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Test Renault Megane GT

Grosses Staunen

(Na, wussten wir es doch – wir haben eigene Bilder des Megane GT. Die fügen wir jetzt ganz unten ein.)

Es ist ja nicht so, dass «radical» einfach oder schnell zu begeistern wäre. Vom neuen Renault Megane waren wir zwar schon bei den ersten Probefahrten ziemlich angetan, doch dass wir einen Wagen gar nicht mehr zurückgeben wollen, das ist uns nur ganz selten passiert. Und sicher noch nie bei einem Fahrzeug mit «nur» 205 PS. Doch nach dem Test des und 3000 Kilometern im Renault Megane GT waren wir tief beeindruckt.

Gut, gut sieht er aus. Vielleicht ein bisschen gar sehr wie seine französischen Konkurrenten Citroën C4 und Peugeot 308, doch dieses schöne Blau lässt den derzeit sportlichsten Renault aus der Menge herausstrahlen. Die Linien sind harmonisch, ohne deswegen langweilig zu werden, einen Schuss Sportlichkeit gibt es auch, man kann sich also sehen lassen im Golf-Kontrahenten. Das gilt unbedingt auch für das Innenleben, das genau gleich aufgebaut ist wie im Espace und im Talisman – mit denen der Megane ja auch die Plattform teilt. Da haben die Franzosen einen Volltreffer gelandet, dermassen breit aufgefächert wird eine einzige Basis nicht einmal im Volkswagen-Konzern (und es ist ja noch nicht das Ende, es kommen ja noch Scenic und Grand Scenic und…).

Nochmals, das Innenleben. Wir mögen das ja, dieses iPad-Design in der Mittelkonsole, das sieht gut aus, nicht so nachträglich hineingeklatscht wie bei anderen Herstellern. Der grosse Touchscreen ist bestens bedienbar, auch von der Beifahrerseite aus. Die Bedienungsführung allerdings hat sicher noch Luft nach oben – und auch so Kleinigkeiten, dass die Dame, welche die Naviansage macht, stottert, könnte Renault durchaus noch aus der Welt schaffen, am besten gleich zusammen mit den Schreibfehlern. Cool ist der riesige Drehzahlmesser direkt vor dem Fahrer, alles wirkt klar und ist übersichtlich. Und auch haptisch ist es im Megane GT sehr angenehm, zwar schon jede Menge Plastik, doch das ist alles sauber verarbeitet. Und: die besten Sitze, die wir bisher in einem Fahrzeug in diesem Preissegment erleben durften. Da muss sogar der bisherige Klassenprimus Opel Astra hinten anstehen.

Die Platzverhältnisse sind für ein 4,36 Meter langes Automobil ganz anständig, vorne ist ausreichend Luft auch gegen oben, die hinteren Passagiere werden sich auch über längere Strecken nicht beklagen wollen. Mit 384 Litern Kofferraumvolumen ist der Renault so ein bisschen Klassenbester, zumindest in der Normal-Konfiguration; die bei abgeklappten Rücksitzen vorhandenen 1247 Liter sind dann eher durchschnittlich. Auch ist der Zugang zum Kofferraum verhältnismässig hoch. Und weil das ja auch mit dem Innenraum etwas zu tun: die Schalt-Paddels des serienmässigen 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes sind ebenfalls sehr hoch angeordnet. Unsereins machte das keinerlei Schwierigkeiten, wir schätzen das sogar, doch man hört so sagen, das sei nicht überall so.

Renault Megane GT - 10

Man liest auch in der einschlägigen Presse, dass das DKG von Renault zu langsam sei. Kann sein, dass wir da nicht besonders feinfühlig sind, doch auch solches hat uns nicht gestört (falls es denn so wäre). Hat man den Megane auf «scharf» gestellt (was über den GT-Schalter in der Mittelkonsole geschieht), dann sind unserer Meinung nach die Schaltvorgänge sauber, knackig, absolut auf dem Niveau des Volkswagen-DSG, zumindest beim Hochschalten. Was der Franzose dann aber nicht so gut kann: ruckfrei durch die Stadt zuckeln. Aber da gibt es ja eben diese Schalter, da kann man wieder zurück in den Komfort-Modus, dann ist alles bestens. Es sei eh empfohlen, diese Auswahl an Fahrmodi zu benutzen, unsere individuelle Einstellung war Sport für Getriebe und Lenkung, Komfort für das Fahrwerk, dann schluckt der Renault nämlich die Bodenwelle – und hüpft nicht darüber.

Das Fahrwerk ist sowieso eine der ganz grossen Stärken des Megane GT. Er bleibt angenehm weich gedämpft, baut aber trotzdem kaum Seitenneigung auf. Die Allradlenkung, wie das Doppelkupplungsgetriebe serienmässig, macht den Renault unglaublich agil, flink, er umrundet Kurven mit einer Souveränität und Stabilität, die wirklich bewunderswert ist. Was halt auch bestens ist: man fühlt sich ausgeprochen wohl, auch wenn man mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs ist. Erst spät, sehr spät drängt er vorne ein bisschen weg, doch das lässt sich bestens korrigieren. Die Bremse ist fein, bestens zu dosieren, standfest; wir messen auf unserer üblichen Bergstrecke ja keine Zeiten, aber vom Gefühl her waren wir dort schnell. So richtig schnell. Und dies deshalb, weil der Franzose so extrem gutmütig ist, so kinderleicht zu fahren. Allerdings tönt er auch so, mehr Kindergarten als Konservatorium. Und ein bisserl schwer ist er auch, 1,4 Tonnen sind ein wenig adipös in dieser Liga; da hat Opel die Nase derzeit vorne.

Einverstanden, 205 PS aus 1,6 Liter Hubraum sind so wild jetzt auch nicht. Andererseits: 7,1 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h sind nicht von schlechten Eltern, auch die Höchstgeschwindigekeit von 230 km/h nicht – es ist noch nicht lange her, da hätte das in der Golf-Klasse für die Spitzen-Position gereicht. Jetzt darf man aber nicht vergessen, dass Renault den Megane GT mit einem Basispreis von 31’500 Franken ins Rennen schickt, schon ziemlich gut ausgestattet. Der Golf kann da als GTI irgendwie nicht mithalten, weder bei den Fahrleistungen noch beim Preis, auch ist er mehr der «Halbstarke» in Sachen Image und Auftritt und Fahrverhalten; näher ist da schon die 200-PS-Variante des Opel Astra, allenfalls noch der cee’d GT von Kia.

Was uns aber am Renault Megane GT am besten gefällt, ist das Gesamtpaket. Man kann böse mit ihm, muss aber nicht. Man kann mit ihm und drei Begleitpersonen bestens in die mehrwöchigen Ferien fahren, oder flott und entspannt von Bern nach Hamburg, aber am Sonntagmorgen zur eigenen Erbauung auch einfach mal einen Pass. Oder drei, vier. Gut, dann schluckt er über 9 anstatt der versprochenen 6 Liter Normverbrauch, doch das ist immer noch gut, denn da nimmt die Konkurrenz dann gern zweistellig. Bleibt man locker und entspannt, was eh am besten zum hübschen Franzosen passt, dann sind es irgendetwas um 7,5 Liter. Und dann bleibt da als bestes Argument noch das wunderbare Verhältnis zwischen Preis und Leistung.

Wie versprochen: unsere eigenen Bilder. Auch deshalb, weil sich ein paar Leser beklagt hatten.

Mehr Renault gibt es in unserem Archiv.

8s Kommentare

  1. peter schwarzl peter schwarzl

    superschönes Auto, sehr stimmig. und Gratulation zum wieder einmal lesbaren – frei von sponsoring – fahrbericht.

  2. Dr. Akula Dr. Akula

    Sorry, aber Rechtschreibung und Satzbau von diesem „Test“ sind unterirdisch schlecht. Und nach 3000 Testkilometern hat es gerade mal für zwei eigene Bilder gereicht und man unterfüttert das Ganze dann lieber mit den Standard-Bildern vom Hersteller? Glückwunsch!

    • Peter Ruch Peter Ruch

      werter Herr Doktor, für die Schreibfehler wollen wir uns entschuldigen (wobei, so viele waren es nicht), für den Satzbau eher nicht. und eigene bildchen – was wären Sie denn bereit zu bezahlen dafür? trash-mail scheint mir bestens zu Ihnen zu passen.

      • Autowerkstatt Autowerkstatt

        Herr „Doktor“ – mir hat diese Art von Test sehr gefallen, habe ihn sogar ganz gelesen.
        Der Tester hat seine eigene Meinung und das ist auch gut so.

  3. […] im Renault verbleiben. Nein, die neue Innenarchitektur, die beim Scenic gleich ist bei Espace/Megane/Talisman (weil sie ja alle auf der gleichen Plattform fahren), ist keine Geschmackfrage, das ist […]

    • Ron Ron

      Einfach schönes gelungenes Fahrzeug und nicht die langweiligen Knödelfresser.

  4. FabianH FabianH

    Jetzt ist es ja so, geschätzter Herr Ruch, dass der Megane kein adaptives Fahrwerk hat. Das sag ich nicht um Sie zu korrigieren, nichts läge mir ferner, sondern schlicht weil mich interessieren würde, welche Einstellung Sie hier gemeint haben:

    „individuelle Einstellung war […] Komfort für das Fahrwerk, dann schluckt der Renault nämlich die Bodenwelle – und hüpft nicht darüber.“

    • Peter Ruch Peter Ruch

      das ist jetzt lange her, da muss ich mich zuerst klug machen.

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