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Die Ehrfurcht vor dem ehrlichen Handwerk

Die grossen Takumi-Meister

Der Designansatz bei Mazda ist ganz anders als bei allen Autoherstellern. Klar, da ist Kodo, davon werden wir noch erzählen. Doch das geht noch viel weiter: Gerne beauftragen die Japaner zuerst grosse, bekannte Meister ihres Handwerks, so genannte Takumi, mit der Umsetzung gewisser Formen. Der Grossmeister des Mazda-Designs, Ikuo Maeda, hatte das einst so erklärt: «Bei Mazda experimentieren wir mit verschiedenen Ideen, um aus künstlerischen Formen Automobildesign zu machen. Diesen Prozess nennen wir «erforschende Vorbereitung»: eine Reise vom Konzept in die Realität, die stets mit einer ersten Skulptur beginnt. Sie bildet die Vorlage für alles, was später folgt. Mit dem Prozess der erforschenden Vorbereitung stellen wir sicher, dass unsere durchgängige Philosophie das gesamte Mazda-Modellprogramm prägt. Denn im Prozess der Designentwicklung geht es vor allem um den ersten Eindruck, um das Gefühl, das bei den allerersten Ideen entsteht und das dann den gesamten Entwicklungsprozess über bewahrt wird, bis das Auto endlich zum Start bereit ist. Erst nach einer ersten Skulptur folgt die Papierskizze der Designer, dann das Tonmodell und schliesslich die digitale Erstellung dreidimensionaler Modelle mit Softwareunterstützung».

Selbstverständlich haben auch die Mazda-Designer immer schon einen Plan, eine Idee, bevor sie sich an einen Takumi wenden. Einer davon ist Yutaka Kawano, der im Mazda Design Modelling Studio in Hiroshima arbeitet. Er ist der Meister des Metalls. Seit mehr als 40 Jahren kann er mit seinen selber konstruierten Hämmern, Holzschlegeln, Schraubstöcken, Ambosse und Scheren Blech in Formen bringen wie nur wenige andere; das ist nicht nur perfektes Handwerk, das ist unbedingt auch Kunst. Doch vor allem lassen sich die Mazda-Designer von Kawano und seinen Ideen für künftige Modelle inspirieren. Seine Metallarbeiten haben einen direkten Bezug zu den Fahrzeugen, die nur ein paar hundert Meter von der Werkstatt entfernt von den Produktionsbändern laufen. Das glänzende Metall etwa, das überall in seinem Studio zu sehen ist, diente unter anderem beim Mazda3 als Inspiration für die verchromten Innenverkleidungen und für die Fahrzeugform insgesamt.

Ein anderes Beispiel sind die Urushi-Lackwaren, die eine jahrtausendealte Tradition haben. Der Urushi-Saft stammt von einer Baumart, die nur in Ostasien wächst. Er wird zum Schutz und zur Verzierung von Gegenständen verwendet und verbindet dabei Kunst und Funktion. Die Verarbeitung dieses Safts ist eine knifflige Aufgabe, die viel Geld erfordert: Naoya Takayama, ein preisgekrönter Urushi-Künstler aus Hiroshima, trägt Dutzende von Urushi-Schichten auf und wartet jedes Mal mehrere Tage, bis die Schicht getrocknet ist, bevor er sie auf 0,03 mm Dicke abschleift. Dabei erreicht er schwarze und rote Farbabstufungen, indem er mehrere Schichten statt nur eine aufträgt, was dem Dekor mehr Tiefe verleiht. Mazda hat viel bei Takayama gelernt, seine Technik auf die robotergestützte Takuminuri-Lackiertechnik übertragen, bei der das Aufbringen mehrerer Lackschichten für mehr Tiefe und Detailreichtum sorgt. Zuletzt hat Mazda nach dieser Methode Artisan Red entwickelt, einen aussergewöhnlichen roten Farbton, der an einen reifen, in unübertroffener Handwerkskunst hergestellten Wein erinnert. Artisan Red reiht sich ein in die Palette hochwertiger Lackierungen von Mazda wie Soul Red Crystal, Polymetal Grey und Rhodium White. Sie alle bestehen aus drei Schichten: einer Klarlackschicht, einer durchscheinenden Lackschicht und einer reflektierenden/absorbierenden Schicht. Sie kombinieren eine herausragende Ästhetik mit einem reduzierten ökologischen Fussabdruck. Takuminuri-Lackierungen betonen Stärke und Schönheit und verleihen den Oberflächen des Fahrzeugs gleichzeitig eine grössere Tiefe und stärkere Reflexionen.

Dass Mazda in Japan und vor allem in der Umgebung von Hiroshima die wichtigsten Takumi nicht nur kennt, sondern oft auch mit ihnen zusammenarbeitet, das versteht sich von selbst. Doch auch Mazda in der Schweiz schätzt und ehrt das Handwerk, unterstützt immer wieder junge Menschen, die sich japanischen Traditionen verschrieben haben. Zum Beispiel Taro Nordberg (taronordberg.com), dessen Wurzeln in Kyoto liegen, ein spannender Künstler, der Kalligraphie mit moderner Kunst vermischt und so aufsehenerregende Werke schafft.

Doch da ist noch ein wichtiger handwerklicher Punkt, den Mazda von anderen Herstellern unterscheidet – und viel mit Takumi zu hat. Denn erst mit dem Erstellen eines Tonmodells wechselt das Konzept von der zweidimensionalen in die dreidimensionale Ebene. Eine Reihe von Tonmodellierern werden gebeten, die Skizze zu interpretieren. Dabei entstehen verschiedene Modelle im Massstab 1:4, die sich jeweils auf subtile Weise unterscheiden. Aus den besten Elementen wird ein finales Modell in Originalgrösse erstellt: die Vorlage für die spätere Serienproduktion. Die Aufgabe des Tonmodellbauers ist es, die Ideen der Designer in ein dreidimensionales Objekt zu übertragen. «Auch wenn wir uns im goldenen Zeitalter der Digitaltechnik befinden, legt Mazda in der Designentwicklung weiterhin viel Wert auf Handarbeit», sagt Modellierer Norio Terauchi. «Das Schöne an der Arbeit mit Ton ist, dass wir intuitiv eine Form kreieren können, die die Herzen der Menschen anspricht. Durch wiederholte leichte Anpassungen entsteht nach und nach eine perfekte Linie. Diese sinnliche Schönheit lässt sich mit digitaler Technologie nur schwer reproduzieren». Und weiter: «Als Tonmodellierer achte ich vor allem auf Lichtreflexionen. Manchmal lässt sich die Form nicht so umsetzen, wie sich die Designer das vorstellen. Ich mache dann aus meiner Perspektive als Tonmodellierer einen alternativen Vorschlag. Bei Mazda ist das überhaupt nicht ungewöhnlich. Ich kann diese Vorschläge machen, weil ich ständig darüber nachdenke, was das Design zum Ausdruck bringen soll». Erst wenn der Tonmodellierer den Formen eine Seele einhaucht, erhält die Idee eine eigenständige Identität.

Mehr Mazda? In unserem Archiv.

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