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Ford Mustang 2024 (Dark Horse)

Wake-up call

Man darf jetzt schon etwas erstaunt sein: Ford hat auf der NAIAS in Detroit nicht bloss die 7. Generation des Mustang rausgehauen, sondern auch gleich noch seine dunkle Seite offengelegt. «Dark Horse» heisst ein neues Performance-Programm und kommt mit einem strassentauglichen Renngerät, mehr als einem halben Dutzend Ableitung inkl. GT3 sowie der Ankündigung der Rückkehr zu den 24 Stunden von Le Mans.

Aber der Reihe nach, ganz vernünftig. Oder eben nicht: Irgendwie scheint Ford etwas trotzig zu sein. Zwar spielt man selber eine wichtige Rolle im E-Geschäft, doch den neuen Mustang bezeichnet Ford als «wake-up call». Ja, man darf Spass haben am Autofahren, am Lärm, am Driften, propagiert Dearborn. Und gibt dem neuen Mustang deshalb keinen Plug-in-Hybrid mit auf den Weg, nicht einmal einen milden Hybrid, sondern den stärksten Coyote-5-Liter-V8 aller Zeiten. Samt manuellem Getriebe.

Der Mustang verkauft sich ausgezeichnet. Er war im vergangenen Jahr zum siebten Mal in Folge das meistverkaufte zweitürige Coupé der Welt; man muss darüber jetzt nicht nachdenken, sondern es einfach so mitnehmen. Zwar werden fast 85 Prozent der Ponies in den Vereinigten Staaten abgesetzt, doch für die Marke ist der Mustang weltweit ein sehr wichtiger Image-Träger. Und diese «petrolhead»-Ikone wollen die Amerikaner nicht einfach wegschenken, ganz im Gegenteil: Sie machen alles, um die loyale Kundschaft auch in den nächsten Jahren zu begeistern. Und sie holen die Generation Z an Bord.

Unter dem Blech bleibt vieles gleich, Unterbau, Radstand, Spur. Doch optisch wird die 7. Generation deutlich geschärft, klar, schmalere Lampen, geducktere Haltung vorne. In der Seitenansicht wirkt der neue Mustang nun vor allem im hinteren Bereich viel aggressiver, es gibt eine schöne Kante im hinteren Kotflügel – und einen noch deutlicheren Knick unter der Kofferraumkante, die auch als integrierter Spoiler dient. Das Design hat deutlich gewonnen, der neue Mustang ist eine positiv moderne Interpretation einer Legende. Die es selbstverständlich weiterhin auch offen gibt.

Sowohl der EcoBoost-Vierzylinder wie auch der Coyote-Achtzylinder wurden selbstverständlich überarbeitet, mehr Effizienz, weniger Verbrauch. Doch bei 5-Liter-V8 fand man auch noch ein paar Pferdchen, 507 werden es wohl sein, die endgültige Homologation steht noch aus. Es wird, wie erwähnt, weiterhin den manuellen 6-Gänger geben, auf Wunsch ist auch die bekannte 10-Gang-Automatik erhältlich. Die Fahrleistungen sind noch nicht bekannt, aber man darf davon ausgehen, dass sie besser sind als bislang. Und sie waren ja bislang schon ganz anständig.

Innen ist dann alles anders: zwei mächtige Bildschirme gehen ineinander über, das sieht schon fast wie Hyperscreen aus – und ziemlich cool. Die zwei Touchscreens lassen sich selbstverständlich individuell konfigurieren, das ist auch der Plan dahinter: gamification. Jüngere Menschen wollen es verspielter, glaubt man bei Ford erkannt zu haben, also kriegen sie auch die Möglichkeiten dazu.

Doch da sind noch mehr Spielsachen. Auf jeden Fall spannend ist die elektronische «drift brake», die nicht nur wie die Handbremse in einem Rallye-Auto aussieht, sondern auch so funktioniert. Zwar regelt der Computer die genaue Bremswirkung auf die Hinterräder, da gibt es auch verschiedene Programme, doch die Möglichkeiten dieses Wunderwerks dürften gewaltig sein; im Video sieht es grossartig aus. Nicht wirklich vernünftig erscheint uns die Möglichkeit, das Fahrzeug auch «remote», also von aussen, starten und hochdrehen lassen zu können. Aber hey: Cars & Coffee, das ist das grosse Ding in den USA.

In den Vereinigten Staaten wird der neue Mustang ab Sommer 2023 zu kaufen sein, Preise gibt es selbstverständlich noch keine. Aber: es gibt noch mehr. Ob die Shelby-Variante in Zukunft wegfallen, das wollte Ford nicht kommentieren, doch man jetzt auf jeden Fall auch ein eigenes Performance-Pferd im Stall: Dark Horse. Das ist in erster Linie ein nochmals geschärfter 5-Liter-V8, der es nur in Verbindung mit dem gröbsten Performance-Pack und einer neuen 6-Gang-Handschaltung von Tremec gibt. Mehr als 500 PS, das ist klar, das eine oder andere Kilo darf auch noch weg.

Es gibt den Dark Horse S für Track-Days und den Dark Horse R für den Drag Strip. Und es gibt ein ganzes Programm für Kundensport-Fahrzeuge, inkl. GT3 und GT4, IMSA, NCHR, Australian Supersports und so weiter. Und am Schluss stand auch noch Bill Ford auf der Bühne und verkündete, dass Ford mit dem Mustang bei den 24 Stunden von Le Mans antreten wird. Wir nehmen an: GT3. Und ja, das wird definitiv zum «wake-up call» – das Publikum war auf jeden Fall begeistert. Doch Ford machte das auch prächtig, eine Stampede von rund 1000 Mustang quer durch Detroit, dann eine Open-Air-Präsentation mit reichlich Show-Effekten. Da wollen wir doch gerne auch ein bisschen das Publikum zeigen.

Zu den rund 1000 Mustang war leider fast kein Durchkommen, deshalb fällt diese Galerie eher dürftig aus, sorry:

Mehr interessante Fahrzeuge gibt es in unserem Archiv.

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