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Maserati 450S Prototyp

Eineiiger Drilling

Maserati hatte immer wieder reiche Gönner. Beim 5000 GT war es der Schah von Persien gewesen, der das Geld für die Entwicklung eingebracht hatte – und deshalb konnte der Motor eines 450S in das Chassis eines 3500 GT eingebaut werden. Doch bereits der 450S war auf Anregung (und mit Geld) von aussen angestossen worden: 1956 hatte Tony Parravano, ein reicher Amerikaner, Maserati den Auftrag gegeben, einen anständigen Motor für seinen Kurts-Indy-Rennwagen zu konstruieren. Diesen Auftrag nahm Maserati natürlich gerne an – und baute sich die Maschine gleich in einen eigenen Rennwagen ein.

Jetzt wird es kompliziert. Der erste Versuch ging schief, denn der 4,5-Liter-V8 mit seinen mindestens 400 PS war schlicht zu stark für den 350S mit der Chassisnummer 3501. Also wurde das Gerät verstärkt, der Radstand etwas verlängert, der Wagen mit einem Aufbau von Fantuzzi neu geboren als 4501. Erstmals eingesetzt wurde er im Training zum Grossen Preis von Schweden im August 1956, dann verschwand er wieder in den dunklen Hallen von Maserati in Modena. Juan Manuel Fangio fuhr 4501 dann im Training zu den 1000 Kilometern von Buenos Aires Anfang 1957, nahm den ebenfalls neuen Ferrari 10 Sekunden pro Runde ab – und nannte den Wagen «Bazooka». Jean Behra zerstörte den Wagen dann bei der Mille Miglia im gleichen Jahr.

Das hätte es ja dann nun gewesen sein können. War es aber nicht. Denn erstens liess Maserati die Chassisnummer 3501 neu aufleben, wieder als 350S. Und 4501 erhielt ein neues Leben als Zagato-Coupé, aufgebaut von Costin – das später in 4512 umgetauft wurde. 1965 soll das Fahrzeug dann wieder aufgetaucht sein, es wurde von Maserati ohne Motor, dafür mit der neuen Kennung 350SI-10 an Tom Meade verkauft (unbedingt lesenswert: hier). Meade verkaufte das gute Stück weiter an einen Mr. Niles Moss, der liess den Wagen in Modena mit einem Corvette-V8, einem 5-Gang-Getriebe von Ferrari und neuem Design versehen – und brachte ihn in die USA. 1981 entdeckte dann ein italienischer Sammler die ganze Tragödie, brachte den Maserati nach Italien zurück – und liess ihn als 4501 in der Konfiguration von 1956 restaurieren.

Dieses Fahrzeug, bezeichnet als Maserati 450S Prototyp, stand vor drei Jahren bei RM Sotheby’s in Monaco zum Verkauf. Erwartet worden waren mindestens 4 Millionen Euro, das höchste Gebot lag bei 3,5 Millionen. Was auch daran gelegen haben könnte, dass die Story vielleicht etwas gar undurchsichtig ist – ein Automobil mit gleich drei Chassisnummern 3501/4501/350SI-10 erweckt nicht nur Vertrauen. Doch da gibt es ja auch noch andere Maserati, zu denen wir ähnliches geschrieben haben, siehe den herrlichen 250F V12.

Mehr Maserati haben wir im Archiv. Es kommen dann noch weitere Geschichten, da gibt es viel zu erzählen zu dieser Marke. Denn wir haben ja noch den einen oder anderen genauer betrachtet während #theitalianjobs.

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