«Ich bin doch nicht blöd»
Rund 30 Kilometer legen Frau und Herr Schweizer mit ihrem Auto täglich zurück. Einige wenige viel mehr, die meisten aber: weniger. Meist ist es der Weg zur Arbeit, häufig auch zum Einkaufen, und dann ist da noch die Freizeit, Fussball, Bogenschiessen, Jassen, Turnverein. Klar, dann und wann will man noch zur Mama, zum Grossvater, der einzigen netten Cousine, zum Kaffeekränzchen, mal wieder raus in die Natur, aber eben, mehr als 30 Kilometer hin und zurück sind das im täglichen Schnitt nicht. Einmal abgesehen davon: Zu mindestens 95 Prozent stehen Automobile in der Schweiz nur rum.



Anderer Ansatz: Der durchschnittliche Preis für einen Neuwagen liegt in der Schweiz bei über 60’000 Franken. Da mögen Katar und Monaco vielleicht noch etwas höher liegen, aber Frau und Herr Schweizer geben schon überdurchschnittlich viel Geld aus für ihre individuelle Mobilität, in keinem anderen Land der Welt haben Premium-Produkte mit Sternen, Ringen und überdimensionalen Nieren einen solch hohen Marktanteil wie in der Schweiz. Klar, da geht es um Image, wenn Frau Meier ein grosses SUV vor der Tür stehen hat, dann muss ihre Nachbarin, Frau Müller, auch so eines haben. Auch wenn es zu mindestens 95 Prozent nur rumsteht. Oder gerade deshalb?

Wenn man nun diese beiden Dinge miteinander hochrechnet, also viel rumstehendes Geld für 30 Kilometer am Tag, dann könnte man sich schon den einen oder anderen Gedanken machen. Zum Beispiel: Viel weniger Geld ausgeben. Oder: Diese 30 Kilometer umweltfreundlicher fahren. Sinnvollerweise: Rein elektrisch für wenig Geld unterwegs sein. Es ist nur so ein Gedanke, wer ihn nicht weiterverfolgen will, der muss hier auch gar nicht erst weiterlesen. Wer aber rechnen kann, wem es auch egal ist, wie viele Ringe Frau Müller vor ihrer Hütte rumstehen hat, für den gibt es nun ein interessantes Angebot: Leapmotor T03. Ab 16’990 Franken. Rein elektrisch, locker 210 Kilometer Reichweite.



Ja, Leapmotor ist eine chinesische Marke. Die Fahrzeuge werden auch in hochmodernen chinesischen Werken proudziert. Und das merkt man auch beim ersten Kontakt mit dem kleinen Stromer: Die Verarbeitungsqualität stimmt, nichts scheppert, um einen berühmten deutschen Ex-Wirtschaftsführer zu zitieren. Natürlich ist da viel schwarzer Plastik, doch der ist auch in vielen Fahrzeugen, die über den Schweizer Durchschnitt von 60’000 Franken Anschaffungspreis kommen. Und bei denen ist bei weitem nicht überall das grosse Panorama-Glasdach schon im Basispreis inbegriffen, geschweige denn ein gut funktionierendes Infotainment-System mit einem schnellen Navi auf einem 10-Zoll-Touchscreen. Oder allen Assistenzsystemen der gehobenen Mittelklasse. In noch so manchem Neuwagen zahlt man mehr Aufpreis für diese Ausstattung als für einen ganzen Leapmotor T03.



200 Kilometer Reichweite, hören wir die Kritikerinnen nun schon rufen, das ist aber schon wenig. Wir erinnern uns, weiter oben: 30 Kilometer am Tag. Man kann also fast eine ganze Woche fahren. Und heute fährt man halt sinnvollerweise so, dass man dort auflädt, wo man gerade kann, etwa bei der Arbeit. Oder beim Einkaufen, alle Grossverteiler sind massiv am Aufrüsten mit Ladestationen. Eine halbe Stunde shoppen – und schon fährt der T03 die nächsten 200 Kilometer. Und wer den Leapmotor so nutzt, wie er auch gedacht ist, also nicht für das Pendeln von Zürich ins Tessin ins Rustico und wieder zurück, sondern zum Einkaufen, für die Fahrt ins Gym oder mit Fifi an den Waldrand zum Auslauf, der kommt eh viel weiter: Wir haben ihn bei relativ tiefen Temperaturen und strömendem Regen ein paar Mal quer durch die Stadt bewegt, der Verbrauch lag beim ständigen Stop-and-Go bei 11 kWh/100 Kilometern. Man kann nun selber ausrechnen, wie weit da die 37,3-kWh-Batterie reicht.



Kommt dazu, dass der Kleine – er misst nur gerade 3,62 Meter – in der Stadt wirklich Spass macht. Er ist sehr wendig, er ist sehr übersichtlich – und er rennt schneller von 0 auf 50 km/h als noch so manch ein SUV von Frau Meier und Herr Keller. Gut, die Autobahn gehört jetzt nicht zu seinen stärkste Disziplinen, aber die in der Schweiz erlaubten 120 km/h schafft er locker. Ausserdem ist er für einen Kleinwagen erfreulich komfortabel. Vorne sitzen auch grossgewachsene Personen bestens, hinten wird es dann aber eher knapp, wenn vorne grossgewachsene Personen sitzen. Klappt man die hinteren Sitze ab, dann stehen immerhin 880 Liter Kofferraum zur Verfügung – genug Platz für eine halbe Stunde Shopping. Ob er nun wirklich schön ist, hmm, das ist dann wieder eine andere Frage.





Dieser Text erscheint auch in der Leapmotor-Beilage von radical #3. Mehr Strom gibt es unter: zero. Alles andere im Archiv.


Ich mag auch keine BMW und Audi. Aber warum hier, in einem Magazin für Autofans, die Leute welche Wert auf ein schönes Auto legen, runtergemacht werden kann ich auch nicht verstehen. Ist doch jedem seine Sache. Ich bin froh um die Leute welche westlich kaufen. Ich für mich werde nie ein chinesisches Auto fahren. Ich habe sogar ein Handy, welches in Japan montiert wird.
Werter, Sie brauchen das nicht so persönlich zu nehmen. Es darf (und wird) jede/r fahren und kaufen, was er will. Und von diesen Leapmotor T03 werden Sie auch in Zukunft nicht komplett umzingelt werden, keine Angst, das bleibt ein Nischenprodukt. Andererseits: radical interessiert sich für die Chinesen, da passiert viel – und die Kunden werden davon profitieren, wenn die etablierten Hersteller den Druck spüren.
Gut, dass es ihn gibt.
Sieht ein wenig aus wie die Japaner in den 1980ern, auch innen und die Polster.
Wären da nicht die Displays.
Aber egal, für den Preis wunderbar, hoffentlich gibt es viele Nachahmer.
Zum Thema „nichts aus China kaufen“.
Kann man so sehen. Ich rege mich derzeit sehr auf über die brutal steigenden Preise für lebensnotwendige Dinge. Strom und Gas sowieso, aber vor allem explodieren gerade mal wieder die Lebensmittelpreise. Man ist machtlos.
Nicht ganz. Man kann an anderer Stelle sparen, z.B. mit einem chinesischen Auto und dafür weiter gut essen. Haben die Italiener schon immer so gemacht, Fiat 500 (der alte), dafür die Tische voll und Spaß haben.
Nachdem ich zwei iPhones geschrottet habe im letzten Jahr, habe ich mit einem China Handy begonnen. Superbillig, sieht aber nicht so aus und kann alles, was ich brauche. Und der Akku hält dreimal so lang wie beim iPhone. Wenn das beim Auto auch so ist ….
Das Fahrzeug kommt meiner Vorstellung für die tägliche Mobilität schon sehr nahe! Bravo!
Ich hatte hier schon mein persönliches Wunsch – E- Auto beschrieben. Kompakt, leicht, 150 km/h Höchstgeschwindigkeit, Reichweite 250km und das ganze für 10 000 Euro. Unter der Annahme, dass das Fahrzeug ein klassischer Zweitwagen ist und dass die Batterie nach 10 Jahren „verbraucht“ ist und das Fahrzeug dann zum wirtschaftlichen Totalschaden wird, habe ich im Jahr 1 000 Euro „weggeschmissen“. Das wäre dann immer noch weniger als der Wertverlust eines „teutonischen Premiumwagens“, der über 100 000 Euro kostet und nach dem ersten Verlassen des Händlerhofes schon einen Wertverlust von 25% erleidet.
Dumm nur, dass ich den Chings wegen derer Überwachungsmentalität nicht über den Weg traue, denn mein Schwiegervater war 15 Jahre beruflich in China…oh, oh, oh.
Aber, das Konzept passt und wird seinen Weg machen. So geht E-Auto meine Herren in Land der Erfinder des Autos!
Psst… für den Preis gibt’s nen Opel Corsa-e (sogar als ulitmate)
Hand aufs Herz.. verschenken Sie die Printausgabe?
Und nun die Frage:
warum ist es so schwer ein 4meter Auto, 50 kw und 750 kilo
zu bauen, in Europa, das 10.000 Euro kostet, wie die warmen
Semmeln verkauft wird, weil Nachfrage, und von einem Designer
( wie Bertone) zeitlos gezeichnet?
eben.
Und dann stellen Sie uns diese adepöhse Mopedauto vor, das ich nicht
einmal um 1999,- Euro beim Aldi kaufe.
WARUM IST DIESE INDUSTRIE SO EINFALLSLOS?
Antwort: weil es genug Deppen gibt, die immer auf etwas rein fallen.
wobei ich vermute, das Sie, gechätzter Herr der Autobeschmachtung und des Verkostens, nun die sauren Gurken Zeit, etwas antesten..oder?
widerluaga