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Peugeot 908 HDi FAP

Technologietransfer

Zu Beginn hiess das noch Peugeot Talbot Sport, 1981, als der kleine, mässig erfolgreiche Rallye-Fahrer, aber höchst talentierte Co-Pilot und Organisator Jean Todt auf Veranlassung des damaligen PSA-Chefs Jean Boillot die Sportabteilung für die Franzosen gründete. Der Erfolg kam ziemlich schnell, 1985/86 holte Peugeot den Weltmeister-Titel in der Rallye-WM, von 1987 bis 1990 konnte vier Mal in Folge die Paris-Dakar gewonnen werden, sogar Pikes Peak wurde zwei Mal erfolgreich bezwungen. Ende der 80er Jahre hatten die Franzosen offroad alles gewonnen, was man gewinnen konnte, man wollte sich in der Folge auf Rundstrecken-Rennen konzentrieren. Dafür wurde ein 3,5-LIter-V10 entwickelt, der es in seiner ersten Ausbaustufe auf 480 PS brachte. 1990 wurde der 905 getaufte Sportwagen erstmals eingesetzt, 1991 schaffte er die Pole bei den 24 Stunden von Le Mans, 1992 den ersten Sieg in der Sarthe – um seine Karriere dann 1993 mit dreifachen Triumph in Le Mans zu beenden. Weil Peugeot aber nicht mit einem eigenen Team in der Formel 1 antreten wollte (ab 1994 dann aber trotzdem verschiedene Teams mit Motoren belieferte), verliess Jean Todt Peugeot Sport und machte eine grosse Karriere bei Ferrari.

Erst Ende der 90er Jahre betrat Peugeot Sport die Rennsport-Bühne erneut – und gewann 2000, 2002 und 2002 erneut den Rallye-Weltmeister-Titel. 2005 kündigten die Franzosen an, wieder bei den Sportwagen antreten zu wollen, wieder den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans vor Augen zu haben – und dies mit einem Fahrzeug, das von einem Diesel-Motor angetrieben werden sollte. Mehr noch: Der 5,5-Liter-V12 mit mindestens 700 PS und einem maximalen Drehmoment von 1200 Nm war mit seinem direkt aus der Serie übernommenen Dieselpartikelfilter (FAP, wie das die Franzosen nennen) der «sauberste» Rennwagen seiner Zeit. Es war dies Technologietransfer für einmal in umgekehrter Richtung – und selbstverständlich auch feines Marketing. Bilder unten: ein Exemplar von 2007, Chassisnummer 02.

Der Berichterstatter kann sich an den 10. Januar 2007 erinnern, als der Peugeot 908 HDi FAP in Mortefontaine bei Paris einigen Journalisten zum ersten Mal fahrend vorgeführt wurde. Es war nicht nur eiskalt, sondern vor allem: beeindruckend: Die Geräuschentwicklung des mächtigen Selbstzünders war ein tiefes Donnergrollen, das sich bei höheren Drehzahlen zu einem Orkan wandelte. Der 908 verfügte über ein Karbon-Monocoque, vorne und hinten eine Pushrod-Aufhängung, eine Servo-Lenkung und ein halbautomatisches 6-Gang-Getriebe, das die immense Kraft des V12-Diesel so einigermassen auf den Boden zu bringen versuchte. Gleich im ersten Rennen, bei den 1000 Kilometern von Monza im Frühling 2007, konnten Minassian/Gené die ersten Pole Position und auch noch den Sieg einfahren. In Le Mans mussten die Franzosen sich allerdings einem ebenfalls dieselgetriebenen Audi geschlagen geben. Auch 2008 reichte es nur für den zweiten Platz, obwohl die Peugeot eigentlich schneller waren als die Audi. Zumindest auf trockener Strasse, denn während einer Regenphase in der Nacht verloren die 908 bis zu 10 Sekunden pro Runde, die sie bis zum Schluss des Rennens nicht mehr aufholen konnten. 2009 dann konnte Peugeot die 24 Stunden von Le Mans endlich wieder gewinnen, es reichte sogar zu einem souveränen Doppelsieg. Bilder unten: Chassisnummer 05 von 2008.

Insgesamt neun dieser Peugeot 908 wurden gebaut und bis 2010 bei Rennen eingesetzt; danach wurden einige Fahrzeuge noch von Oreca an den Start gebracht. Erstaunlich ist, dass Peugeot mindestens zwei Exemplare dieser 908 HDi FAP auf öffentliche Versteigerungen brachte – und bei Auftritten bei historischen Rennen auch noch betreute. Das ist erfreulich, denn allein der Sound ist schon ein Erlebnis. Der Nachfolger, nur noch als Peugeot 908 bezeichnet und mit einem kleineren, zwangsbeatmeten V8-Diesel ausgerüstet, war dann nicht mehr wirklich erfolgreich und wohl auch deshalb der (vorläufige) Schwanengesang von Peugeot Sport. 2022, so heisst es, wollen die Franzosen in die Sarthe zurückkehren.

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