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Einleitung: Porsche 911 Carrera RS (964)

Habenwollen

Nein, wir erzählen nicht die ganze Geschichte des 964er, sondern kommen direkt zum Carrera Cup von 1990, dem eigentlichen Vorläufer des Carrera RS, um den es ja hier geht. Man muss da aber schon auch das Grosseganze sehen. 1989 kam Ulrich Bez als Leiter der Entwicklung zu Porsche; nach Rücksprache mit dem Vorstand durfte er beschliessen, dass die 911er-Reihe weitergebaut wird, es wurde bereits der Startschuss für den 993 gegeben. Für Bez war klar, dass der 911 das Rückgrat der Marke war, es liess sich damit auch am meisten Geld verdienen – auch im Kundensport. Ende 1989 verfügte er ziemlich kurzfristig, dass der doch erfolgreiche 944 Turbo Cup nicht mehr weitergeführt werden würde, sondern durch einen 911 Carrera Cup (M700) ersetzt wird. Als Manager setzte er Herbert Linge ein, assistiert von Just Capito, Roland Kussmaul wurde Technik-Chef, Jürgen Barth übernahm den Verkauf. (Bilder oben/unten: #491768, Farbcode P5, im Dezember 2023 verkauft über RM Sotheby’s für 390’000 Dollar.)

Was Kussmaul da zusammenbauen liess (die Cup-Autos liefen vom gleichen Band wie die Serien-Fahrzeuge, erhielten aber eine Sonder-Behandlung), das war dann schon grob. Es kamen ein paar Kilo dazu (Überroll-Käfig von Matter, plus 26,5 Kilo). Ansonsten wurde das übliche Programm für die Kundensport-Porsche angewandt: Alles raus, was es nicht unbedingt braucht. Beim M700 war Kussmaul so gründlich wie nie zuvor. Sogar die Schrauben für Anhängpunkte etwa für das Dämmmaterial wurden entfernt, ein 1-Liter-Wischerwasser-Tank ersetzte das 7,4-Liter-Behältnis aus der Serie, neue, leichtere Rückspiegel von DP wurden angesetzt. Im Vergleich zum Carrera-2-Basis-Modell (1350 Kilo) wurden stolze 230 Kilo (1120 Kilo) eingespart. Dazu gab es einen sanft stärkeren Motor (265 anstatt 250 PS), natürlich wurde das Fahrwerk angepasst, am offensichtlichsten mit den 17-Zoll-Speedline-Felgen, es gab die Bremsen aus dem 911 Turbo – wer die ganz genauen Details haben will, dem sei das neue Buch von Christoph Mäder ans Herz gelegt. 50 Stück des Carrera Cup wurden für den Modell-Jahrgang 1990 gebaut, 40 davon an Kunden zum Preis von ab 123’000 Mark verkauft. 1991 gab es ein paar technische Anpassungen (M001), der Cup war ein voller Erfolg, 120 Stück, 1992 waren es nochmals 112 Exemplare, 1993 dann noch 15. (Bilder unten: #491377, Farbcode G4, im Juli 2024 über RM Sotheby’s angeboten, Schätzpreis 300’000 bis 350’000 Euro, nicht verkauft.)

Aber eigentlich war das alles ja nur die Vorbereitung für den wahren Carrera RS, die Strassen-Version – von der 1000 Stück gebaut werden mussten, damit sie nach dem neuen Reglement N/GT homologiert werden konnten. Wieder war der Carrera 2 die Basis, minus elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Alarmanlage, Klimaanlage, Rücksitze, Dämmmaterial, elektrische Sitzverstellung, Servolenkung, Unterbodenschutz, etc.. Es gab mit Ausnahme der Frontscheibe «Dünnglas», die Motorhaube wurde aus Alu gepresst, die Leistung des Motors (M64/03) lag bei 260 PS und einem maximalen Drehmoment von 325 Nm; als Getriebe kam die modifizierte G50/10-Box zum Einsatz. Es waren dann 1220 Kilo. Vom Modelljahrgang 1992 wurden 1916 Basis-RS gebaut und für ab 145’450 D-Mark verkauft, dazu kamen 73 Touring (M002, werden gesondert behandelt) und noch einmal 290 Clubsport (M003, werden ebenfalls gesondert behandelt). Mehr Besonderheiten? Macau (nochmals M003), RS 3.8 (M004) und RSR 3.8 (M005, haben wir schon, hier), C4 Leichtbau (hier), Cup USA (M001) und schliesslich auch noch RS America (964.320). Nein, es gibt keine Sammlung von den Basis-RS, es sind zu viele, aber wenn wir was Schönes sehen, dann kommt das dann doch (auch, damit die Preisentwicklung beobachtet werden kann). Alles andere betrachten wir intensiver. (Bilder unten: #490656, Farbcode A1, im Mai 2014 über RM Sotheby’s für 268’800 Euro verkauft.)

Chassis-Nummer: WPOZZZ96ZNS490825

Auktion: Artcurial, Paris 2026, Schätzpreis 300’000 bis 350’000 Euro, mit diesen Angaben: «It is its mileage from new – just 7,350km – which makes this car so remarkable and ensures that it is presented in such exceptional condition. This 964 Carrera RS left the factory on 5 January 1993 and is still finished in its original shade of black (L700- A1), with a black interior, black and grey two-tone bucket seats and red seat belts. Entirely to its original specification, it comes with a file including copies of the order form and sales invoice when it was bought new from the Garage Dizier in the 17th arrondissement of Paris by M. Daude on 8 January 1993. It was then carefully looked after by its owner, who only covered a few thousand kilometres with the car. After this, it was owned by a collector from northern France, who had the car serviced by Porsche Rouen IMSA in 2018, when it had covered only 5,050km. A new brake servo was fitted at this time, and its service book was stamped for the first time. In 2021, the car changed hands and was serviced by Porsche Sonauto, when it had done 6,991km, getting the second stamp in its book. Purchased in 2022 with the odometer reading just 7,340km, it joined the collection of a major Porsche collector and was given a full service in April 2024 by a Porsche specialist, with the aim of keeping the car in the best possible condition.»

Mehr seltene Porsche 911 haben wir: hier. Und noch mehr schöne Sachen im Archiv.

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