Die Rückkehr der Vernunft
Was schon immer wieder erstaunt, erfreut: Wie es Mazda in den vergangenen Jahren immer wieder schafft, seinen Fahrzeugen schöne, harmonische Formen mit auf die Strasse zu geben. Zwar ist es mutig, in einer Zeit, in der vor allem SUV gekauft werden, noch eine klassische Limousine auf den Markt zu bringen, doch man darf wohl davon ausgehen, dass potentielle Neuwageninteressenten beim Anblick des Mazda 6e schwach werden könnten, souveräne Eleganz allenfalls wieder mehr schätzen als klobige Modeerscheinungen. Entgegen aller Trends bleibt ja auch das «kleine Schwarze» von Coco Chanel der Inbegriff von Stilbewusstsein. Dass alle Mazda in «Soul Red Crystal» besonders gut aussehen, hat sich längst herumgesprochen, doch auf dem zweiten Elektromodell der Marke wirken auch hellere Farben, etwa das neue «Melting Copper», bestens.



Doch der neue Mazda6e überzeugt nicht nur mit einem sehr adretten Äusseren, sondern auch mit inneren Werten. Als erster Mazda verfügt der Stromer nun über einen grossen Touchscreen, 14.6-Zoll im Durchmesser. Dies mag etwas gewöhnungsbedürftig sein, weil viele Funktionen nun über diesen Bildschirm angesteuert werden, doch das Bedienkonzept ist sehr logisch aufgebaut, man kann sich sein eigenes Menu konfigurieren, Tasten mit seinen Favoriten belegen – das hat man nach der ersten Ausfahrt im Griff. Vor dem Lenkrad befindet sich ein weiterer Display – und dann ist da auch noch ein Head-up-Display, dem man nach seinen eigenen Vorstellungen konfigurieren kann. Doch noch viel wichtiger: Die Gestaltung des Innenraums ist angenehm zurückhaltend. Es braucht keine Effekthascherei und Blingbling, sondern in erster Linie schöne, edle Materialien, die dann auch noch sehr sauber verarbeitet sind. Selbst die zweifarbige Lederausstattung in der feinsten Takumi-Version wirkt nicht wie reiner Luxus, sondern überzeugt mit ihrer Natürlichkeit. Das Auge findet schnell Ruhe, das haptische Erlebnis ist erfreulich – japanische Handwerkskunst trifft hier auf hochwertiges Design. Und auf jahrzehntelange Erfahrung im Limousinenbau: gute, bequeme, auch langstreckentaugliche Sitze, reichlich Platz in der zweiten Reihe, sowohl für Knie wie auch Kopf, ein grosser Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 466 bis 1074 Liter. Da fährt man dann auch ganz entspannt auf längere Reisen. Denn selbstverständlich sind auch alle modernen Sicherheitsfeatures serienmässig verbaut. Die fünf Sterne von Euro-NCAP sind noch nicht bestätigt, dürfen aber erwartet werden.





Und diese angenehme, entspannte Ruhe setzt sich im Fahrbetrieb fort. Selbstverständlich sind Elektrofahrzeuge per se ruhiger, doch im Mazda 6e hört man kaum noch Abroll- oder Windgeräusche. Dazu kommt eine Fahrwerksauslegung, die mehr auf der komfortablen als auf der sportlichen Seite ist – ganz entspanntes Gleiten ist auf jeden Fall eine der grössten Stärken des neuen Mazda. Das bedeutet nun aber nicht, dass er sportlichere Ambitionen nicht auch unterstützen würde, die Lenkung ist angenehm präzis, eine flottere Gangart auf der Landstrasse quittiert der Japaner mit einem Lächeln. Und verbleibt auch da in aller Ruhe. Es ist halt schon eine feine Kombination bei diesen Stromern: Man weiss darum, dass man kann, aber man muss irgendwie nicht. Was dann auch wieder zu einer entspannteren Fahrweise beiträgt.

Auch die Elektrotechnik setzt nicht auf wahnwitzige Kraftakte, sondern auf einen günstigen Verbrauch sowie Langlebigkeit. Die Basisversion kommt mit 258 PS und 320 Nm maximalem Drehmoment, das ist mehr als nur ausreichend. Den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft der gut zwei Tonnen schwere Mazda in beachtlichen 7,6 Sekunden; die Höchstgeschwindigkeit ist auf 175 km/h begrenzt. Wunderbar ist die souveräne Durchzugskraft, es passiert alles mit einer spielerischen Leichtigkeit; nur Fliegen ist schöner. Als Verbrauch geben die Japaner 16,6 kWh/100 km an. Bei einer ersten, gar nicht zurückhaltenden Ausfahrt kamen wir aber nicht über 15 kWh/100 km. Die Batterie verfügt über eine Bruttokapazität von 68,8 kWh, sie kann am Schnelllader mit 165 kW geladen werden, also von 10 auf 80 Prozent in 24 Minuten. Als Reichweite gibt Mazda 479 Kilometer an – das erscheint nach einem ersten Fahreindruck nicht unrealistisch. Erhältlich ist auch noch eine Long-Range-Variante mit 245 PS und einem 80-kWh-Akku, da liegt die Reichweite dann bei 552 Kilometern.





Der Preis von ab 43’600 Franken erscheint sehr fair für die gebotenen Leistungen, zumal der Japaner schon in seiner Basisversion sehr reichhaltig ausgestattet ist, die höchste Ausstattungsstufe Takumi Plus inklusive dem zweifarbigen Lederinterieur nur 1850 Franken Aufpreis kostet. Die Ruhe, die er verbreitet, die ist zudem unbezahlbar. Es ist erfreulich, dass die Japaner, die bekanntlich nicht immer den direkten Weg zum Ziel wählen, wieder mit einem sowohl sehr interessanten wie auch vernünftigen Angebot bei den Limousinen vertreten sind. Und das im Vergleich zu den wenigen vorhandenen rein elektrischen Konkurrenten auch noch konkurrenzlos günstig.






Ich kann nicht darüber hinwegsehen, dass der Mazda aus der Seitenperspektive aussieht, also ob ihm jemand zuvor reingefahren ist und die Seite zerdrückt hat. Von Hinten gibt die Karosserie einen ähnlichen “Eindruck.”
Nett!
Das SUV wird irgend wann aussterben.
Und es war nichts dabei, dass man als brauchbar schön bezeichen kann.
Eher peinlich.
Der Mazda ist da schon besser.
Minus der 10 cm an Bauhöhe ( die unter schwarze Linie)
Weniger eingebeult.
Das Kindergarten-display, versenkbar oder absteckbar.
30.000 Franken.
Von der Qualität her ist Mazda sowiso erhaben.
Danke für den Beitrag 🙂
Gefällt mir gut. Preis passt. Ein Lichtblick unter den E-Autos.
Wenn ich etwas ändern dürfte, wären es der mir zu große Bildschirm in der Mitte und die offenen Getränkehalter, die mit der Zeit nur eindrecken. Dank an die Amis mit ihren quarter Gallon Cola-Pötten.
Dieses Rot nennt meine Frau immer Pralinenverpackungs-Rot.
Ein bissel kitschig wirkt es schon immer auf den diversen Mazdas.
Diese „eingedellten“ Bleche hat mein Hundetransporter Grand Scenic 4 auch, die sind nicht so schlecht im Original, geben eine gewisse Spannung.
Nur wegen der Dosenhalter so ne riesige Mittelkonsole, völlig sinnlos!