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radical zero: Test Fiat Grande Panda

So nicht!

Die Verkaufszahlen 2025 sind gerade in der Schweiz eine Katastrophe, der Markt liegt per Ende Juli bei minus 5 Prozent gegenüber dem schon miserablen Vorjahr. Klar, da gibt es wirtschaftliche, politische und überhaupt Unsicherheiten, vielen Dank aber auch, Du Idiot von einem Potus. Aber eine nicht unwesentliche Schuld an der Misere trifft auch die Hersteller: Sorry, wer will das kaufen, was aktuell im Angebot steht? Klar, es gibt Ausnahmen, Renault scheint gut aufgestellt, BMW auch, aus China kommen interessante Fahrzeuge – aber Stellantis und insbesondere seine italienischen Ableger haben ganz ernsthafte Probleme. Maserati, leider müssen wir das immer wieder schreiben, steht sehr kurz vor dem Abgesang, Alfa Romeo geht es leider kaum besser – und Fiat ist auch nur noch ein Schatten davon, was es in den letzten zehn Jahren gar nicht mehr war. Vielleicht, hoffentlich kann da der neue-alte 500er, dieser ewige Besteller, als Hybrid etwas Entspannung bringen. Denn der Grande Panda, der schafft das sicher nicht. Dieses Fahrzeug gehört auf die Liste der «unverständlichsten» Automobile überhaupt (die bei mir vom Mitsubishi Space Star (der mich einen gut bezahlten Job gekostet hat – und da wusste ich noch nichts vom Attrage…) angeführt wird).

Gut, ich muss das jetzt auch gleich relativieren. Wenn es fährt, dann ist es ganz ok – auf meiner Hausstrecke hab ich kürzlich eine ganze Horde, in ihrer eigenen Einschätzung wohl ziemlich sportlicher, Cabrio-Fahrer auf ihrem Jahresausflug vernascht. Wenn man die Ecken kennt und wo es Überholmöglichkeiten gibt, dann macht man auch im Panda (oder dem Space Star) noch so manches darnieder, was sich flotter fühlt. Das Fahrwerk ist ganz gut, die Lenkung irgendwie nicht so wichtig, da hält man halt dagegen, wenn es in der Biegung nicht so passt; die aggressive Fahrweise ist allgemein nicht so das, was Stromer schätzen, doch es geht sich dank tiefen Schwerpunkt meist ganz gut aus. Aber klar, Racing ist das mit 113 PS und 122 Nm maximalem Drehmoment und 1,5 Tonnen Gewicht eh nicht; der 500 SL und sein durchaus bemühter Lenker sahen trotzdem so alt aus, wie sie es halt sind.

Der Grande Panda basiert auf der CMP-Plattform von Stellantis, wie der Opel Frontera und der Citroën C3. Mit einer Länge von 3,99 Metern ist er im Vergleich zu echten Pandas tatsächlich grande – und mehr als doppelt so schwer wie sein Grossvater, der legendäre Tipo 141. Es gibt den Italiener, der im serbischen Kragujevac gebaut wird, zwar auch als Hybrid (110 PS, ab 18’990 Franken), doch die Hoffnungen ruhen schon auf dem reinen Stromer. Und da sind wir dann beim Problem: Die Batterie ist mit 44 kWh Kapazität halt schon eher klein gehalten. Wenn man das Fahrzeug also im sinnvollen State of Charge von 20 und 80 Prozent bewegt, stehen einem noch 26 kWh zur Verfügung. Teilt man dies durch den vom Werk angegebenen Verbrauch von 16,8 kWh/100 km, dann kommt man auf eine «realistische» Reichweite von etwa 150 Kilometern. Nun, wir verbrauchten mehr, eher so gegen 20 kWh/100 km, auch deshalb, weil man die vorhandene Leistung dauernd einfordern muss, damit man einigermassen vom Fleck kommt, was bedeutete, dass wir so alle 130 Kilometer mal wieder nach einer Ladestation Ausschau hielten.

Und dort kommt dann gleich nochmals das böse Erwachen: Fiat behauptet zwar, der Grande Panda könne mit maximal 100 kW geladen werden. Mehr als 65 kW schaffte er aber nie (und wir haben es nun wahrlich oft genug versucht); bei 40 Prozent SoC taucht er dann schon auf 40 kW runter, bei 70 Prozent sind es dann noch 20. Man steht also nicht nur oft am Schnelllader, sondern trotz der kleinen Batterie auch lange. Vorwärmen des Akkus geht nicht, denn über so etwas wie eine Reiseplanung verfügt der Fiat nicht. Überhaupt ist das Navi von kurz nach der Erfindung ebendieses, aktiv ist es sowieso nicht, doch es sind auch Strassen, von denen ich weiss, dass es sie seit etwa zwei Jahren gibt, schlicht und einfach nicht vorhanden. Was dazu führte, dass ich im Chaos rund um den Basler Flughafen einmal 40 Minuten verblödete – und dann natürlich auch schon wieder laden musste.

Er ist also kein gutes Elektro-Auto, der Fiat Grande Panda – er bestätigt, zementiert ganz viele der Vorurteile gegenüber Stromern. Und genau das kann die Branche jetzt nun wirklich nicht brauchen. Doch der Italiener hat meiner Ansicht nach noch ein weiteres Problem: Er ist komplett über-designt. Es soll jetzt hier nicht die Axt der Vergangenheit geschwungen, dem so genialen, weil so simplen Tipo 141 nachgetrauert werden, doch was sich die Italiener beim Grande Panda genau überlegt haben, das dürfte für immer ein Rätsel bleiben. Da ist viel zu viel unnützer Raum verbaut, eigentlich möchte er ein bisschen ein Jeep sein, der Fiat – der dafür mit der Aerodynamik einer Wand bezahlt. Unter der langen, sehr hoch angebrachten Fronthaube finden sich wild verstreut die Strom-Innereien – und viel Luft, was definitiv nicht für ein gutes Packaging spricht. Es steht etwa 20x Mal Fiat auf dem Auto, es hat so viele Gimmicks und Brüche und Lustigkeiten, das ganze Auto sieht aus, als ob Designer-Lehrlinge ohne Aufsicht Lego-Steine mit Holz-Bauklötzchen und Backsteinen durchmischt haben, da noch ein Dings und dort noch ein Dödel und hier noch ein Farbstreifen, aussen wie innen. Man sitzt wieder einmal viel zu hoch (auf immerhin bequemen Sitzen), in der zweiten Reihe ist dafür kaum Raum (immerhin ist der Kofferraum mit seinen 361 Litern Fassungsvermögen tauglich).

Das komische Ding kommt dann auch noch mit einem komischen Slogan («Life is pandastic» – als ob es nie eine Pandemie gegeben hätte) und kostet in der Schweiz ab 24’900 Franken. Damit gehört er zu den derzeit günstigsten E-Fahrzeugen – und das ist dann auch das einzige starke Argument für den Italiener. Doch prüfe, wer sich ewig bindet – viel mehr als in der Stadt umherrutschen kann man mit dem Grande Panda nicht. Ob man dafür ein Pseudo-SUV braucht, diese Frage kann man sich ja selber beantworten. (Wir sind den Citroën eC3 auch schon gefahren, der kostet gleich viel, kann aber einiges deutlich besser – wir werden noch davon berichten.)

Mehr Strom? zero. Alles andere: Archiv.

9 Kommentare

  1. Christian Christian

    Oje, Herr Ruch, das was Sie da beschreiben habe ich mir gedacht, als ich die ersten Bilder dieser „Krücke“ sah (Aussen hui, innen pfui). Ist das ein Fiat? Definitv nein! Denen ist die Klein- und Gebrauchswagen-DNA, die seit dem Topolino gepflegt wurde, komplett abhanden gekommen. Schade, aber ich befürchte wir müssen uns damit abfinden, dass aus „der Ecke“ nix Gescheites mehr kommt. Diese „Kiste“ hat nichts, aber auch gar nichts mit der ursprünglichen „tollen Kiste“ gemein. Die heutigen Entwickler haben auch die Ur-Kiste nicht verstanden. Noch tragischer, es gab die Ur-Kiste schon als Elektroauto. Als Panda-Elettra von 1990 bis 1998 – vielleicht noch ein wenig rustikal zur damaligen Zeit, aber immerhin.
    Aber warum solls bei Fiat/Stellantis anders zugehen wie bei den europäischen Mitbewerbern? Da würde wohl nur Phantsie und Mut helfen, aber die Damen und Herren der Plüschetagen haben weder das Eine noch das Andere – es geht nur um Millionengehälter, dann den Konzern lauter, a priori erkennbaren Fehlentscheidungen kaputtmachen und dann schnell weg zum nächsten Opfer.

  2. Ralph Ralph

    Ich musste so lachen. Danke für den witzigen Beitrag zu einem traurigen Auto.

  3. rolleu statzinger rolleu statzinger

    Darf ich relativieren? Merci..

    Die sog. Konkurenz aus China kann gar nichts besser.
    Wie Sie wissen, rennt die Agenda von Tschi Tschi Ping, etz..

    Stelantis im Besonderen, hätte einige Perlen, aber man verzettelt sich.
    Das Verzeteln scheint derzeit ein Trend zu sein, der global rennt.
    Wie stehn nun die Zeichen der Zeit?
    Genau, jetzt soll ich Geld ausgeben, gewiss sehr viel sogar, und nichts ist
    2025 mehr sicher.
    Dann kann mein Alter ja weiter, und der kann das ganz gut.
    Es spielt keine Rolle ob das ein normaler Audi, Citroen, Bmw; usw ist.
    Der User, hat Verstand.
    Und wir sind doch hoffe ich, mondieu, verscheiden. Es wäre trauirig wären wir,
    wie sagt man, eine einfache singuläre homogene Masse.
    Eben.
    Der Panda würde funktioniren, hätte man den elektrisch mit 45-50 kw, kleiner
    Battrei und sehr leicht um 10.900,- Euro ins Regal gestellt.
    Er würde einen Markt decken- ist er aber so teuer wie fast ein Renault R5, nogo.
    Der Renault r5 ist ein Glücksgriff. Er ist stimmig, kein Suv und fast leistbar.
    So etwas könnte ein Vw Golf sein, wenn dort die 1000000 Manager aufwachen.
    Amerika-mit diese verrückte Trump?
    Ich soll dann das dumme Produkt Tesle kaufen? Nein.

    Und wir vergessen, was ist möglich, zb in Paris, da fahre ich mit dem Rad.
    Mit dem Auto? ich bin nicht wahnsinnig. Gilt für ganz Europa.
    Am Land, schön im Porsche 911, vor allem im Stau und bei Tempo 30 50 70..
    Was ich schön fände, wenn ein Hersteller sich mal was traut, kleiner leichter
    und wenig Schnickschnagg oder so.

    es gibt so viele Dinge die ich mit weniger Geld machen kann.
    Ein grausam gezeichnetes Auto aus China um 40, 50 oder 60.000 Euro nicht.
    Gebt dem Fiat eine Change..
    Aus Liebe zu unseren Zeiten, als wir jung waren und es noch sind.
    Und ein normaler BMW mit 100 ps und 1200 Kilo.. geht das nicht oder wollen die
    nicht?

    Merci Rolleu 🙂

    • Christian Christian

      Lieber Rolleu,

      volle Zustimmung zu:
      Der Panda würde funktioniren, hätte man den elektrisch mit 45-50 kw, kleiner
      Battrei und sehr leicht um 10.900,- Euro ins Regal gestellt.
      aber:
      Und ein normaler BMW mit 100 ps und 1200 Kilo.. geht das nicht oder wollen die
      nicht? Wie der gute 02er?
      Nein, die können nicht, ergo wollen sie nicht und es reicht im Hirn nicht!

  4. In der Tat sind an und in diesem Auto Elemente für ein ganzes Designerleben zu finden, man hat den Eindruck, daß jeder der Praktikanten im Studio ein bestimmtes Detail entwerfen durfte…

    Das man es bei Fiat besser kann, beweist der 500 e, ich habe das Auto ab und zu als Car-Sharing-Fahrzeug und finde es ausnehmend gut gestaltet, außen wie innen.
    Das Design des 500 e ist tatsächlich noch um einiges moderner und straffer als das des konventionellen 500, nur ist er leider in jede Dimension um einiges größer geraten als der Benziner.

    Der sogenannte Grande Panda hingegen ist eine ähnlich zynische Marketingidee wie der alberne Smart „#“, es wird der Name einer Ikone unter den Kleinwagen auf ein beliebiges Elektro-SUV gepappt und schon kannibalisiert man das eigene Image, der Urpanda war hatte ein so geniales Konzept, daß das Wägelchen bis heute von Sylt bis St. Moritz Kult ist und auch der Panda der zweiten und nur etwas überarbeiteten, dritten Generation war irgendwie kein übles Auto.

    Aber was da jetzt den Namen Panda trägt,..

  5. Edwin Edwin

    Da wird vielleicht wohl das Eine oder andere falsch verstanden. Darf ich, als früherer begeisterter Panda-Fahrer (3 Panda mit jeweils vielen Kilometern) und heute wieder (Grande) Panda- Besitzer, meinen Senf dazu geben?
    1. Design ist Geschmacksache. Tatsache ist, dass der Ur-Panda eine (praktische) Kiste war. Der Neue ist das auch.
    2. Der Ur-Panda war nie als LangstreckenHobel gedacht. Der Neue ist es auch nicht.
    3. Der Ur-Panda war verhältnismässig günstig. Der Neue ist es auch.
    4. Die Basis-Version kommt dem Panda am nächsten, weil drin ist, was man braucht – und mehr eigentlich nicht.
    Kurz: Der Granda Panda ist genau, das, was er vorgibt zu sein. Ein Panda in der Neuzeit, einfach mehr „grande“ wegen den heutigen Sicherheitsanforderungen.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      hmm, da gehe ich jetzt nicht ganz einig mit Ihnen.
      1. Design ist vielleicht eine Geschmackssache, unterliegt aber trotzdem gewissen Regeln. Und als praktisch würde ich den Grossen nicht bezeichnen, die Raumausnutzung ist nämlich gar nicht gut.
      2. Ein Langstreckenhobel war er nie, stimmt. Aber er wurde/wird hauptsächlich in ländlichen Gegenden gefahren (auch wenn das Städter anders wahrnehmen). Da braucht es eine gewissse Reichweite.
      3. Das mit dem «günstig» haben wir ja auch als die (eine) Stärke hervorgehoben.
      4. Ja, es gibt ihn auch als Hybrid. Aber wir sind nun mal nicht den Hybrid gefahren, also können wir den Hybrid auch nicht beschreiben.
      Danke, Gruss.

    • >>Design ist Geschmacksache. Tatsache ist, dass der Ur-Panda eine (praktische) Kiste war. Der Neue ist das auch.<<

      Erlauben Sie mir, Ihnen zu widersprechen.
      Design ist nicht Geschmackssache, wenn man sich wirklich damit beschäftigt, wenn man die Funktion mit der Form versucht in Einklang zu bringen, wenn man die Designgeschichte und die Designtraditionen kennt und versteht.

      Verzeihen Sie mir meinen vielleicht etwas elitären Ansatz, aber mit dem lapidaren Satz "Design ist Geschmacksache" entschuldigt man mangelnde Bildung.
      Das ist auf allen Gebieten der Gestaltung so, bei Architektur, bei jedweder Art von Formgestaltung und ganz besonders bei Kunst, Literatur und Musik.

      Man kann das Design eines Lancia Aurelia Coupés ohne den entsprechenden Hintergrund nur recht unvollständig beurteilen, ebensowenig wie die Architektur eines Hauses von Luigi Snozzi oder eines Weltempfängers von Dieter Rams, ganz zu schweigen von einer Installation von Beuys, einem Text von Thomas Bernhard oder der Intolleranza von Luigi Nono, wenn man sich nicht eingehend mit dem jeweiligen Thema beschäftigt hat.

      Und wenn man das getan hat, dann fallen dem geneigten Betrachter unendlich viele Details am neuen Panda auf, wo nix stimmt, wo effekthascherisch und geschmäcklerisch eine scheinbare Robustheit suggereiert wird, wo auch die Volumina nicht stimmen, wo gegen die Funktion entworfen wurde..
      Im Gegensatz zum Urpanda, im Gegensatz auch zur zweiten Generation des Pandas und im Gegensatz zu einem Auto, welches einen ähnlichen Einsatzzweck als robustes Alltagsauto mit großer Variabilität hatte, dem großartigen, perfekt gestalteten Citroen C4 Cactus, dem ersten, dem mit den Fendern an den Türen!

  6. Anfang der Woche lag die aktuelle auto revue aus Wien im Briefkasten, der Artikel über den Grande Panda paßt hervorragend zum Text von Herrn Ruch…

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