würde die Fahrt entspannen. Aber so tragisch, wie das gern beschrieben wird, ist es nun wirklich nicht. Und über die Kurzwahl hat man auch die Möglichkeit, die nervigsten Assis (Spurhalter! Geschwindigkeitsüberschreitung ab 1 km/h!)) mit zweimal Drücken wegzuschalten, das ist jeder/m zumutbar. Ob man sich die Innenausstattung in Nordico leisten will, muss man selber entscheiden: Das Material mag zwar sehr umweltfreundlich sein, doch wir haben so unsere Zweifel, ob es gut altern wird. Bei einem anderen EX30 hatten wir eine feine Woll-Mischung, die empfanden wir als angenehmer. Übrigens: Das Gestühl ist vorne gut, auch auf der Langstrecke. Hinten will man länger eh nicht sitzen, der Kleine ist dort eher eng. Und auch der Kofferraum ist mit 320 Litern nicht riesig.



Grossartig ist dafür der Fahrspass. Wir wagen einmal die Behauptung: Herr Poschardt wäre auch bei sehr beseelter Fahrweise in seinem Ferrari chancenlos. «Fun to Drive» besteht nicht nur aus Lärm und harter Arbeit, man kann durchaus auch Spass haben an souveräner Leistungsentfaltung. Der EX30 geht nicht nur geradeaus ab wie ein Zäpfchen, Überholmanöver sind total easy, er kann aber auch Kurven. Gut, die Lenkung könnte noch etwas mehr Rückmeldung bieten, doch der Kleine ist wunderbar agil, wendig, auch einer eher sportlichen Fahrweise alles andere als abgeneigt, er wankt kaum (trotz fast zwei Tonnen Leergewicht), er bringt seine Kraft dank Allradantrieb sehr sauber auf den Asphalt. Auf Schnee ist er der kleine Gott, ein wunderbares Spielzeug (im Gegensatz zu jedem Ferrari). Der kurze Radstand und die riesigen Räder schränken den Komfort auf schlechten Strassen etwas ein, aber das kennt man ja von deutschen Produkten auch nicht anders. Das Verarbeitungsniveau des Volvo kann mit ebendiesen deutschen Produkten auf jeden Fall mithalten.



Das Grosseganze fällt beim EX30 sehr positiv aus. Klar, da ist der Software-Ärger, aber den habe ich auch daheim mit meinem Drucker, das erträgt man irgendwann stoisch. Und es besteht ja die Hoffnung, dass es «over the air» immer besser wird. Die Preisskala für den EX30 beginnt in der Schweiz unterdessen bei 38’250 Franken für den völlig ausreichenden Single Motor mit dem 51-kWh-Akku (diese Variante war schon günstiger), für den Allradler mit der grossen Batterie werden mindestens 48’100 Franken fällig, in Ultra-Ausstattung sind es dann 51’100 Franken. Das erscheint uns absolut fair, Preis und tatsächliche Leistung stehen in einer guten Beziehung zueinander. Dass sie halt auch noch gut aussieht, die Schwedin, das versteht sich ja von selbst.

Mehr Strom gibt unter: zero. Alles andere findet sich im Archiv. Mehr Bilder finden Sie übrigens auch noch auf unserem neuen Instagram-Kanal: Charging Tristesse.


Ich stimme zu, ein Auto, welches einem bei der Nutzung einiges abverlangt, bekommt eher ‚Persönlichkeit‘ als sagen wir ein Toyota Corolla, der einfach stets nur funktioniert.
Der XC30 wäre es dennoch nicht für mich – das Äüßere ist schlicht langweilig, erträglich, aber eben fad. Für 40.000+ Euro kaufe ich mir ein Auto, das mir gefällt. Absoluter show-stopper ist das Armaturenbrett – eine einfallslose Plastikante, die sich durch den Innenraum zieht und auf die ich bei jeder Fahrt starren muss. Informationen und Bedienung sind zentriert in einem großen vertikalen Smartphone in der Mitte, wo sie weder im Blickfeld liegen noch gut zu bedienen sind. Ja liebe Autohersteller: die Typen bei Tesla haben sich das vor rund 10 Jahren so bescheuert ausgedacht – kein Grund den Schwachsinn nun ständig zu reproduzieren – echt nicht!
MfG
DeHavilland
Stimmt, nun habe ich mir einen auf der Autobahn lange angesehen und war enttäuscht. Sieht aus wie Polestar, nicht wie Volvo. Der EX40 ist da schon eher Volvo.
Mich regt das auf, wenn ein Auto nicht funktioniert. Lieber Corolla.
Das mit den Türen kenne ich gut, mein Hundetransporter Grand Scenic 4 kann das auch. Macht immer was anderes. Mal auf, mal nicht und man muss erst zum Türgriff greifen. Ging dann auch mal nicht, bei Renault konnte telefonisch keiner helfen.
Aber: Der Wagen hat die beste Bedienungsanleitung, die ich je gelesen habe und sagt, der Sensor im Türgriff könnte verdreckt sein, was er bei dem Sauwetter auch war. Lappen, wischen, funktioniert wieder.
Wofür der kleine EX30 hunderte von PS und eine nackenbrechende Beschleunigung braucht ….. ??? Aber ich wiederhole mich. Lieber unter 30.000 Basispreis und weniger PS, siehe R5.
Richtig ist, Fahrspass können viele Autos bieten, auch wenn sie auf den ersten Blick gar nicht so wirken. Ist auch nicht von der Leistung abhängig.
Bedienung. Als ich 2009 einen Halbjahreswagen Mercedes S204 für meine Frau in Berlin abholte, war ich ein wenig amüsiert über das „Infotainment“.
BMWs mit iDrive gewohnt, sah das recht hilflos und bäuerlich aus. Es stellte sich jedoch heraus, dass schwäbisch sparsam einfach alles weg gelassen wurde, was man nicht braucht und nur ablenkt, alles wichtige da ist und extrem leicht bedienbar. Man bedenke, das iPhone kam 2008 auf den Markt, die Leute waren tippen, wischen, unendlich Tiefen in den Menüs noch nicht gewohnt.
Es gab sogar eine Hardware 10er-Tastatur, mit der man das per Bluetooth verbundene Handy spielend bedienen konnte. Ok, damals hatte man noch einige Rufnummern im Kopf.
Technik mag ich, wenn sie das Leben erleichtert, dafür ist sie in meinen Augen da, nicht als Selbstzweck.
Sicher unter den Elektroautos eines der schöneren und besseren, dieser Volvo.
Und sympatischer als diverse Mitbewerber mit grimmigem Gesichtsausdruck ist er ganz klar, die nordisch-kühle Ausstrahlung paßt gut zum technizistischen Anspruch eines Elektroautos.
Aber:
Warum muß es denn immer ein SUV sein?
Ja, ich weiß, das haben jetzt alle.
Wieviel besser würde mir der Wagen gefallen, wenn er ein sauber gezeichneter Kombi wäre, mit einer normalen Reifengröße, mit kleiner Stirnfläche, gerne auch mit Allradantrieb, aber vor allem mit einer normalen PS-Zahl, vielleicht 220 PS?
Und statt 428 PS und Riesenrädern wäre eine größere Reichweite viel wichtiger!
Ach ja, und das mit der Seele, das würde man sicher hinbekommen, ein alter Saab 900 oder ein Volvo 245 Kombi waren auch eher unterkühlt, haben aber für mich viel mehr Seele als die schwarzen Brüllferraris von Herrn Poschard, seit er sich vom Liberalen zum Libertären und vom Porsche- zum Ferrarifahrer gewandelt hat, ist er schwer erträglich geworden und die ständigen Instagram-Videos seiner Autos in Verbindung mit seinem peinlichen, gelben Büchlein haben dazu geführt, daß ich mein Welt-Digitalabo gekündigt habe…
Die hohen PS-Zahlen der E-Autos sind dem grundsätzlichen Gewichtsproblem der E-Autos durch die schwere Batterie und der Charakteristik des E-Motors geschuldet.
Wer länger E-Auto fährt merkt schnell, dass die „brachiale“ Beschleunigung zwar anfänglich sehr lustig ist aber bei einem zweiten Blick auf die Reichweite kommt die Ernüchterung. Die Reichweite schrumpft nach ein paar Beschleunigungsorgien rapide und die üblichen 300km Reichweite sind dann nur noch 150km.
Es ist also volktümlich gesagt so, dass ein E-.Auto zwar extrem tolle Beschleunigungswerte erreicht, diese aber nicht lange und auch nicht sehr weit!
Ein weiterer physikalisch nicht wegzudiskutierendes Problem stellt ja die Beschleunigung an sich dar, den in der Formel wird die Beschleunigung mit m/s² eingerechnet. Jetzt kommt noch der zweite Teil, nämlich das Gewicht! Und wenn wir das jetzt schön durchrechnen, kommt man zu der lange bekannten Folgerung:
Bei gleichbleibender Beschleunigung und verdoppelung des Gewichts benötigt man die vierfache Leistung! Colin Chapman wußte schon, was er tat.
Ein E-Motor hat die Charakteristik, dass er schon bei niedrigen Drehzahlen sein maximales Drehmoment hat aber bei höheren Drehzahlen werden die (Strom)verluste immer höher. Das heißt, der Teil der Leistung der als Wirkleistung an die Räder geht wird immer geringer und die Verlustleistung immer höher je schneller sich der Motor dreht. Von den 428PS kommen bei höheren Drehzahlen vermutlich nur 30% als Antriebsleistung aus dem Motor heraus, d. h. der Volvo ist dann ein 128 PS Auto.
Idealerweise werden E-Motoren für eine Drehzahl von 500 bis 1500 U/Min ausgelegt.
Daher beschränkt Volvo ja die Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h. Man könnte auch schneller fahren, aber dann ist die Batterie noch schneller leer. Die 400irgendwas PS diese Volvo wird man also im normalen Fahrbetrieb nie ausnützen, und wenn, dann nicht sehr lange.
Die Zusammenhänge E-Motor-Leistung-Energie kannten schon unsere Vorvorväter sehr genau und aus diesem Grund wurde bei der Eisenbahn ja auch nicht mit Akku-Fahrzeugen gearbeitet, sondern eine Oberleitung mit einer ununterbrochenen, leistungsfähigen Energiezufuhr gerabeitet. Die Akkufahrzeuge der Bahn dienten nur für untergeordnete Dienste und beim Auto verhält es sich nicht anders. Das E-Auto ist prädestiniert für Kurzstrecken- und Lieferverkehre (Post, Paketdienst, usw.).
Die Reichweite der E-Autos lässt sich technisch-physikalisch nur durch eine drastische Reduzierung des Luftwiderstandes und Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit erhöhen. Je langsamer man fährt umso weiter kommt man!
Praktisches Beispiel. Wenn ich mit unserem Fiat 500E gemütlich „über Land zuckel“ und meinen „Gasfuss“ unter Kontrolle habe fahre ich mit einem Verbrauch von 7 KW/100km Verbrauch und damit etwa 350km weit. Lass ich es „krachen“ und fahre z. B. viel Autobahn. dann steigt der Verbrauch Richtung 20 KW/100 km und dann ist nach 150 bis 180km Schluss. So gut das Auto gemacht ist, es ist zu groß und zu schwer und letztlich im Verhältnis zur gebotenen Leistung zu teuer (Anschaffungspreis).
Grüß Gott,
wieder schön technisch dargelegt, was geschichtlich schon lange seit dem Lohner- Porsche bekannt ist 🙂
… und trotzdem baut die Automobil (man könnte das mobil weglassen, da Sie stehen, nämlich ad. Ladesäule) – industrie weiter diesen Quatsch…
Servus
….ich denke mir immer wieder…. ich hatte einen Peugeot 205 GTI 1,6! der war nie vernünftig! Genauso der Uno Turbo meines Freundes….. und der nächste hatte einen Audi RS2….. was sind das für Diskussionen von Wichtigtuern!? Wieviele Autos von VW oder Renault hatte ich, welche schlichtweg eine Katastrophe waren! …nur Werkstatt, nichts war zuverlässig.