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Feine Sammlung

Porsche zu verkaufen

Am 16. Juni versteigert die Oldtimergalerie in Toffen auf dem Zürcher Dolder im Rahmen der Dolder Classics eine ganze Sammlung von grossartigen Porsche-Cup-Fahrzeugen. Und hat uns neben den Bildern dazu folgende Zeilen zukommen lassen:

«Bereits mit dem Porsche 944 Turbo hatten die Zuffenhausener gezeigt, dass ein für den Rennsport optimierter, streng regulierter Serienwagen für viel Spannung bei Markenpokalen sorgen konnte. Die Leistung stieg von ursprünglich 220 PS auf 250 PS. Mit dem Erscheinen des Porsche 964, dem weitgehend neuen Nachfolger des über 15 Jahre lang gebauten 911-G-Modells, sah man bei Porsche die Chance, den 911er auch im Clubrennsport besser ins Szene zu setzen. Weiterhin achtete man darauf, dass der 964 auch als Rennwagen alltagstauglich blieb, mit Katalysator ausgerüstet war und nicht durch übermässigen Lärm auffiel. Zudem wollte die Chancengleichheit gewahrt bleiben, was beim 964 sehr gut gelang.

Als Basis für den 1990 neu geschaffenen Carrera Cup diente der 1989 erschienene 964 Carrera 2, also die Variante mit Hinterradantrieb. Roland Kussmaul hatte die Projektleitung, um aus dem Strassenfahrzeug einen Rennwagen mit Strassenzulassung zu entwickeln. Anstatt Verkleidungen und Teppichen gab es im Innenraum nur viel unverkleidetes Blech in Wagenfarbe. Winfried Matter entwickelte einen Überrollkäfig, der nicht nur für Sicherheit, sondern auch für mehr Torsionsfestigkeit sorgte. Anstatt des Seriengestühls gab es einen Recaro-Rennsitz für den Fahrer. Sechspunkt-Sicherheitsgurten hielten den Fahrer auf seinem Stuhl, während Armaturenbrett und Pedalerie aus der Serie stammten.

Beim Fahrwerk wurde nicht sehr viel geändert, allerdings lag der Cup-964 55 mm tiefer, erhielt spezielle Bilstein-Dämpfer und straffere Radaufhängungspunkte. Auf 8×17- und 9,5x-17-Speedline-Felgen wurden Reifen der Dimension 245/620 x 17 (vorne) und 265/630 x17 hinten aufgezogen. Ein an den Renneinsatz angepasstes ABS verhinderte das Blockieren der Räder. Der Motor entsprach weitgehend der Serie, erhielt aber eine modifizierte Steuerungselektronik. Zudem entfiel der Mittelschalldämpfer. 1990 leisteten die Cup-964 so 265 PS bei 6100 Umdrehungen, mit überarbeitetem Motormanagement und geglätteten Einlasskanälen wurden es 1992 dann 275 PS. Im selben Jahr wurden auch die Räder grösser und das ABS modifiziert. 1180 kg wog das vollgetankte Coupé der Saison 1990. Billig war der Cup-964 nicht, rund DM 125’000 mussten für den Neuwagen überwiesen werden, allerdings gab es pro Rennen insgesamt auch DM 80’000 zu gewinnen.

Die «Automobil Revue» hatte im März 1990 die Gelegenheit, sich hinter das Lenkrad des Cup-Rennwagen zu setzen. Für den Autoren des Fahrberichts war der Cup Carrera 2 ein kompromissloses Wettbewerbsauto: «Den Tritt aufs Gaspedal quittiert der Porsche im ersten Gang mit einem fulminanten Antritt. Der erleichterte Wagen bekundet dabei keinerlei Traktionsprobleme, verfügt er doch über eine 40-prozentige Differentialbremse. Auch in den höheren Gängen (Serienuntersetzungen) bleibt das Beschleunigungsvermögen beeindruckend. Erstaunlich ist, welch hohe Querbeschleunigungskräfte der an sich seriennahe Porsche aufbauen kann. Allzu unbekümmert sollte man allerdings deswegen nicht hinlangen, denn fahrerisch stellt er trotz des verzugslosen Ansprechens seines Saugmotors höhere Ansprüche als der frühere 944 Turbo Cup. Die Untersteuertendenz des Basis-Carrera am Kurveneingang ist nach wie vor präsent. Im Gegensatz zum Strassenverkehr muss zwar der Wagen nicht weniger geübten Fahrern Reserven in heiklen Situationen bieten, sondern er sollte sich bei rennmässiger Gangart möglichst effizient verhalten. Aber die Schwächen des Heckmotorkonzepts lassen sich nur teilweise eliminieren. Im Grenzbereich schlägt daher der Cup-Carrera mitunter recht ungeniert ins Übersteuern (Ausdrehen des Hecks) um. Wer ausgeprägte Lastwechsel provoziert, sollte über Feingefühl und eine gute Reaktion verfügen, um das Auto unter Kontrolle zu halten. Wegen der breiten Slickreifen und der betont harten Abstimmung will der Cup-Carrera ständig mit kleinen Lenkkorrekturen auf Kurs gehalten werden. Dezidiertes Zupacken ist angezeigt, denn der Servo fiel der Abmagerungskur zum Opfer, und überdies hat man die Lenkung noch direkter übersetzt, damit der Wagen spontaner auf Befehle seines Piloten reagiert. Wie erwartet sorgt die optimierte Bremsanlage für kräftige Verzögerung; ein Nachlassen der Wirkung war auch bei harter Beanspruchung nicht festzustellen». Die Fahrt auf der Rennstrecke überzeugte den AR-Journalisten so sehr, dass er sich ein ähnlich direktes Fahrverhalten auch für die Strasse wünschte, ein Wunsch, den Porsche ja dann mit dem 964 RS erfüllte.

Der 964 Carrera 2 Cup, gebaut mit Baujahr 1990 bis 1993, war nicht der letzte Cup-911. Es folgten 1994 der 993 Carrera Cup mit auffälligem Heckspoiler, der nur noch knapp eine Strassenzulassung erhielt. 1998 wurde der 993 dann durch den 996 GT3 Cup ersetzt, gefahren von 1998 bis 2004. Dieser war genauso ein reinrassiger und nicht strassenzugelassener Rennwagen wie der Nachfolger, der ab 2005 eingesetzt wurde, nun über ein sequentielles Getriebe und Renncockpit verfügte. Gemeinsam ist allen Cup-Autos, dass sie in ziemlich überschaubaren Stückzahlen gebaut wurden und trotzdem, zusammen mit dem Ersatzteilgeschäft, für gute Umsätze bei Porsche sorgten. Knapp über 300 964 Cup-Rennwagen entstanden zwischen 1989 und 1993, die Nachfolger wurden in ähnlichen kleinen Stückzahlen gebaut.

Obwohl sie als Rennwagen gedacht waren, gelangten gerade die frühen Cup-Autos immer wieder auf die Strasse, sowohl vom 944 Turbo Cup-Rennwagen als auch vom 964 Cup wurden einige Exemplare auch auf der Strasse bewegt, auch wenn sie mit ihren farbigen Lackierungen und Beklebungen auffielen wie bunte Hunde. Der maritimblaue 964 Cup wurde vom letzten Besitzer 1991 neu für DM 130’999.99 (inkl. 14% Mehrwertsteuer) angeschafft und über mehrere Saisons bei Cup-Veranstaltungen gefahren. Als er mit dem 993 Cup in die nächsthöhere Rennklasse aufstieg, verkaufte er das Auto, nahm ihn aber später wieder zurück, um ihn mit beträchtlichem Aufwand komplett zu restaurieren, so wie er heute in erstklassigem Zustand dasteht. Heute kann man den 964 Cup nur noch in ausgesuchten Serien rennmässig einsetzen, die Nachfolger sind halt einfach deutlich schneller. Mehr und mehr treten die Cup-Autos aber auch an Oldtimer- und Youngtimer-Rennläufen auf, wo sie sich bestens in Szene setzen können.

Die Oldtimer Galerie Toffen versteigert am 16. Juni 2018 auf dem Dolder nicht nur den für diesen Bericht portraitierten 964 Carrera Cup von 1991, sondern auch den Vorgänger, einen Porsche 944 Turbo Cup von 1988, den 993 Cup von 1996, einen 996 Cup von 2005 und einen 997 Cup von 2006. Alle Fahrzeuge sind in perfekten und einsatzbereiten Zuständen. Die Modelle 996 und 997 haben seit der letzten Motorenrevision nur einige wenige Betriebsstunden gefahren und sind zT mit zusätzlichen Ersatzteilen verkaufsbereit». Mehr Infos: www.oldtimergalerie.ch.

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