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Alfa Romeo Stelvio QV

American dream

Wir müssen vorab gestehen, dass wir sie übersehen haben. Es hatte am Alfa-Stand unserer Ansicht nach bloss eine Hand voll Giulia und sonst: nichts.

Dabei stand der Stelvio die ganze Zeit brav am Drehteller.

Aber vielleicht hatten wir einfach zu viel erwartet. Etwas mehr Höhe, ein wenig mehr Gelände, überhaupt ein wenig: Andersartigkeit. Doch wir sehen stattdessen eine Giulia-Front, die zart an der Stirn gezogen wurde, eine flache Seitenlinie und das Heck des Maserati Levante, bei dem Auspuffrohre anders angeordnet wurden. Innen ist es auch nicht anders als in der Limousine. Es gibt einen reichlich grossen Bildschirm, viel Leder, feine rote Nähte und auf Wunsche Carbon, auch an den engen Schalensitzen.

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Doch: warum sollte es das auch sein? Die Giulia war ein Wurf. Hinreichend schön, um im Pathos des Italienischen zu baden, der Grandezza von Leidenschaft, Eleganz und Sportlichkeit, dazu mit Heckantrieb, massivster Leistung, solider Hardware am Fahrwerk und Schmankerln wie Kohlefaser-Motorhaube und Keramik-Bremsanlage. Und überhaupt, 510 PS am Hinterrad und dazu Handschaltung, das bietet sonst keiner.

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Was vielleicht seinen Grund hat. Denn: nur Spinner brauchen das, Ewiggestrige, Menschen, denen Autofahren tatsächlich Spass macht. Deshalb ist die böse Giulia der Weisheit letzter Schluss nicht, zumal ihre zivilen Brüder ohne die Mörderleistung plötzlich ganz andere Massstäbe angelegt bekommen. In der echten 200-Diesel-PS-Welt zählen dann nämlich Dinge wie Ergonomie, Verarbeitung, Infotainment und Komfort.

Es musste also etwas anderes her, mehr Lifestyle, weniger Lastenheft.

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Und so stehen wir heute vor dem neuen Stelvio. Der Lösung vieler Probleme der Italiener. Denn er wird sich drüben in den USA verkaufen wie noch kein Alfa vor ihm. Er passt in den Zeitgeist – wie kein anderes Auto mit dem Scudetto vor ihm. Ein mächtiges Trumm, fette Radhäuser, gigantische Räder, ausreichend Auspuffrohre und eben: 510 PS. Dazu Allradantrieb und Automatik, damit auch nichts schiefgehen kann – und die hohe Sitzposition, damit auch ein jeder locker rein- und wieder rauskommt.

In 3.9 Sekunden auf 100 km/h und in der Spitze 285 km/h schnell – Werte, wie sie die Konkurrenz – zumindest in dieser Klasse – nicht bieten kann. Denn der Stelvio ist ein kleines SUV, tritt gegen Macan, X3, Q5, GLC und F-Pace an. Dazu dann eben die Giorgio-Plattform der Giulia mit Aluminium-Querlenkern im Fahrwerk, Faserverbundwerkstoffen bei Hauben, Aggregateträgern und teilweise sogar den Türen. Das Ergebnis sind erstaunlich leichte 1800kg, was für das sportlichste Fahrerlebnis der Klasse sorgen soll.

Wir glauben ihnen das gerne, schliesslich fährt die Giulia QV wunderbar und man kann von der gestandenen Konkurrenz durchaus abstrahieren, wie so eine Limousinentechnik auch im ersten Stock performt. Bleibt tatsächlich zu hoffen, dass der Amerikaner den Köder schluckt. Denn auch wenn die Technik wunderbar und die Marke voll Strahlkraft ist, so hilft es doch alles nicht über die Tatsache hinweg, dass der Stelvio irgendwie kein echter Alfa Romeo ist. Doch wenn er sich gut verkauft, dann soll uns das recht sein. Vielleicht bekommen sie dann ein bisschen Geld in die Kasse, um wieder wirklich echte Herzensbrecher zu bauen.

Leider hat sich das im Gespräch auf der Messe etwas anders angehört. Dort ging es dann darum, dass die Plattform noch viele Möglichkeiten hergäbe. Kleinere SUVs und auch grössere. Auch in Assistenzsysteme möchte man zukünftig investieren.

Oha.

Wir bedanken uns bei Fabian Mechtel. Wir haben aber mehr Alfa im Archiv. Etwa den Matta, der auch schon so etwas wie ein SUV war. Und selbstverständlich: die Giulia.

1 kommentar

  1. […] Romeo Bei den Italienern wird sicher der Stelvio im Mittelpunkt stehen. Der wurde allerdings schon in Detroit vorgestellt – und «radical» […]

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