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Serenissima 3000SP

Wahnsinn.

Dass Serenissima die vielleicht mysteriöseste Marke der Automobil-Geschichte ist, haben wir schon einmal beschrieben, hier. Nachdem im vergangenen Jahr auf der Rétromobile in Paris schon drei Fahrzeuge aus dem Besitz von Graf Volpi di Misurata versteigert worden waren, kommt heuer, wieder bei Artcurial, noch einer der insgesamt fünf überlebenden Serenissma unter den Hammer, ein sehr spezieller Prototyp mit einer sehr aussergewöhnlichen Geschichte.

Es ist kompliziert (mal wieder). 1965 baute Bruce McLaren zusammen mit Robin Herd seinen ersten Formel-1-Rennwagen, doch der Ford-Motor, der diese Konstruktion hätte antreiben sollen, erwies sich als zu schwer. Doch bei Serenissima hatte Alberto Massimino, der zuvor bei Alfa Romeo, Ferrari und Maserti gearbeitet hatte, gerade einen komplett neuen 3-Liter-V8 mit vier oebenliegenden Nockenwellen und Doppelzündung konstruiert. Zwar war diese Maschine eigentlich nicht für den Rennbetrieb gedacht, doch sie war leicht und kompakt – und McLaren baute sie 1966 in den M2B-Formel-1 ein, schaffte sogar einen sechsten Rang in Brands Hatch. Die «Rechnung» bezahlte McLaren mit einem CanAm-Chassis. Das Serenissima mit einer hübschen, geschlossenen Karosserie einkleidete, die stark an den Ferrari P2/P3 erinnerte. Bei mindestens einem Rennen trat dieses Fahrzeug auch an, der Coppa Città di Enna im Jahr 1968, wo es fast so schnell war wie der Porsche 910 von Jo Siffert – und sowohl im Training wie auch im Rennen den zweiten Rang erreichte.

Für die Saison 1969 wurde der Wagen komplett umgebaut, er erhielt von Drogo einen Aufbau aus genietetem «Avional»-Stahl. Alf Francis, einst Mechaniker von Stirling Moss und von Graf Volpi als Nachfolger von Massimino engagiert, konstruierte für den 3-Liter-V8 einen neuen Zylinderkopf mit drei Ventilen pro Zylinder. Werkspilot John Williams erinnert sich, dass der Serenissima 3000SP zwar sehr hübsch aussah, aber bei höheren Geschwindigkeiten extrem instabil wurde. Weil man aber damals die Gesetze der Aerodynamik noch nicht wirklich verstand, wurde zwar viel gebastelt, aber halt keine gute Lösung gefunden; auch der Motor war nicht wirklich zuverlässig. So blieben die guten Resultate aus, ein dritter Rang von Williams beim Grossen Preis von Tirol blieb die einzige Podest-Platzierung. Graf Volpi verlor das Interesse am Rennsport, zwar startete der Serenissima 1970 noch bei zwei Rennen in Argentinien, doch dann verschwand er dort in einer Scheune. Erst vor zwei Jahren macht der Graf Geld locker, um den 3000SP wieder zu restaurieren, eine Arbeit, die er seinem ehemaligen Team-Chef Giuliano Giuliani übertrug.

Der Serenissima 3000SP kommt am 7. Februar 2020 bei Artcurial (Photos: Loïc Kernen) unter den Hammer – erwartet wird mindestens eine Million Euro. Andere aussergewöhnliche Klassiker finden sich alleweil in unserem Archiv.

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