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Fahrbericht Fiat 128

Der Unterschätzte

Er wird einfach zu wenig gewürdigt, der Fiat 128, der eigentlich eine Revolution war, damals, 1969. Und der sehr berühmte Väter hatte, Dante Giacosa, der schon den Topolino, den 500er und den 124er konstruiert hat. Und Aurelio Lampredi, dessen Zwölfzylinder Ferrari schnell und berühmt gemacht hatten. Für den Fiat 128 entwickelte Lampredi einen vorne quer eingebauten 1,1-Liter-Vierzylinder mit einer oberliegenden Nockenwelle, der auf 55 PS bei 6000/min kam, also sehr drehfreudig war. Und das maximale Drehmoment von 80 Nm trotzdem schon bei 3000/min erreichte, was damals eine sensationelle Leistungskurve ergab. Noch ein wichtiger Punkt: er war einfach zu reparieren. Als wohl erster Hersteller überhaupt machte sich Fiat in jenen Jahren Gedanken über Kosten und Reparaturfreundlichkeit – und das nicht etwa deshalb, weil der 128 häufiger in der Garage stand als andere Fahrzeuge. Das Gegenteil war der Fall, bloss die Geschichte mit dem Rost, die war keine schöne.

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Ausserdem hatte der kleine Fiat Einzelradaufhängung rundum – dies zu einer Zeit, als sich seine Konkurrenten teilweise noch mit Pendelachsen herummühten. Die Fahrleistungen waren im Vergleich zu Käfer, Kadett und Escort grossartig – und das galt noch mehr für die Grösse des Innenraums des 3,85 Meter langen Fiat, der nur gerade 750 Kilo wog. Die Form – klassischer geht es wohl gar nicht, die Fronthaube war fast gleich lang wie der Kofferraum-Deckel, und wären nicht die Lampen gewesen, man hätte vorne und hinten kaum voneinander unterscheiden können. Doch der 128er war ein wegweisendes Fahrzeug, erstmals gab es in der unteren Mittelklasse auch so etwas wie Knautschzonen,

Über die Jahre wurde die Modell-Familie fleissig weiter entwickelt, ab 1970 gab es einen Kombi, es gab den 128 Rally mit 1,3 Liter Hubraum und 67 PS, es kam 1972 das Sport Coupé (später Berlinetta genannt) dazu – und eigentlich ist ja auch der X1/9 ein 128er-Derivat. Zwar stellte Fiat 1978 den Nachfolger vor, doch weil die Verkaufszahlen weiterhin gut blieben, wurde der Fiat 128 bis 1983 gebaut (als Zastava gar bis 2008 – und in Ägypten sogar bis 2009).

Nochmals zurück zum hübschen, zweitürigen Coupé, das ab 1971 angeboten wurde, mit einem 1,1-Liter, der unterdessen 67 PS leistete, sowie einem 1,3-Liter, der auf 75 PS kam, aber das deutlich bessere Drehmoment bot. Der 128 S hatte Einfach-Scheinwerfer, der 128 SL sehr hübsche Doppel-Scheinwerfer, mehr Chrom und eine aufgewertete Innenausstattung. Was die erste Generation der 128 Coupé aber nicht besass, das war eine Heckklappe. Die kam erst in der zweiten Generation, die zwischen 1975 und 1979 gebaut wurde. Ob die neuen Coupé mit der Heckklappe hübscher waren als ihre Vorgänger, darüber liesse sich bestens streiten, aber auf jeden Fall waren sie viel praktischer. Und gerade mit dem 1300er (der jetzt offiziell nur noch 73 PS hatte) war (und ist) das Fahrvergnügen ziemlich gross, die Fiat sind leicht und handlich und fröhlich. Wir hatten es mit einer Sonderserie zu tun, «Suisse Special», die aber weitgehend der vom Werk angebotenen Variante «Sport» entspricht und sich von den Serienmodellen vor allem durch die breiteren Reifen unterscheidet, 165er anstatt 145er sind aufgezogen.

Es waren halt schon noch gute Zeiten, damals. Fiat gab die Höchstgeschwindigkeit für sein kleines Coupé mit 159 km/h an, das reisst heute keinen mehr vom Sitz. Doch der Wagen wiegt halt nur 825 Kilo, und die lassen sich um einiges flotter bewegen als heutige Kleinwagen, die 400, 500 Kilo schwerer sind. Das 128 Coupé misst 3,83 Meter in der Länge und nur 1,56 Meter in der Breite, in den Kurven neigt er sich bedrohlich zur Seite, hinten hat er nur Trommelbremsen, das Getriebe muss mit vier Vorwärtsgängen auskommen, doch das reicht völlig. Schön ist auch: man hat dauernd das Gefühl, so richtig schnell unterwegs zu sein, die Reifen quietschen in der Kurve, die Vorderräder schieben flott weg, die Arbeit am Lenkrad und am langen Schalthebel erscheint rennmässig, doch wenn man dann auf den Tacho schaut, dann ist man immer noch innerhalb der engen Grenzen, die unsere Freunde und Helferlein noch zu akzeptieren gewillt sind.

Sie haben bereits einen netten Liebhaber-Wert erreicht, die 128 Coupé, auch jene der zweiten Generation. Erstklassige Exemplare kosten über 20’000 Franken, für ein gutes Stück sind auch 15’000 Franken zu entrichten. Rost ist natürlich das grösste Problem, doch unser Fahrzeug, mit dem wir eine kleine Ausfahrt machten und das uns von der Oldtimer Galerie in Toffen zur Verfügung gestellt wurde, zeigte in diesem Bereich keinerlei Schwächen; auch das Interieur ist quasi wie neu. In schwindelerregende Sphären werden die Preise nie steigen, doch so ein kleiner Fiat, der unterdessen auch Veteranen-Status hat, ist so etwas wie das perfekte Einstiegsmodell in die Welt der Oldies. Die Italiener sind relativ günstig im Unterhalt, es gibt noch jede Menge Ersatzteile, und auch die Arbeit am Auto selbst verlangt keinen Hochschul-Abschluss als Ingenieur. Dazu kommt die Freude am Fahren: Natürlich macht ein alter Aston oder ein Ferrari mehr her und ist auch schneller, doch dieses 128 Coupé ist ein absoluter Sympathieträger, der nicht nur Frauenherzen höher schlagen lässt.

Mehr Fiat haben wir in unserem Archiv.

8 Kommentare

  1. Rolf Rolf

    Er war ganz wunderbar. Eine Sportlimousine gegen die genannten Deutschen, mit kernigem Sound.

    Das Wichtigste, er war ein Meilenstein, der erste Fiat mit Frontantrieb und Quermotor.
    Der etwas größere 124 war noch konventionell gebaut, wurde zeitgleich produziert.

    Dieser 128, marginal vergrößert, mit integrierten Stoßstangen, könnte vielleicht sogar als E-Auto funktionieren. Man sollte nur die Batterien so verteilen, dass man die Sitze nicht immer so viel höher einbauen muss.

    Mit dem richtigen Preis kann ich mir vorstellen, dass es in Süd- und Osteuropa, wo sogar Corsa und Polo lieber als Stufenheck-Autos verkauft wurden, ein Erfolg werden könnte, in Deutschland würden sich bestimmt auch einige Liebhaber finden.

    • Christian Christian

      JA Rolf, meine Gedanken gehen auch in diese Richtung.

      Es wäre wegen des geringen Gewichts die richtige Basis, um eben das Mehrgewicht einer Batterie „aufzufangen“, oder als optimierter Verbrenner. Ich könnte mir vorstellen, dass man mit der Basis ein 3-Liter-Auto locker auf die Räder stellt.

      Das ganze Assintenzgedöns und Verstärkungen (Verschwererungen), die nötig sind, damit man mit 100 km/h gegen einen Baum knallt um dann ohne Kratzer auszusteigen, müsste nicht sein. ESP vermutlich auch nicht, denn die „Kiste“ ist Fahrwerksseitig absolut sicher. ABS und Airbag wäre allerdings schon nötig.

      Leider hat sich die Fahrzeugindustrie von solchen sparsamen Konzepten, die ja auch der Golf 1 kopiert hat, total entfernt. Ein aktueller Fiat 500 Verbrenner wiegt schon über 1000kg, dafür hat er auch 5 Sterne im Chrashtest. Wenn man dann hinter den „Vorhang“ schaut, weis man, wo das Mehrgewicht herkommt. Obwohl die Grundkonstruktion die gleiche ist.

      Dante Giacosa kam ja von der Abteilung Flugzeugbau, und von daher sind alle seine Konstruktionen auf „Leichtbau“ ausgerichtet gewesen. Außer der Corvette fällt mir kein Auto ein, wo die kompakte und leichte Hinterachse eine einlagige Querblattfeder aufweist, die dermassen Raumsparend ist und trotzdem gute Führungs- und Fderungseigenschaften aufweist.
      Eine weitere Idee Ciacosas war, beim Quermotoreinbau die logische Anordnung von Motor, Kupplung, Getriebe und Differential in einer Reihe zu bauen. Das diente vor allem der einfacheren Herstellung aber auch der einfacheren Wartung. Während beim Mini, beim Miuraund Ferrari Dino die Getriebe unter und im Motorgehäuse untergebracht waren, mit teilweise gemeinsamen Ölvorrat. Damit ergab sich auch der Platz für das Reserverad im Motorraum und wieder war mehr Platz im Innenraum gewonnen. Allerdings wurde das Auto etwas breiter als bei der „verschachtelten“ Bauweise…

      Leider war das die Zeit, als Korrosionschutz und miese Stahlqualität diesem doch sehr fortschrittlichen Auto sehr zusetzte und heute gibt es nur wenige „Überlebende“. Leider rechtfertigt der Wert so eines Autos nicht die Retaurierung der Hülle. Die Technik ist dagegen kein Problem.

      • Rolf Rolf

        Hmmh, ESP ist, glaube ich, mittlerweile Vorschrift bei Neuwagen und mit ABS sicher eines der wichtigsten Sicherheitsfeatures bei Autos. Der leichteste Rutscher auf Schnee überfordert viele Autofahrer. Crashsicherheit ist nicht unwichtig.
        Es gab mal einen Opel Van, der war da schlecht und verkaufte sich folglich nicht.

        Ebenso sind heute Servolenkung (elektrisch beim E-Auto), Klimaanlage, Fensterheber, Zentralverriegelung unverzichtbar, auch Parkpiepser.

        Aber bei den wirklich unwichtigen Gimmicks, könnte man sparen. Ein übertriebenes und verschachteltes Infotainment ist nicht nötig. Das Auto sollte einfach funktionieren, ohne dass man sich um die Technik dahinter Gedanken machen muss.

        Ganz gut finde ich den Ansatz des Slate Truck. Nur das Nötigste, der Rest übers Handy.
        Dacia macht das ähnlich, erst bei den teureren Versionen wird ein vernünftig dimensioniertes (eben nicht zu riesiges) Display spendiert.

        Ich halte das E-Auto schon für zukunftsorientiert.
        Ein 3-Liter Auto würde hohe Entwicklungskosten verlangen, nach wie vor und eine gute E-Plattform (Skateboard) würde auch keinen parallelen Verbrenner zulassen.

        Wir hatten den 500 zwei mal, einmal als 1.2 Liter Vierzylinder und dann als so genannten Hybrid, 1.0 Liter Dreizylinder mit großer Batterie.
        Letzterer verbrauchte einen halben Liter weniger, dafür war er so mager eingestellt, dass man ihn, wenn man mal hochdrehte, nicht mehr ruckfrei schalten konnte.
        Und da lag nicht an der Bedienung des Kupplungspedals. Die rund 70 PS haben übrigens locker ausgereicht für den Alltag und wir hätten damit auch glatt Langstrecke angegangen, wenn es sich ergeben hätte. Ungewohnt in Turbo-Zeiten nur der nicht-Schub von unten.

      • froupe froupe

        Hallo Christian,
        die Konstruktion der querliegende Blattfeder an der Hinterachse wurde bei Fiat weiterverwendet, der Ritmo hatte sie auch noch,
        letzter Abnehmer war der Seat Ibiza , der ja ein echtes europäisches Patchworkauto war. Peter hat ihn auch einmal beschrieben.

  2. DeHavilland DeHavilland

    Frage zum Reserverad im Motorraum.
    Mein erstes Auto kam in Gestalt eines Fiat 127, also der Schrägheckversion des 128. Meiner war, alters- und zustandsbedingt (was ich mir als Oberschüler halt leisten konnte) objektiv kein gutes Auto, hat mich aber mit bescheidener Motorleistung (40 PS) und gutem Fahrwerk und robusten Metallstoßstangen sicher über meine stürmische Anfängerzeit gebracht. Auch der hatte das Reserverad im Motorraum und schon damals habe ich mich gefragt, ob die heißen Temperaturen dem Gummi nicht schaden.
    Vielleicht weiß einer der Mitforisten oder der Autor was dazu?
    MfG
    DeHavilland

    • Christian Christian

      Hallo Herr DeHaviland,

      ja, der 127er hatte auch das Reserverad im Motorraum. Der 127 war aber ein eigenes Entwicklungsprojekt unterhalt des 128, wenn auch mit gleicher Unterkonstruktion.
      Der 127er musste noch den 850er Motor, der ja wiederum vom 600er abstammte übernehmen.
      DAs Reserverad lag eigentlich gut „durchlüftet“ über den Bereich Getriebe, also seitlich vom Motor. Und Reifen halten schon ganz erstaunliche Temperaturen aus! In der Formel 1 werden die Reifen bis fast 100°C aufgeheizt, damit sie gut „arbeiten“.
      Aber im Gegensatz zu späteren Autos hatten diese Autos noch einen vollwertigen Ersatzreifen und nicht so ein Notrad…

  3. B.P. B.P.

    Basierend auf dem 128 hatte die serbische (damals noch jugoslawische) Zastava auch einen 5-Türer entwickelt, den Zastava 101. Der wurde zum Familienauto Nr.1 in Ex-Jugoslawien und wurde wegen Embargo auch weit in die Nuller Jahre gebaut. Vor der Wende wurde der auch in die DDR exportiert – gibt’s somit auch auf deutschen Straßen noch Exemplare.

  4. udo udo

    Leicht und Handlich!

    Der Kabelbaum in einem Hochsitz Audi-irgendwas Q7
    wiegt… in Worten : “ EINHUNDER ZWANZIG KILO“

    120 Kilo.
    Damit die 24 fache Arschheizung den dicken eh schon dahin siechenden
    Passagier ( en) das restliche , von der Werbung und Markeiting begleitet
    Leben, oder was das sein soll, so angenehm wie möglich ist.
    Dazu wird für dieses, immer grösser werdene Klientel, das adiphös die
    Strassen verstopft, das Tempo auf den Strassen immer weiter gesenkt.

    Ich denke oft an meinen kleinen Alfa Sprint 1,5 er 890 kilo echte 90 ps.
    Der hat mich 20 Jahre begleitet.
    Und jeden Tag spass gemacht.

    Ich sitze gerade in einem Leihwagen ( Firma) keine Ahung so ein Rollmops
    von Schkoda, 2400 Kilo, und nach 80 km will der Akku schon leer werden.

    So tot, so leblos, so nichts.
    Optisch.. eine Mülltonne . am Dienstag bin ich den los.
    Dann normler bmw 320er..

    2025 schön ist nur der Ausblick in den blauen Himmel 🙂

    Ps: gut gemachtes Format, durch Zufall gefunden, ich lese ja seit ewig
    diese lobet-preiset-den-volkswogen-Format nicht, wäre reine Zeit ver
    schwendung.
    Das hier ist gut. Schmökern. Danke Udo

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