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Lamborghini Huracan Evo RWD Spyder

Wie es sein muss

Einst, da waren selbstverständlich alle Lamborghini heckgetrieben, inklusive der ab 1948 produzierten Traktoren. Als Ferruccio Lamborghini 1963 seine Sportwagen-Marke gründete, hatte ein echter Sportwagen den Motor vorne und die angetriebenen Räder hinten, etwas anderes kam gar nicht in Frage, denn wie sagte der grosse Konkurrent Enzo Ferrari doch so schön, sinngemäss: die Pferde ziehen die Kutsche, sie stossen sie nicht. Der erste Prototyp, der 350 GTV mit Design von Franco Scaglione und Motor von Giotto Bizzarrini, hatte Heckantrieb, die ersten Serienmodelle, 350 GT/400 GT, hatten Heckantrieb, der Islero hatte Heckantrieb, auch der Miura hatte Heckantrieb, den Motor dann allerdings schon in der Mitte. Das blieb so, bis 1982 der LM002 auf den Markt kam, doch dieser Geländewagen war eh ein Ausreisser, in jeder Hinsicht. Alles anders wurde aber nicht etwa mit der Übernahme von Lamborghini durch Audi im Jahre 1998, denn es gab auch schon den ab 1990 gebauten Diablo als VT (für Visco Traction), dies ab 1993. Aber seit Audi den Ton angibt und 2001 als erstes Modell den Mucielago auf den Markt schob, da wurde der klassische Heckantrieb in Rente geschickt: 4×4 wurde für Lamborghini zum Markenzeichen.

Es kam deshalb ziemlich überraschend, als Lamborghini 2009 zu seinen Wurzeln zurückkehrte. Der Gallardo LP 550-2 «Valentino Balboni» verfügte über Handschaltung – und ausschliesslich Heckantrieb. Dass dieses Modell mit der Unterschrift des legendären Testfahrers geadelt wurde, zeigte auch auf, dass nicht alle Italiener komplett begeistert waren von der Geländewagen-Konfiguration der damals aktuellen Lamborghini-Modelle. In der Folge kamen dann diverse Sondermodelle des Gallardo ausschliesslich mit Heckantrieb, böse Zungen behaupteten, dass die wahren Liebhaber diese bevorzugten und die Allradler gegen Ende der Gallardo-Produktion kaum mehr zu verkaufen waren. Kein Wunder, dass auch vom Nachfolger, dem Huracan, schon ein Jahr nach der Vorstellung des selbstverständlich wieder allradgetriebenen Basis-Modells eine «abgespeckte» Variante mit nur Heckantrieb angeboten wurde. All diese neuen Hecktriebler von Lamborghini mussten allerdings damit leben, dass sie einige PS weniger mit auf den Weg bekamen – dafür waren sie aber etwa 50 Kilo leichter. Aus verständlichen Gründen schafften sie auch nicht ganz die exzellenten Fahrleistungen der 4×4-Varianten, es kann da beim Sprint von 0 auf 100 km/h dann durchaus bis zu einem halben Sekündchen fehlen; dafür ist der Verbrauch dann halt minim geringer, zumindest auf dem Papier.

Die schärfste Waffe unter den heckgetriebenen Lamborghini ist derzeit der Huracan Evo RWB (den es unterdessen auch noch offen gibt). Klar, die 610 PS und die 560 Nm maximales Drehmoment lassen sich nicht mit herkömmlichen Mitteln wie Fahrkunst und Grip beherrschen, deshalb hilft eine ausgeklügelte Traktionskontrolle mit dem phantasievollen Namen Performance Traction Control System (P-TCS), deren Scherz darin liegen soll, dass sie jederzeit so viel Drehmoment zur Verfügung stellen kann, dass die sonst übliche (elektronisch erzwungene) Unterbrechung des Kraftflusses beim Traktionsverlust kein Ding mehr ist. Zumindest auf dem Papier. Ganz besonders im Corsa-Modus soll sich das positiv – in Form eines deutlich sanfteren Regeleingriffs – auf das Fahrverhalten und die möglichen Driftwinkel auswirken. Man könnte dann die Frage stellen, warum im Renntrimm überhaupt etwas geregelt werden muss, aber wir machen das hier lieber nicht. Der Huracan Evo verfügt nicht über eine aktive Aerodynamik wie der unterdessen nicht mehr produzierte Performante, man darf aber davon ausgehen, dass diese dann bei einer weiteren Spreizung des eh schon unübersichtlichen Modellprogramms zum Einsatz kommen wird.

Mehr Lamborghini haben wir in unserem Archiv, zum Beispiel reichlich schöne Miura-Anekdoten.

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