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Audi Q7 60 TFSIe quattro

Der dicke (Kilo?)Watz

Es gibt wenig Unerfreulicheres als einen Einkauf bei Ikea. Über vorgeplante Wege hinter all den ideenschwangeren homo constructus einherbummeln, nur zwei Teile brauchend und dann doch wieder mit 47 Artikeln an der Kasse in einer gigantischen Schlange stehen.

Corona hat unser Einkaufserlebnis bei den Schweden dann aber völlig auf den Kopf gestellt. Das System nennt sich Click & Collect und es ist: ein Traum. Man baut sich den Warenkorb daheim online zusammen, bestellt, wählt einen Abholtermin aus und fährt dann los. Am Parkplatz wird man mit Sicherheitsabstand eingewiesen, wählt eine Telefonnummer, sagt sein Sprüchlein auf – und schon kommt ein netter Mann mit einem Einkaufswagen und stellt ihn direkt am eigenen Auto ab.

Wenn dies dann noch ein Audi Q7 60 TFSIe quattro ist, dann macht der Einkauf gleich doppelt Spaß. Denn während die Nebenanparker mit dem Tetris-spielen im höchsten Level beschäftigt sind, wirfst Du die Schränke einfach in den Audi. Mit einem Handgriff liegt die Rückbank flach, auf Knopfdruck bückt sich das Luftfahrwerk am Heck extratief und der Beifahrersitz gleitet ebenfalls elektrisch nach vorne und gibt so noch einen halben Kubikmeter extra Raum frei.

Allerdings fährt man selten zu Ikea und kauft eine komplett neue Einrichtung. Und wenn, dann könnte ein gemieteter Bus das Ganze noch besser verpacken. Im Alltag schlägt ein normaler Kombi den Q7 dann auch immer – oder?

So dachten wir auch lange Zeit, eigentlich immer. Doch die zwei Wochen mit der grossen E-Lok haben uns dann doch verändert.

Was wohl von Karajan dazu gesagt hätte, denken wir nach, als uns der Kontrabass seiner mit den Wiener Philharmonikern aufgenommenen Vivaldi-Interpretation fast das Trommelfell zerreisst. Ihm wären in seinem Leichtbau-turbo wahrscheinlich die Augen geplatzt im Angesicht des fetten Ingolstädters. Dem reisst es auch nur dank der doppelt verglasten Scheiben kein Fenster aus der Verankerung, wenn die Tieftöner des Bang&Olufsen-System richtig einfahren.

1920 Watt. So eine Zahl kennt man eigentlich nur von der Starterleistung. Zweikommasechs PS – für die Musik. Es ist Wahnsinn, auch preislich, aber der Plugin-Hybrid wird ja incentiviert, da geht sich dann ein Lautsprechersystem für über 6000 Franken aus. Natürlich ist 80% des Preises Show, es muss einfach teuer sein – sonst kann es ja nichts sein. Doch es gibt dann auch schon noch einen Gegenwert. 23 diskrete Kanäle, jeder also für seinen ganz eigenen Lautsprecher zuständig. Alles aufwändig eingemessen und abgestimmt. Es klingt: perfekt. Nicht zuletzt, weil der Q7 eine Burg ist. Die Verarbeitung misst sich eben auch daran, wie fest die Türverkleidung an selbiger montiert ist, denn: da scheppert nix.

Auch optisch ist das alles ein Erlebnis. Die Hochtöner-Türmchen etwa, die mit jedem Fahrzeugstart aus dem ledernen Armaturenbrett fahren. Oder das dezent beleuchtete Logo auf den gelaserten Aluminium-Gittern in den Türen. Ja, die Liebe zum Detail, sie kommt hier und auch dort schon sehr deutlich zur Geltung bei Audi.

Sicher, mit dem Facelift kamen die feinen Klimaregler abhanden, stattdessen muss nun auf ein Display getippt werden. Aber an sich ist das auch okay, denn wer verstellt schon die Klimaanlage, so sie denn gut funktioniert? Und das tut sie im Audi. Es ist also alles okay, man muss nicht meckern.

Auch die Navi-Einheit funktioniert gut, was wichtig ist, denn nur mit ihr läuft der Audi Q7 60 TFSIe zu echter Hochform auf. Warum? Weil sie der Dreh- und Angelpunkt für den Prädikativen Effizienzassistenten ist. Besser noch als selbst der erfahrenste Indianer kann er nicht nur Spuren lesen, sondern auch die zukünftige Strecke. Er erkennt Kurven, Gefälle, Steigungen, Kreuzungen, Verkehrsschilder und andere Fahrzeuge. Das alles rechnet er zusammen und sorgt dafür, dass der grosse weisse Wagen mit perfekt angepasstem Tempo dahingleitet.

Fährt weiter als die Norm: der Audi Q7 60 TFSIe

Und es funktioniert wirklich ausnahmslos gut. Unsere Elektroreichweite, die mit teils mehr als 50 Kilometern deutlich über dem Normwert von nur 43km lag, zeigt das. Für den täglichen Stop&Go-Pendelverkehr ist der TFSIe Q7 entsprechend bestens gerüstet. Auf weiteren Strecken springt ihm dann der Dreiliter-V6-Turbo bei, dessen unterstützende 340PS und 450Nm mächtig anschieben.

Dabei ist es vor allem das Unmittelbare, das wir so gar nicht von den anderen V6-Turbos aus Ingolstadt kennen. Ohne jede Gedenksekunde legt der 60er Q7 los, man ist nicht nur im ersten Moment überrascht, sondern auch im zweiten, dritten, vierten. Überrascht vor allem deshalb, weil diese 700 System-Nm derart souverän aus dem Wandler spielen, dass man sich fragt, warum Audi das nicht als RS-Antrieb genommen hat in der kleineren Klasse.

(Ja, natürlich ist uns die 350kg Gewichts-Penalty des Hybrid-Systems bewusst und das man jenen nicht einfach in einen RS4/5 verpackt, aber noch einmal: der Antrieb ist eine Macht im Vergleich zu diesen emotionslosen Plärrern, die da 3.0T und 2.9T heissen.)

Diese absolute Souveränität passt gut zum Rest dieser fahrenden Kathedrale: alles ist bedingungslos komfortabel, praktisch lautlos und absolut luxuriös.

Und ja, natürlich ginge es besser, leichter, grüner, ökoiger. Mit weniger Verschwendung öffentlichen Verkehrsraums, kleinerer Stirnfläche, weniger Protz. Aber: der Kunde kauft es eben nicht. Er will: Fett. Und das kriegt er in Form des Audi Q7 60 TFSIe quattro vielleicht in der besten Form für alle Beteiligten.

Denn die meisten der grossen SUV finden die perfekte Infrastruktur vor: in der heimischen Garage des noblen Vororts. Dort werden sie geladen und fahren dann elektrisch zur Schule, zum Sport, zum Shopping. Und mit der aktuellen Generation des PHEVs geht sich das wirklich aus. Selbst wenn nach 50 Kilometern der Verbrenner mittut, so ist er am Ende dann doch extrem sparsam.

Das Feindbild des Ressourcenverschwenders passt also nur noch zum Teil auf den Audi Q7 60 TFSIe. Natürlich muss man ihn sich auch leisten können, im vollen Ornat kostet er über 140’000 CHF. Doch dafür gibt es den derzeit mit Abstand besten SUV aus Ingolstadt.

Technische Daten:

Modell: Audi Q7 60 TFSIe quattro S-Line
Motor: Sechszylinder V-Motor Turbo, 2‘995ccm
Leistung: 340PS (250kW)
Drehmoment: 450Nm
Elektromotor: Permanenterregte E-Maschine
Leistung: 128PS (94kW)
Drehmoment: 350Nm
Systemleistung: 456PS (335kW)
Systemdrehmoment: 700Nm
Antrieb: Allradantrieb, 8-Gang-Automatikgetriebe
Verbrauch kombiniert (NEFZ): 3,0l/100km + 22,9kWh/100km
Testverbrauch: 8,8l/100km + 4,1kWh/100km (Langstrecke)
Testverbrauch elektrisch: 27,1kWh/100km (rein elektrisch bei 45km gefahrener Strecke)
Beschleunigung (0 – 100 km/h): 5,7s
Höchstgeschwindigkeit: 240km/h (abgeregelt)
Abmessungen (L/B/H): 5,06m / 1,97m / 1,74m
Gewicht: 2‘535kg
Grundpreis: 89.500 EUR
Testwagenpreis: 123.825 EUR

Ein Kommentar

  1. KeinBedarf KeinBedarf

    Heute mal wieder in der Innenstadt gewesen: Der vorletzte Absatz stimmt nur bedingt, denn:
    So ein Fahrzeug verlässt – seiner Natur als „Fahrzeug“ geschuldet – „die perfekte Infrastruktur“ aus „der heimischen Garage des noblen Vororts“ durchaus gelegentlich…
    … dann findet es sich in der Innenstadt, pilotiert von ungeduldigen, manikürten Fingernägelchen, die weder Ortskenntnis noch Nerven haben, die „Burg“ in die Nähe einer passenden Baulücke zu navigieren – in welche sie (die Burg) sich dann selbsttätig zwängen würde -; noch hätte sie (die Pilotin) die Ausdauer, auf den Pfennigabsätzen den Weg zum eigentlichen Ziel der Reise anzutreten.
    Kurz: Das Fahren wird exakt dort beendet, wo das Ziel der Reise liegt. Im nicht seltenen Zweifel in zweiter Spur, auf dem Fahrradweg oder auf dem Trottoir.

    Dass der Kunde es nicht „kauft“ ist gut erfasst. Der Kunde mietet.
    Im Regelfall als Handelnder eines Geschäfts für eine Frist von max. 36 Monaten.
    Danach ist dann auch irgendwie das „Fett“ weg. Nächster.

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