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Mazda und seine Kodo-Designsprache

Die Schönheit natürlicher Bewegung am stillen Objekt

Die Legende geht so: Als Ikuo Maeda im April 2009 seinen Job als Chefdesigner antrat, kam er zur ersten Sitzung mit seinen Mitarbeitern mit einem Bild eines springenden Geparden. Genau so, soll er gesagt haben, werden unsere zukünftigen Fahrzeuge aussehen – und jetzt: macht Entwürfe! Gut anderthalb Jahre später, im November 2010, präsentierte Mazda auf der Los Angeles Auto Show das Concept-Car Shinari. Und ja, man konnte tatsächlich sehen, wie die Vorstellung von Maeda-san (der übrigens seit 1982 bei Mazda arbeitet, sein Vater Matasaburo hatte den RX-7 entworfen) auf ein Automobil umgesetzt werden konnte: «Es geht auch um Schärfe. Die Oberflächen stehen unter Spannung und vermitteln Geschwindigkeit, während das verführerische Innere wie handgemacht wirkt».

Aber Maeda ging noch viel weiter: Zusammen mit dem Shinari brachte er auch die Philosophie einer neuen Designsprache zu Mazda. Er nannte sie Kodo – Soul of Motion. Eigentlich bedeutet Kodo wörtlich übersetzt «Herzschlag», doch Maeda-san interpretierte das als die kraftvolle und unwiderstehliche Schönheit natürlicher Bewegung in einem stillen Objekt. «In Japan haben wir das Gefühl, dass Handwerker dem, was sie herstellen, Leben einhauchen. Wir glauben, dass eine Form, die aufrichtig und sorgfältig von Menschenhand hergestellt wird, eine Seele erhält», erklärte Ikuo Maeda sein Konzept. So bekommt «Soul of Motion» eine doppelte Bedeutung, denn es drückt sowohl die Essenz der Bewegung als auch die «Seele» aus, die dem Auto von den Mazda-Handwerkermeistern (und als solchen sah sich auch Maeda) verliehen wurde. Das Wort Shinari beschreibt zudem die kraftvolle und doch geschmeidige Erscheinung grosser Kraft, mit der hochfeste Materialien wie Stahl oder Bambus verdreht oder verbogen werden. Das Wort nimmt auch noch Bezug auf die Erscheinung von Menschen oder Tieren, die ihren Körper flexibel verformen, um eine schnelle Bewegung zu generieren – man denke an den Gepard.

Es folgten in den nächsten Jahren eine ganz Reihe weiterer Concept-Cars, Minagi, Takeri, Hazumi, die RX-Vision. Doch viel wichtiger: Die Kodo-Designsprache wurde schon 2011 in ein erstes Serienmodell umgesetzt, den CX-5. Es folgten der Mazda3 und der Mazda6. Heute sind alle Mazda-Fahrzeuge von Kodo bestimmt, selbstverständlich auch der neue Mazda 6e mit seinen sanften, fliessenden Linien, aber auch dem Innenraumkonzept, das von der «Ma»-Philosophie beeinflusst ist, welche die Einfachheit und Schönheit des offenen Raums betont. Ein weisses Blatt Papier, auf dem nur die nötigsten Linien sichtbar sind.

Ikuo Maeda wurde über die Jahre zu einer Legende, nicht nur bei Mazda, sondern des Automobildesigns überhaupt. Er hat sich zurückgezogen als Chefdesigner, aber er ist noch als Berater tätig – und ermahnt seine jungen Kollegen auch heute noch, «dass es sich beim einem Automobil um mehr handelt als ein Transportmittel oder ein Stück Blech». Er sagt: «Bei der Kodo-Designphilosophie geht es darum, der Form unserer Fahrzeuge Leben einzuhauchen. Die Energie, die in der Dynamik von Lebewesen und in deren Bewegungen steckt – diese Energie, diesen Rhythmus müssen wir eingefangen, in die Form unserer Fahrzeuge injizieren und ihnen damit eine Vitalität verleihen, die sie wirklich zum Leben erweckt». Maeda ist auch sehr zufrieden mit dem neuen Mazda 6e: «Die aktuelle Generation von Mazda-Fahrzeugen hat daher eine Optik, die eleganter ist als je zuvor und dabei dennoch jene für den Mazda-Stil charakteristische Vitalität aufweist. Wir haben eine Designphilosophie abgesteckt, die den eigenständigen japanischen Begriff von Schönheit umfasst, ein über Jahrhunderte kultivierter Stil, der gleichermassen erhaben wie feinsinnig ist. Mazda-Design ist nicht Selbstdarstellung; es geht vielmehr um eine Neuinterpretation grundlegender Elemente der japanischen Ästhetik und eine neue Form von Eleganz».

Dann mal schön der Reihe nach:

2010: Mazda Shinari

2011: Mazda Minagi

2012: Mazda Takeri

2014: Mazda Hazumi

2015: Mazda Koeru

2015: Mazda RX-Vision

2017: Mazda Kai

2017: Mazda Vision Coupé

Mehr Mazda haben wir im Archiv. Kürzlich sprachen wir mit Jo Stenuit, Chefdesigner Mazda Europe, hier. Auch wichtig in diesem Zusammenhang: Takumi, die grossen Meister der Handwerkskunst. Und dann ist da selbstverständlich der neue Mazda6e.

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