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Test BMW Z4 20i

Geniessen können

Bevor wir zum G29 kommen, wollen wir an den E36/7 erinnern. Der Z3 war ab 1995 der erste BMW, der komplett ausserhalb von Deutschland gebaut wurde, man zielte auf den amerikanischen Markt und gegen Wechselkursschwankungen – und baute ihn deshalb in einem neuen Werk in South Carolina. Dort fand auch die Präsentation statt, ich war privat angereist, hatte vorher ein paar Tage in Florida und Charleston verbracht – und war in erster Linie froh, dass ich den gemieteten Pontiac Grand Prix wieder los wurde. Die Fahrt im Z3 durch das Hinterland von South Carolina war eine Offenbarung: Obwohl der Roadster auf dem damaligen 3er-Compact mit der nicht über alle Zweifel erhabenen Hinterachse basierte, war das Fahrvergnügen doch um Tausende von Meilen besser als jenes im US-Müll. Das kleine (4,02 Meter) und noch einigermassen leichte (1225 Kilo) Fahrzeug war die erste vernünftige deutsche Antwort auf den Mazda MX-5, definitiv nicht übermotorisiert (1,8 Liter Hubraum, 115 PS), aber fesch, auch optisch. Auch weil: Stoffdach (wir haben den SLK von Mercedes nie verstanden geschweige denn als gelungen empfunden, das Stahldach erschien uns immer irgendwie als Verrat an der Roadster-Idee, quasi: die Rentner-Variante). Dieser Bogen über die Geschichte erscheint uns noch wichtig, denn der neue Z4, eben: G29, verfügt wieder über ein Stoffdach, nachdem sein Vorgänger (E85, ab 2009) auch so ein unnötiges Stahldach spazieren geführt hatte. Und vor allem: Es gibt wieder einen Z4, seit 2016 war ja Sendepause gewesen. Welche Schuld Toyota an der Verzögerung trug, wollen wir gar nicht erst erörtern müssen, doch wenn man bei BMW nach Interna fragt, erntet man nur mitleidige Blicke und allenfalls als abwertend zu deutende Handbewegungen. Einfach der Informationspflicht halber: Es gibt den G29 auch als Toyota, dort Supra genannt, nur als Coupé erhältlich. Die Technik stammt komplett von BMW. Gut ist: Es kommen vorerst nur 900 Stück des optisch, hmm, nicht einfach verständlichen Japaners nach Europa. Gut ist ausserdem: Es folgt dann noch ein Fahrbericht.

Es gibt auch namhafte Stimmen, die empfinden das Design des neuen Z4 als nicht nur gelungen; wir empfinden die Zurückhaltung bei der Betonung der Niere als ganz angenehm, im Gegensatz etwa zu einem X7 oder der auf der IAA vorgestellten 4er-Studie. Die Seitenlinie ist aber schön, der Übergang ins Heck über eine Charakterlinie sehr gelungen. Dieses Heck ist sicher deutlich hübscher als beim E85 (ab 2002), wobei das nicht wirklich schwierig ist. Selbstverständlich ist der neue Z4 kein frecher, kleiner Roadster mehr, mit 4,32 Metern Länge und einem Leergewicht von 1,5 Tonnen ist er sehr erwachsen. Doch das ist wohl der Zeit geschuldet, Sicherheit und so. Gebaut wird der neue Z4 übrigens auch wieder nicht in Deutschland, sondern in Österreich bei Magna Steyr. Man darf dem Wagen eine sehr saubere Verarbeitung zubilligen – was ja gerade bei den frühen Z3 nicht ausschliesslich der Fall war.

Es war uns ein 20i gegeben, also die Einsteiger-Version mit einem Zweilter-Vierzylinder-Turbo, 197 PS und 320 Nm maximalem Drehmoment schon ab 1450/min, der seine Kraft über eine völlig unauffällig arbeitende 8-Gang-Automatik an die Hinterräder abgibt. Auch wenn das nicht gerade heftig erscheint, so beschleunigt der BMW trotzdem in beachtlichen 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und rennt maximal 240 km/h schnell. Es gibt selbstverständlich noch stärkere Maschinen, den gleichen Zweiliter auch mit 258 PS/400 Nm, im M-Topmodell (und im Supra) findet sich Sechszylinder-Turbo mit drei Liter Hubraum und 340 PS/500 Nm. Auch wenn wir weder 30i noch M40i gefahren sind: das geht ganz gut auch mit der schwächsten Variante. Ausser vielleicht bei der Geräuschentwicklung, da ist der Sechszylinder sicher feiner. Aber auch mit den knapp 200 Pferdchen zeigt der Z4 das, was BMW derzeit auszeichnet wie wohl keinen anderen Hersteller: Sportlichkeit und gleichzeitig eine sehr hohe Effizienz. Am Ende unseres Test hatten wir einen Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern, was für einen Roadster, der zumeist offen und ziemlich flott bewegt wurde, ein vorbildlicher Wert ist. Erreicht wurde dieser Verbrauch aber auch, weil wir auf den langweiligen Schweizer Autobahnen konsequent «Eco Pro» fuhren, einen Modus, den wir sehr schätzen, weil der Wagen dann wunderbar, in aller Ruhe gleitet.

Es wohnen aber zwei Seelen in der Brust auch des 20i, denn er kann schon auch: flott. Wenn das entsprechende Schalterchen gedrückt wird, dann werden die Schaltvorgänge schneller (er hält auch erstaunlich lange den Gang), die Lenkung straffer, die Dämpfung härter, das Auspuffgeräusch lauter. Und es entsteht tatsächlich das, was man als «Freude am Fahren» kennt, der BMW liegt wie ein Brett, er kommt schön und gut angekündigt und bestens kontrollierbar hinten (so man das will), die Lenkpräzision ist eine Pracht, die Kurvengeschwindigkeiten erfreulich hoch. Auch wenn die Schnauze lang ist und der Wagen breit, so vermittelt er doch ein gutes Roadster-Feeling, man will mit ihm offen über den Berg und über kurvige Landstrassen. Selbstverständlich wäre mehr Kraft auch noch mehr Freud’ – dies aber wohl auch bei der Rennleitung. Was er halt aber auch bestens kann: ganz friedlich durch die Landschaft rollen, ausreichend komfortabel dann, man hat die Musse, die frische Luft zu geniessen, diesen bisher so schönen Herbst.

Und es ist dies ja eigentlich der Sinn eines Roadster: der Genuss. Zwar ist der Z4 mit einem Kofferraumvolumen von 281 Litern durchaus auch alltagstauglich, beim geschlossenem Verdeck angenehm ruhig – und jederzeit unvernünftig genug, um den beiden Insassen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Ein fest montiertes Windschott verhindert zu heftige Verwirbelungen beim Offenfahren im Innenraum (man könnte auch darauf verzichten), man kann aber bestens bei offenen Fenstern durch die Landschaft gondeln, der Luftzug hält sich in Grenzen. Man sitzt aber unter freiem Himmel, sieht ihn, man riecht den Wald und das frisch geschnittene Gras, man hört die Glocken der Kühe, man ist mittendrin und nicht bloss dabei. Und man wünscht sich ausschliesslich sonnige Tage. Das Innenleben des Roadsters ist sehr hübsch und lässt sich mit entsprechendem Spaziergeld auch noch heftig aufwerten, das braune Leder und die Sport-Sitze erscheinen uns eine gelungene Kombination. Bei der matten Lackierung kann man dann wieder geteilter Meinung sein. Und so langsam gewöhnen wir uns auch an das BMW-Bediensystem – doch das ist ein Auto-Beschreiber-Problem, wer nicht dauernd unterschiedliche Marken fährt, hat das sicher schnell im Griff.

Mit einem Basispreis von 50’200 Franken ist der Z4 kein Sonderangebot – und man weiss, dass die Sonderausstattungen von BMW ein tiefes Loch ins Portemonnaie reissen können. Doch solch einen Wagen leistet man sich eh nicht aus Gründen der Vernunft oder weil er einen Preisvergleichstest gewonnen hat, also ist das auch nicht so wichtig. Als Gegenwert erhält man ein feines Stück Fahrzeug, sehr sauber verarbeitet und mit hochwertigen Materialien ausgestattet, das gerade offen einiges zur Verbesserung der Lebensqualität und Genussfähigkeit beitragen kann.

Mehr BMW haben wir in unserem Archiv.

2 Kommentare

  1. Baumberger Heinz Baumberger Heinz

    Das ist ein Test der Spitzenklasse wie ich vorher noch nichts Vergleichbares gelesen habe! Gratulation, auch zum Schreibstil, der einfach genial ist und eine reine Freude zum Lesen.
    Ich bin Fahrer eines 6-jährigen Z-4 2.0 und ihre Betrachtung des neuen Z-4 gab mir den Entscheid das neue Auto zu kaufen.
    Tests aus anderen Quellen waren kopflastig auf den M40i bezogen, aber für ein Cabrio sind nicht 360 PS das Gelbe vom Ei (vielleicht für D schon) und fast alle von ihnen so fein heraus gehobenen Qualitäten und Ausrüstungen treffen auch für den 2.0i zu.
    Sie haben das hervorragend und umfassend beschrieben und weil ich den „alten Z4“ gut kenne, kann ich es nachvollziehen.
    Ich danke Ihnen für den „Meister-Test“ und freue mich auf den neuen „kleinen“ Z4, aber es ist schade, dass nicht mehr über BMW im RADICAL zu lesen ist…

  2. Hüendli Hüendli

    Ich weiss nicht… auch wenn die ganze Z-Reihe (inklusive Fisker’s finest hour) ja nie wirklich typisch nach BMW aussah, setzt der G29 dem Ganzen doch die Krone auf – und rehabilitiert damit gewissermassen auch den oft geschundenen Christopher Edward Bangle. Ja, die Niere ist angenehm massvoll (und die Rückleuchten tragen noch das meiste Rot aller Neuerscheinungen), doch gerade die Front schafft leider das Kunststück, japanisch auszusehen, obwohl er gerade eben kein Japaner ist. Auch die Seitenansicht wirkt seltsam gequetscht und damit erstmals weit weg vom Roadster-Ideal. Summa summarum muss ich gestehen, dass mir die Supra besser gefällt, weil sie einfach stimmiger ist. Ein Armutszeugnis für, ja, für wen eigentlich? Autokonzerne haben die Designer, die sie verdienen – nach Mercedes nun offensichtlich auch BMW. Schade.

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